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342 Milliarden EUR Investitionen haben nichts genutzt – Kommentar

Nach einer Untersuchung des Bundeswirtschaftsministeriums sowie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der durchschnittliche Raumwärmeverbrauch der deutschen Wohngebäude seit zehn Jahren trotz erheblicher Investitionen und massiver Förderung nicht zurückgegangen. Mit 130 kWh pro m2 und Jahr verbleibt er unverändert auf einem recht hohen Niveau.

Bemerkenswert sind die Investitionen in Höhe von 342 Milliarden Euro, die in diesem Zeitraum, zumeist durch die öffentliche Hand gefördert, in die Sanierung von Wohngebäuden gesteckt wurden. Nach Ansicht von Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) kann diese traurige Bilanz auf mehrere Gründe zurückgeführt werden: zum Artikel.

Kommentar BAUFÜSICK:

Nun ist endlich die Katze aus dem Sack und eine traurige Bilanz wird gezogen. 10 Jahre lang 34-35 Milliarden (34.000.000.000 ) EUR in die Sanierung gesteckt – und genutzt hat es nicht viel. Es sei denn, man wertet es als Errungenschaft, wenn es nicht schlechter geworden ist. Als GdW bzw. ASUE ist man natürlich gehalten, etwas vorsichtiger zu formulieren und auch das Suchen nach den Gründen darf eher selektiv erfolgen. Als Unabhängiger, der nicht mit den Regierungen (Bund und Länder) liebdienern muss und etwas undiplomatischer argumentieren kann und mag, formuliere ich die Probleme freier und direkter. Sie dürfen es gerne als „falsche“ Auffassung betrachten, was der eignen Überzeugung, beruhend auf langjähriger Erfahrung und Fakten, keinen Abbruch tut. Betrachten wir die genannten Hauptgründe:

1. Der gern herangezogene Reboundeffekt

Wikiblödia erklärt das wie folgt: „Der Rebound-Effekt ist ein Anstieg des Energieverbrauchs aufgrund einer Effizienzsteigerung. Er ist ein prozentualer Anteil des theoretischen Einsparpotenzials von Effizienzsteigerungen, der aufgrund des Verhaltens der Verbraucher nicht eingespart wird.“ beim UBA kann man nachlesen: „Was bedeutet der Rebound-Effekt für die Umweltpolitik?
Effizienzsteigerungen sind eine wichtige Strategie zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs. So ist zum Beispiel die Steigerung der Energieeffizienz neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien die zentrale Säule der Energiewende. Dabei muss die Umweltpolitik berücksichtigen, dass Rebound-Effekte den Rückgang des Ressourcenverbrauchs schmälern. Tut sie dies nicht, fällt der angestrebte Rückgang des Ressourcenverbrauchs geringer aus als angestrebt, die Umwelt- und Ressourcenziele werden verfehlt.“
Man kann es für den Gebäudebestand einfach erklären: es wird ein Heidengeld ausgegeben für Wärmedämmung, neue Fenster, neue Heizungsanlagen, nachdem mittels hanebüchener DIN-lastiger Berechnungsmethoden beeindruckende Energieeinsparungen herbeigerechnet wurden. Dank der teuren Dämmung und der neuen Fenster sparen die Bewohner tatsächlich viel an Heizenergie. Aber weil sie alle dusselig sind, reißen sie im Überschwang die Fenster im Winter auf, so dass die schönen Einsparungen entfleuchen. Mit anderen Worten: weil die Leute zu dumm zum richtigen Wohnen sind, wird weniger eingespart, als vorher schöngerechnet wurde.
Für den Reboundeffekt wird konkret angegeben, dass „die Wohnungen heute in der Regel um etwa 2 °C wärmer beheizt“ werden. Ein herrliches Argument, zu dem keiner die Quelle der Erhebung kennt. Das macht dann runde 12% an Heizenergie aus, die nicht eingespart werden, weil die Trottel in den Wohnungen nicht merken, dass es dank der Wärmedämmung 2°C wärmer geworden ist und folglich nicht die Thermostate etwas herunter drehen. Es könnte aber viellicht auch ein wenig damit zusammenhängen, dass die EnEV- bzw. DIN-verordnete Raumlufttemperatur mit 19°C unter den üblichen Werten liegt. Gerichtsurteile gibt es zuhauf, die sich mit Raumtemperaturen befassen.
Dabei gibt es doch so fantastische Sparansätze:

2. Gesunkene Preise für Öl und Gas

Dazu fällt mir nur ein: hoch die Preise für Heizöl und Erdgas, dann werden die Sanierungsmaßnahmen effizienter.

Zitat BBU:
Modernisierungen: Potenziale fast erschöpft. Rund 90 Prozent der Wohnungen bei den BBUMitgliedsunternehmen sind mittlerweile teilweise oder vollständig modernisiert, ihr CO2-Ausstoß wurde im Vergleich zu 1990 mehr als halbiert. Kern: „Die Modernisierungspotenziale sind fast ausgeschöpft. Weitere Modernisierungen sind wirtschaftlich kaum noch durchführbar.“ Außerdem hätten energetische Modernisierungen auch keinen Einfluss auf den Stromverbrauch, wo die Preise aber in den letzten Jahren am stärksten zugelegt hätten.

Mieterverhalten: Sparsamkeitsgrenzen erreicht. Auch beim Verbrauchsverhalten der Mieterinnen und Mieter sieht der BBU kaum noch weitere Möglichkeiten zu weiteren Einsparungen. Im Gegenteil: „Wenn die Heizungen jetzt noch weiter gedrosselt werden, drohen mittelfristig Schäden an der Gebäudesubstanz, beispielsweise durch Feuchtigkeit“, warnte Kern.

3. Heizungsanlagen nicht fachgerecht installiert

Ich halte es für keine gute Idee, den Heizungsbauern pauschal zu unterstellen, dass sie zu blöde sind, die Anlagen fachgerecht zu installieren. Dass unsere Wunderwerke an Energieeinsparung und -effizienz aufgrund vermuteter Inkompetenz der Monteure nichts nutzen, glaube wer will.

4. Unterbundene Erwärmung einer Außenwand durch die Sonneneinstrahlung durch ein WDVS

Das ist erstaunlich, dass dieses Manko offen angesprochen wird. Es ist eine uralte Weisheit, aber hier wird an den Grundfesten der DIN-gestützten U-Werttheorie gerüttelt. Denn dank dem Mittelwertaxiom gibt es keine solaren Erträge bei opaken Bauteilen, nur bei Fenstern. Nach DIN darf die Wand zwar Wärme von der Sonne aufnehmen, hat sie aber sofort wieder abzugeben (z.B. weil A+ R = 1 und A = E – Absorption, Reflexion, Emission). Nach DIN gibt es nur den heiligen U-Wert, für den extra die spezifische Wärme (das Speichervermögen) aus der Fourierschen Wärmeleitungsgleichung gestrichen wurde. Da die Wand in der U-Wert-Welt des DIN nicht speichern kann, kann sie auch keine Wärmebarriere aufbauen, die verhindert, dass wärme von kalt nach warm abfließt. Dass es in der Praxis anders aussieht, tut den Formelexperten von DIN & Co. keinen Abbruch; Pipi Langstrumpf hat es vorgemacht. Und außerdem: falsch rechnete s sich leichter.

5. Primärenergiefaktoren statt CO2-Einsparung als Zielgröße zur Berechnung

Aus- bzw. berechnen kann man so ziemlich alles. Die Krönung sehen wir bei den Klimaexperten, die für die nächsten 30 Jahre die Temperaturen für den ganzen Erdball berechnen. Die Wettervorhersage für die nächsten 5 Tage ist da weniger präzise. Ähnlich verhält es sich im Bereich der hehren Bauphysik („Die BAU-PHYSIK ist kein Sonderbereich des Bauens, sondern als „BAUPHYSIK“ von Interessengruppen zum lukrativen Absatzinstrument für Dämmstoffe und Schlimmeres bis zur „denkenden Dampfbremse“ instrumentalisiert worden. … Die in Forschungseinrichtungen zu findenden Söldner der Dämmstoffindustrie, zunehmend auch der Lüftungs- und Farbenindustrie, sitzen in einschlägigen Gremien und sorgen für absatzförderndes schadensicheres Bauen im Wortsinn mit Hilfe von Normen und Verordnungsinhalten!“ Dipl.-Phys. Rainer Bolle, 26.07.2009, Ing.- u. Sachverständigenbüro). Wir rechnen und rechnen, sind stolz auf die dritte Nachkommastelle – und am Ende kommt doch nur Blödsinn heraus. Dass es sich um verordneten Blödsinn handelt, ist nur ein schwacher Trost. Die willkürlich berechnete „CO2-Einsparung“ ist genauso ein Humbug, wie die von der Industrie soufflierten und dann staatlich verordneten Primärenergiefaktoren.

 

23.07.2020, wird noch vervollständigt

 

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