Startseite > Wärmedämmung, WDVS > WDVS Sondermüll: wird weiter produziert und verarbeitet?

WDVS Sondermüll: wird weiter produziert und verarbeitet?

giftAb dem 30.9.2016 gilt die neue Verordnung (EU) 2016/460 zur Neuregelung von persistent organic pollutants (POPs). Daher warnt der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. vor dramatischen Auswirkungen auf die Entsorgung von Dämmstoffen. In der POP-Verordnung wird der Stoff Hexabromcyclododecan (HBCD) mit einer Konzentrationsgrenze von 1.000 mg/kg gelistet und gilt damit als gefährlicher Abfall im Sinne der Abfallverzeichnisverordnung. HBCD wird in der Dämmstoffindustrie als Brandschutzmittel verwendet und findet sich in nahezu allen verbauten Dämmmaterialien. Daraus resultiert ein Problem:

Ohne Entsorgungsmöglichkeit werden die Abfallbetriebe in Deutschland diese Mengen aber nicht mehr von Handwerkern und Hausbesitzern annehmen. Daraus resultiert die Frage: WDVS: bleiben Handwerker und Bauherren auf dem Sondermüll sitzen?

Soweit zur – angekündigten – Situation in D im September 2016. Weil das noch nicht genügt – es kommt noch besser: vermutlich damit die ungelösten Probleme zunehmen, hat die Europäische Kommission die Verwendung von HBCD in Dämmmaterialien bis 21.08.2017 zugelassen. Böse Zungen würden behaupten: a) die sind wieder einmal vor der Industrielobby eingeknickt bzw. b) na, so giftig kanns denn doch nicht sein.

Sie glauben das nicht? Doch, im Februar 2016 hat das UBA bereits darüber berichtet:

Schädliches Flammschutzmittel HBCD darf weiter verwendet werden

Die Chemikalie Hexabromcyclododecan (HBCD) verzögert die Entflammbarkeit bei entzündlichen Materialien. Wegen seiner umweltschädlichen Eigenschaften steht HBCD allerdings schon seit Jahren im Fokus der Behörden. Um den weiteren Eintrag in die Umwelt zu verhindern, verbietet das Stockholmer Übereinkommen zu langlebigen organischen Schadstoffen die Verwendung von HBCD seit November 2014.

Die chemische Industrie hat bereits eine marktreife Alternative zu HBCD entwickelt – dennoch nimmt die EU-Kommission eine Ausnahme des Abkommens in Anspruch und hat die weitere Verwendung von HBCD in Dämmmaterialien zugelassen.

HBCD wird überwiegend in Polystyrol-Dämmstoffen zur Gebäudedämmung verwendet. Auch eingesetzt wird der Stoff in Textil-Beschichtungen und in Kunststoffgehäusen von elektrischen und elektronischen Geräten (z.B. Stereoanlagen). HBCD sorgt im Falle eines Brandes dafür, dass sich der Brandherd langsamer entwickelt.

Doch HBCD ist umweltschädlich, weil der PBT-Stoff gleichzeitig langlebig (persistent) ist, sich in Organismen anreichert (bioakkumulierend) und fortpflanzungsschädigende Eigenschaften (toxisch) hat. HBCD wird mittlerweile häufig in der Umwelt nachgewiesen – auch in entlegenen Regionen.

Wegen dieser Eigenschaften hat die EU HBCD bereits 2008 in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen. Für diese Stoffe fordert die EU-Chemikalienverordnung REACH eine Zulassungspflicht. 2013 wurde der Stoff auch weltweit als langlebiger organischer Schadstoff (POP) nach dem Stockholmer Übereinkommen eingestuft. Seit November 2014 gilt weltweit ein Herstellungs- und Verwendungsverbot.

Eine Ausnahme davon nimmt die EU in Anspruch. In der EU regelt die REACH-Verordnung HBCD als zulassungspflichtigen Stoff, der seit dem 21. August 2015 nur noch in zugelassenen Verwendungen eingesetzt werden darf. Zuständig für die Entscheidung ist die europäische Kommission. Für die Verwendung als Flammschutzmittel in Dämmstoffen gibt es einen Ersatzstoff für HBCD, der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen günstigere Umwelteigenschaften hat. Damit die Hersteller von Dämmstoffen ausreichend Zeit haben, HBCD zu ersetzen, hat die europäische Kommission die Verwendung von HBCD in Dämmmaterialien bis 21.08.2017 zugelassen. Eine enttäuschende Entscheidung für die Hersteller des Alternativstoffs, die ihre Produktionskapazitäten so ausgebaut haben, dass ein sofortiger Umstieg möglich wäre.

Mehr Infos zu HBCD, z.B. zur Entsorgung von behandeltem Polystyrol, finden sich in dem UBA Hintergrundpapier mit Fragen und Antworten zu HBCD. Die Zulassungen und weitere Informationen zu REACH sind auf der Seite der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) nachzulesen. UBA, 02.02.2016

Kategorien:Wärmedämmung, WDVS Schlagwörter: , , , ,
  1. 20.10.2016 um 07:33

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    der Supergau ist eingetreten!

    Dämmaterial aus Styropor, Styrodor usw ist durch die EU Vorordnung 2016/460 als Sondermüll deklariert worden.

    Die Abfallverzeichnis-Verordnung ist bereits zum 1. Oktober entsprechend geänderte und angepasste worden. Betroffen sind alle Dämmstoffe, die HBCD enthalten.

    Besonders trifft dies Dachdeckerbetriebe, Altbausanierer und Bauherren. Es fallen erhebliche zusätzliche Entsorgungskosten an. Es weiß auch noch niemand, wie das Material entsorgt werden kann.

    Vor wenigen Monaten hat der Industrieverband Hartschaum e.V noch getönt:

    „Styropor® ist ungefährlicher Abfall“

    Nun sehen wir, wie „ungefährlich“ der Dämmstoff ist – er ist Sondermüll.

    Und schon wieder wird „getönt“, dass der neu verwendete Ersatzstoff PolymerFR, ein bromiertes Styrol-Butadien-Copolymer, ungefährlich sei.

    Insoweit sind aber berechtigte Zweifel angebracht. Im Sicherheitsdatenblatt zu diesen Stoffen heißt es nicht ohne Grund: …

    http://www.blog-baurecht.de/

    Gefällt mir

  2. T
    16.09.2016 um 07:18

    … die Übergangsfrist der europäischen Kommission machts möglich:

    Übrigens: der Ersatzstoff für den Brandhemmer HBCD heißt PolyFR.
    HBCD wurde gerade deshalb verboten, weil es persistente (in der Umwelt verbleibende, nicht abbaubare) Eigenschaften hat.
    Und was muss man lesen, wenn man sich zu PolyFR erkundigt?

    Als stabiles, nahezu wasserunlösliches Polymer weist bromiertes
    Styrol-Butadien-Copolymer keine eigentliche, akute Toxizität auf. In
    der Umwelt hat es eine hohe Persistenz.

    Quelle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bromiertes_Styrol-Butadien-Copolymer

    Na janz toll!

    Lasst es doch einfach ganz mit Eurer Dämm- und Chemie-Scheiße und macht was anderes. Wir wollen keine Chemie am Bau, denn wir wollen nicht in Chemie leben!

    Gefällt mir

    • 16.09.2016 um 07:23

      Vermutlich müssen wir in ein paar Jahren nicht überrascht sein, wenn wissenschaftliche Untersuchungen (natürlich ordentlich mit Steuergeld „gefördert“) zutage fördern, dass das neue gute Wunderzeugs eine uneigentliche, nicht akute aber latente Toxizität aufweist – und der ganze Zirkus von vorne anfängt.

      Überspitzte Darstellung? Vielleicht ja. Aber: wieso hat man das Dreckszeug HBCD nicht schon damals auf seine Toxizität untersucht? War es Dummheit oder Fahrlässigkeit?

      Gefällt mir

  1. 03.11.2016 um 06:00
  2. 13.10.2016 um 06:00

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: