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Gute Frage: Warum?

muenchhausen„Bei uns, so scheint es mir jedenfalls, wird er [BAUFÜSICK: der Wissenszyklus: Forschungsidee – Forschungsergebnis – Praxistests – Praxiserprobung – Praxisbewährung – Rückkopplung zur Forschung] nachhaltig verkürzt, weil die praktischen Erfahrungen nicht erwünscht sind. Bei der Fortschreibung des Anforderungsniveaus der EnEV blieben sie daher unberücksichtigt. Wie sonst erklärt es sich, dass entsprechend den Untersuchungen auf Basis der Daten der Arbeitsgemeinschaft „zeitgemäßes Bauen“ sowie der ISTA-Management festgestellte Prebound- und Reboundeffekte unberücksichtigt blieben. Das heißt, dass unsere noch so tollen neuen modernen Berechnungsmethoden für Neubauten zu gute Energiebedarfswerte und für Altbauten zu schlechte Energiebedarfswerte ermitteln können. Auch der Energiebedarfsausweis, der dem Verbraucher zur Verfügung gestellt wird, um bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Immobilie beizutragen, ist in diesem Zusammenhang ein Taschenspielertrick, da er numerische Werte auswirft, die eine hohe Genauigkeit vorgaukeln, die in der Art aber gar nicht gegeben ist. Zudem können derartige Energiebedarfsausweise auch den Verbraucher täuschen, da je nach Energieträger ein Gebäude mit einem geringen Energiebedarf zu höheren Energiekosten führen kann als ein Gebäude mit einem höheren Energiebedarf. All dies ist bekannt.

Bekannt ist auch, dass unsere heutigen Baukonstruktionen zum Teil nicht mehr diese Lebenserwartung erhoffen lassen, wie unsere Altbauten. Stellen wir uns nur vor, dass Wärmedämmverbundsysteme, und das ist jetzt sehr optimistisch angesetzt, eine Lebensdauer von 70 Jahren haben, so ist diese Lebensdauer wesentlich kürzer als die, die wir von unseren Baukonstruktionen ansonsten erwarten können. Grundsätzlich müssen wir somit mit der Erneuerung derartiger Systeme während des Lebenszyklus eines Bauwerks rechnen. Die Frage ist, wie wir damit umgehen? Wie viel Sondermüll entsteht bei der dann notwendigen Sanierung? Eine Frage, der man sich im Hinblick auf die Nachhaltigkeit stellen muss. Zwar wird geforscht, wie Wärmedämmverbundsysteme recycelt werden können, es gibt auch Systeme zur Sanierung, bloß die Zukunft wird uns erst zeigen, ob und welche Probleme wir heute produzieren.

Tragisch oder ärgerlich wird es, wenn man dann noch mitbekommt, dass Ingenieure die diesem Hype folgen, im Rahmen von energetischen Sanierungsmaßnahmen empfehlen, historische Bausubstanz zu zerstören. …“

aus:
Das Paradoxon: Die Zertifizierung von Ingenieurleistungen oder wieso lassen wir Ingenieure das mit uns machen?
Prof. Dipl.-Ing. Axel C. Rahn
BAUKAMMER BERLIN
Nachrichten für die im Bauwesen tätigen Ingenieure
2/2016, Seite 53
Link zur Baukammer Berlin
http://www.baukammerberlin.de/wp-content/uploads/2016/07/BK-2016-02_Internet.pdf

  1. E. Müller
    29.07.2016 um 11:39

    Schaltbare Wärmedämmung

    Die Dämmung von Häusern ist eine vielversprechende Methode, Energie zu sparen, führt jedoch beim derzeitigen Stand der Standardtechnik häufig zu Problemen (vgl. Langsam dämmert es den Dämmern). Allerdings gibt es auch Unternehmen, die nicht bei der Herstellung von Styroporplatten verharren, sondern Dämmtechnologie weiter entwickeln und „intelligenter“ machen wollen. Eines dieser Unternehmen ist die in Bielefeld ansässige Firma I[n]solation UG.

    http://www.heise.de/tp/artikel/48/48971/1.html

    Gefällt 1 Person

    • 29.07.2016 um 12:04

      Aber:nach DIN 4108 und EnEV respektive diesbezüglicher Schön-/Schlecht-Rechensoftware gibt es keine solaren Erträge über die Außenwände! Siehe Artikel vom 28.06.2016:

      Solare Erträge opaker Bauteile – der EnEV-Lügenturm wackelt

      Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Bislang gab es laut Verordnung (EnEV, DIN 4108) keine solaren Gewinne über opake Bauteile, nur durch die Fenster ins Haus gelangende Wärme hatte per ordre de mufti zur Energiebilanz beizutragen. Siehe auch im Artikel Die Leiden deutscher Ingenieure vom 27.06.2016:

      „Seit vielen Jahren werden Wärmeschutznachweise mit einer Software erstellt, deren Rechenkern im Auftrag der Bundesregierung vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik erstellt wurde. In diesem Rechenmodell werden Sonnenstrahlen, welche auf Fenster treffen, rechnerisch als Energiegewinn berücksichtigt. Solche, welche auf Außenwände fallen, unlogischer Weise und inkonsequenter Weise nicht.“

      https://baufuesick.wordpress.com/2016/06/28/solare-ertraege-opaker-bauteile-der-enev-luegenturm-wackelt/

      Kommentar: Der ungebremste Wahnsinn, eben: Wahnsinn Wärmedämmung!

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  2. Simko
    20.07.2016 um 09:53

    Energiebedarfsausweise geben bestenfalls Tendenzen an und sind daher nur für qualitative, primärenergetische Beurteilungen und Vergleiche vorgesehen und geeignet.
    Steht übrigens in den Fußnoten eines jeden Ausweises! Hierzu einfach mal den Geltungsbereich der in der EnEV verwendeten DIN Normen beachten.
    Für qualitative Beurteilungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen sind andere Ingenieurmethoden und -erfahren notwendig.
    Wer sich halbwegs mit der Materie auskennt, weiß das eigentlich😉 Experten ist auch bekannt, dass zwischen Gebäude, Anlagentechnik, Nutzerverhalten und Klimastandort eine untrennbare Wechselwirkung besteht. Daher sind nur Gesamtbetrachtungen belastbar!
    Alles andere ist wildes Getöse und sinnfreie Panikmache.

    Ingenieure und insbesondere Architekten sind Bestandteil unserer Verkaufsgesellschaft. Hier geht es vordergründig um Gewinn, nicht um belastbare Wahrheiten die dem Bauherren nutzen.
    In D existieren ~ 15 Mio EFH, ZFH (2013). Jährlich kommen 0,1 Mio Neubauten mit stagnierender Tendenz hinzu.
    In jedem Fall dürfte ein Bauvorlageberechtigter, meist Architekt, hier Verantwortung getragen haben.
    Wie kommt es also, dass im praktischen Betrieb meist deutlich mehr verbraucht wird, als eigentlich notwendig wäre? Das Doppelte von der eigentlichen Notwendigkeit ist dabei absolut keine Seltenheit.
    Einfach mal Nachmessen und nachprüfbare Fakten vorlegen😉

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