Fassadenfarben – eine Betrachtung zu neu erfundenen Rädern

zauberer„Man muss das Rad nicht neu erfinden?“ – Doch, sagten sich die Macher einer Branche, die unter Innovationsarmut leidet. Und: wenn schon, denn schon. Das soll heißen, wenn wir uns schon ans Neuerfinden machen, dann nicht nur ein Rad, dann dürfen es schon ein paar Räder mehr sein.

Präsentiert wurden ein paar neuerfundene Räder aus dem Segment Fassadenfarben im März auf der Fachmesse FAF. Hierzu sei der unterhaltsame Artikel „Mit hydrophilen Grüßen – Hydrophil, hydrophob-hydrophil, biozidfrei & das neu erfundene Rad. Eine persönliche Nachlese zur FAF von Anfang März in München“ empfohlen.

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Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich, wenn es um „Algenschutz ohne Biozide“ bei Fa. W. geht – oder um eine Farbe „mit einem hohen Anteil mikrofeiner Hohlglaskügelchen“ mit einem wärmeregulierenden Energiespareffekt und nachhaltigem Schutz gegen Algen“ der Fa. M.

Wer glaubt, dass ihm das alles irgendwie bekannt vorkommt, der irrt nicht. Bis hin zu täuschend ähnlichen Grafiken und auffallend ähnlichen Textpassagen. Aber Worte und Sätze kann man nicht rechtlich schützen – und wenn bestimmte Unternehmen langjährig bestehende Technologien – oft verleumdet und erbittert bekämpft – neu erfinden, brauchen die noch nicht einmal ein Zertifikat. Wunderbare Welt des „Verbraucherschutzes“.

Um die Entwicklung zurückzuverfolgen sei noch auf den Artikel „Bauphysikalisches Kasperletheater: Ultra-/Hydrophobie vs. Hydrophilie“ aus 2012 verwiesen

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Vermutlich um den lahmen Karren in Schwung zu bringen, wird mit Neuerfindungen wieder kräftig Anlauf genommen. Offensichtlich steht dabei vieles in der Tradition einschlägiger Institute, die in ihren Forschungsberichten zur Untermauerung weiteren Forschungsbedarfs den schönen Satz anhängen: „Produkte mit solchen Eigenschaften sind uns am Markt nicht bekannt.“

Kommen wir nun zu den neuesten Rädern: „Neue Funktionen für Fassadenfarben und Putze“ heißt eine am 22.11.2016 stattfindende Konferenz. Hier sehen Sie ein paar zitierte Schwerpunktthemen, die neugierig auf „Neues“ machen.

Farbtonbeständigkeit von Fassadenfarben

„Hierbei kommt der Verwendung hochwitterungsbeständiger Titandioxid-Pigmenten eine zentrale Rolle zu. Dieser positive Einfluss kann jedoch nur in Kombination mit anderen ebenfalls beständigen Rohstoffen und Beachtung der Pigment-Volumen-Konzentration zur Geltung gebracht werden.“ [Anmerkung: eine große Bedeutung kommt der UV-Beständigkeit zu.]

Mit biozidfreien Beschichtungen gegen mikrobiellen Befall

„Für das Wachstum von Mikroorganismen ist Feuchtigkeit die alles entscheidende Kenngröße. Zur Prävention gegen Befall gilt es vor allem die Oberflächen trocken zu halten. Hier stellt sich die Frage, ob dies durch wasserabweisende (hydrophobe) oder wasserliebende (hydrophile) Beschichtungen sichergestellt werden kann. Aufgrund der wechselnden Feuchtigkeitsverhältnisse an Fassaden ist der neue innovative Ansatz die Sicherstellung einer kontrollierten, ja quasi intelligenten Wasseraufnahme beim Oberputz und Anstrich. Je nach Beanspruchung, ob Taufeuchtigkeit oder starker Regen, muss die Fassade unterschiedlich reagieren – und das idealerweise ohne den Einsatz von Bioziden.“

Eine neue Co-Bindemitteltechnologie zur Verbesserung der Wasserdampfdiffusionsfähigkeit von Farben

„Mit einer neuen patentierten Co-Bindemitteltechnologie bietet Evonik Resource Efficiency GmbH eine Lösung, Beschichtungen eine höhere Wasserdampfdiffusionsfähigkeit und damit mehr Sicherheit nach Applikation auf feuchten Untergründen zu geben. In der Präsentation wird der Aufbau und die Wirkweise dieser Co-Bindemitteltechnologie vorgestellt. An verschiedenen Beispielen werden die Stellgrößen beschrieben, wie man die Wasserdampdiffusionsfähigkeit einer Formulierung einstellen kann.“

Funktion und Charakterisierung NIR-/IR-reflektierender Beschichtungen

„Die Wirkungsweise von NIR-Systemen unterscheidet sich grundlegend von denen, die als IR-Systeme bezeichnet werden, wenngleich oftmals nur allgemein von „IR-Pigmenten“ die Rede ist. Wegen dieser Unterschiede finden deshalb NIR-Beschichtungen im Außenbereich ihre Anwendung und IR-Beschichtungen vorzugsweise im Innenbereich.

Es ist Ziel dieses Beitrags, die Funktion solcher Systeme zu diskutieren und Methoden der Charakterisierung vorzustellen. Darunter fallen im Wesentlichen die Bestimmung der solaren Reflexion, der thermischen Emission sowie die Bestimmung und Berechnung von Oberflächentemperaturen.“ [Anmerkung: das Nahe Infrarot gehört zum IR, ist ein Wellenlängenbereich gleich rechts vom VIS, also auch nichts Neues.]

Quelle

Und was ist nun das Bemerkenswerte / Traurige / Erheiternde daran? Z.B., dass es all das bereits seit Jahren gibt: die Energiesparfarbe, die variabel diffusionsoffen ist, UV-beständig ohne UV-Reflexion, niedrig emittierend im NIR (~50%), hoch reflektierend: TSR 91-94, SRI: 111, hydrophil mit begrenzter Wasseraufnahme, präventiv gegen Algen und Mikroorganismen ohne Biozide, mit einem der niedrigsten VOC Werte, praktisch gift- und emissionsfrei, rissüberbrückend mit langer Lebensdauer bei Farbechtheit, mit einem ca. 50%igen Anteil mikrofeiner Glaskeramikhohlkugeln, mit einem praktisch vielfach belegten und wissenschaftlich bestätigten wärmeregulierenden Energiespareffekt, seit 2003 Made in Germany in Berlin.

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