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Mit hydrophilen Grüßen

kasperleHydrophil, hydrophob-hydrophil, biozidfrei & das neu erfundene Rad. Eine persönliche Nachlese zur FAF von Anfang März in München.

Die FAF, das ist die FARBE, AUSBAU & FASSADE: „Die FAF zeigt sich mit einer völlig neuen Palette an Ideen für die innovative Innen- und Außenraumgestaltung. Erleben Sie Trends und Einflüsse aus ganz Europa, Neuheiten von internationaler Tragweite und impulsgebende Design-Entwicklungen.“ Was ist an Interessantem hängengeblieben?

Beeindruckend war das Leica Disto 3D S910, ein Wunderwerk der Mess- und Aufmaßtechnik. Die 1.6 T€ mögen für einige abschreckend wirken, jedoch amortisiert sich die Sache bei häufigem Gebrauch rasch. Interessant fand ich zudem das neue Feuchtemessgerät von Testo mit dem auffälligen Raumschiff-Enterprise-Aufsatz, mit dem es aber auch nicht tiefer als 5 cm misst.

Lustig war die Episode am Stand von einem Hersteller von Fliesen und Riemchen. Was sich hinter „GreenTech“ verbirgt, konnte der aushelfende Kollege eben mal nicht erklären. Aber schön waren sie. Noch lustiger war das Gespräch am Stand „Dämmen lohnt sich“, aber das möchte ich vorsichtshalber nicht wiedergeben.

Für einen guten Beitrag zu gesunder Lebensweise halte ich das Hanf-Steck-Haus vom Technischen Schulzentrum Heilbronn. Wäre das nicht etwas für die „Bundestag“ genannte Volkskammer? Dann müssen die dort nicht koksen oder sich mit Crystal Meth die Krätze holen. Glaubt man der Drogensachverständigenpartei, ist Hanf ja sehr zu empfehlen.

Über Jahre haben Pestizide (Algizide und Fungizide sind Biozide, also Gifte, die man in Farben und Putze mischt, um die Ansiedlung von Mikroorganismen auf Fassaden zu verzögern) außerhalb der Landwirtschaft tonnenweise die Umwelt belastet. Lt. Dr. Erfurth, öbuv SV, sind es jährlich 5.000 Tonnen Gift, die durch Regen von den gedämmten Fassaden ausgewaschen werden und so in die Umwelt gelangen.

Daher wohl der griffige Slogan „Algenschutz ohne Biozide“ bei Fa. W. Sie ist darauf gekommen, dass es sich bei den hydrophoben (Wasser abweisenden) Konzepten der „meisten Hersteller“ um einen gefährlichen Trugschluss handle. Studien sollen belegen, dass sich Feuchte auf hydrophoben Oberflächen besonders lange halte.

Deshalb wird die Problematik „durch ein optimiertes physikalisches Prinzip“ gelöst. Hydrophil (Wasser annehmend) bedeutet hier: Wasser wird durch feinste Kapillarporen aufgenommen wie von einem Löschblatt und später wieder abgegeben. Das klingt eingängig, aber bevor die hydrophobe Ära Einzug hielt, waren Putze über hunderte und tausende von Jahren hydrophil. Sozusagen ein uraltes physikalisches Prinzip.

Übrigens scheint der Nano-Krampf gänzlich nachgelassen zu haben. Noch zwei Messen zuvor wurde „Nano“ in fast jede Brühe oder Paste reingemischt – mit dem Ergebnis phantastischer Ergebnisse. Inzwischen liegt das Thema Nano in der Schublade. Dafür scheint uns die Problematik „hydrophil vs. hydrophob“ noch in alle Ewigkeit zu verfolgen. Der große Wurf ist Fa. S. gelungen, die sich beim namibischen Wüstenkäfer abgeschaut hat, dass eine Oberfläche gleichzeitig hydrophil und hydrophob sein kann.

Apropos Oberfläche: warum präsentiert Fa. W. stolz einen mineralischen Dickputz für WDVS, der Schutz vor der Spechthackerei bietet, wo uns doch diverse Verbände und Organisationen weis machen wollen, dass das Thema Specht und Spechtschäden an WDVS eigentlich so gut wie gar nicht gar nicht existiert?

Zu guter Letzt sei Fa. M. erwähnt, die das Rad neu erfunden hat. Man stelle sich vor: die genialen Tüftler haben eine Farbe „mit einem hohen Anteil mikrofeiner Hohlglaskügelchen“ mit einem wärmeregulierenden Energiespareffekt und nachhaltigem Schutz gegen Algen entwickelt. Entwickelt klingt besser als nachgemacht oder abgekupfert. Immerhin – Siliconharz ist kein Acrylat und Microhohlglaskugeln sind keine Microspheres aus Glaskeramik.

Dennoch kommt dem Fachkundigen vieles sehr bekannt vor, bis hin zu Grafiken und Textpassagen. Mit dieser Form der Darstellung erweist Fa. M – selbst ein Anbieter von WDVS – diversen Fachverbänden, Lobbyvereinen, Lakaien und Dummschwätzern einen Bärendienst, reiht sie sich doch ein in die Gruppe der Entwickler und Erfinder von Farben für ein gesundes Wohnklima, allergikerfreundlich und Schimmel vorbeugend, für trockene und algenfreie Wände, rissefüllend – und eben wärmeregulierend und mit Energiespareffekt.

Dass es die Produkte der SICC GmbH – für ein gesundes Wohnklima, Allergiker freundlich und Schimmel vorbeugend, für trockene und algenfreie Wände, Risse füllend, wärmeregulierend, mit Energiespareffekt, biozidfrei, hydrophil – bereits seit 2003 „made in Germany“ (konkret: made in Berlin) und davor auch schon einige Jahre gibt, darf man getrost als Zufall abtun – muss man aber nicht.

Dennoch wird die SICC nicht undankbar sein für die Bestätigung der von ihr vorangebrachten thermokeramischen Membrantechnologie, wenngleich das Original bei weitem nicht von den parallelen Erfindungen und Entwicklungen erreicht wird.

Die nächste FAF findet 2016 in Köln statt.

Berlin, 13.03.2016
Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann
Bau-SV, Kenner der Materie

Ein Rückblick:
(07.2012)
Bauphysikalisches Kasperletheater: Ultra-/Hydrophobie vs. Hydrophilie

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