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Erhaltet die Kastenfenster

fenster„Frau Dr. Tille berichtet von dem laufenden Vorhaben, positive Beispiele und Anleitungen für Bauherren, Nutzer und vor allem Handwerker zu sammeln und zu verbreiten, die die derzeit üblichen erhaltungsorientierten Typen und Verfahren vergleichend betrachten. SenStadtUm bietet bereits im Rahmen des Schallschutzfenster-Programms die finanzielle Unterstützung zur Sanierung von Kastenfenstern. Es besteht die Idee, ein solches Landesprogramm auch für die energetische Ertüchtigung unter Erhaltung der Bestandsfenster aufzulegen, idealer Weise im Rahmen des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK), das gerade erarbeitet wird.
In der Diskussion meldet sich auch Frau Lompscher (Abgeordnetenhaus Berlin) mit der Anregung zu Wort, die Ergebnisse der Vergleichsuntersuchung auch allen städtischen Gesellschaften und der Obersten Bauaufsicht zur Verfügung zu stellen.

Empfehlung:

Anlässlich einer ausführlichen Besichtigung macht sich der Landesdenkmalrat ein konkretes Bild der Problematik, die im Umgang mit traditionellen Berliner Kastenfenstern entsteht.
Er stellt fest, dass der Typus des Kastenfensters ein außerordentlich wichtiger Bestandteil und ein besonderes Markenzeichen der Berliner Baukultur der Gründerzeit und der Zwischenkriegszeit darstellt. Fenster sind gewissermaßen die Augen eines Gebäudes und damit sind sie für den öffentlichen Raum von hoher Bedeutung. Dies gilt nicht bloß für denkmalgeschützte, sondern für eine große Mehrzahl der aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammenden Gebäude.

Der Landesdenkmalrat empfiehlt, alle Spielräume zu nutzen, um den Erhalt der Kastenfenster zu fördern. Dazu gehören namentlich die Forderung, anstelle der heute üblichen Einzelnachweise immer eine Gesamtenergiebilanz zu verlangen, damit alle Folgen eines Fensterersatzes ersichtlich werden: die Anteile der grauen Energie, die begleitenden Aufwendungen (wie Anschlussarbeiten) und der Einbau und langdauernde Betrieb von Lüftungsanlagen, die bei neuen Fenstern nötig sind. Damit entsteht ein wirklichkeitsgetreuer Vergleich des Energieaufwands und der damit verbundenen Kosten. Unabhängig vom Schutzstatus eines Gebäudes sollten Kastenfenster in jedem Einzelfall als Schutzelemente betrachtet werden und sowohl Eigentümer als auch die Bauaufsicht sollten diesem Umstand Rechnung tragen. Da der Erhalt von Kastenfenstern in Kombination mit einer Fassadendämmung zu bauphysikalischen Problemen führen kann, für die keine regelgerechte und gewährleistungsfähige Lösung bereit steht, ist straßenseitig fallweise ein Verzicht auf ein Wärmedämmverbundsystem in Betracht zu ziehen.

Der Landesdenkmalrat empfiehlt, im Rahmen des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms BEK ein Programm für den finanziellen Ausgleich von erhaltensbedingtem Mehraufwand einzurichten, das sowohl die Erhaltungs- wie auch die Aufrüstungsmaßnahmen zur energetischen Ertüchtigung berücksichtigt. Damit wird nicht zuletzt dem Ressourcenschutz gegenüber einmal verbautem Material und dem damit verbundenen Energieeinsatz Rechnung getragen.“

Quelle:
TOP 8 Klimaziele und Holzkastenfenster
LANDESDENKMALRAT BERLIN 1
Geschäftsstelle
Ergebnisprotokoll
Sitzung am 27. November 2015

***

Informationen zum Thema „Kastenfenster“ im WWW

u.a. diese:
„PaXclassic, „Fenster im Baudenkmal“ 1996, Tagungsbeiträge
Bei einem verantwortungsvollen Umgang erfordern alte Fensterkonstruktionen ein hohes Maß an Fachwissen aller Beteiligten. Als Ratgeber will dieser Band Grundkenntnisse zu denkmalpflegerischen Aspekten bei Erhalt und Ersatz von Fenstern vermitteln. Die Bedeutung und Entwicklung von Farbe, Glas und Beschlägen historischer Fenster ist eine wesentliche Grundlage für den Umgang mit diesen anspruchsvollen Bauteilen. Fundiertes Fachwissen vermittelt das Förderprojekt des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau „Erhaltung der Kastenfenster durch gezielte Verbesserungsmaßnahmen“. Ein Maßnahmenkatalog zur Renovierung historischer Fensterkonstruktionen mit einer Auswertung der Zeitdaten aus bereits erfolgten Sanierungen hilft bei der Kostenschätzung anstehender Arbeiten. „Müssen moderne Normen immer beachtet werden?“ oder „Muß eine Regenschutzschiene sein“? Antworten zu diesen Fragen finden sie neben weiteren interessanten Themen in dieser Broschüre.“
hier

Und hier der Klassiker aus 2002:
Das Fenster

Das Fenster – vom Licht- und Luftdurchlass zum hermetischen Hightech-Element
Unsinnigkeiten in der technischen Entwicklung
von Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann
Oktober 2002, 9 unterhaltsame Seiten
als PDF im DIMaGB Download

***

Blogartikel zum Thema FENSTER:

Denkmalpflege: Leinölkonservierung von Fenstern

Fensterhandwerker: Brief an die Landesdenkmalpfleger

Gerichte zum Thema Fenster und Türen

Wie man Fenster montiert

F wie Fenster einbauen

Dämm-Olympiade bei Fenstern

Schimmelpilz vorbeugen: Fenster (Lüften)

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  1. Horst
    05.06.2016 um 14:03

    Die staatlich verordnete luftdichte Wohnung erfordert eine Zwangsbelüftung
    Der Wahnsinn deutscher Gesetzes- und Verordnungspolitik im Bauwesen ist kaum noch zu toppen.
    Früher sorgten die Fenster automatisch für den in einer Wohnung erforderlichen Luftaustausch, weshalb
    sie von erfahrenen Baufachleuten auch heute noch als sinnvoll verteidigt werden. Mit den neuen
    gummilippendichten Kunststofffenstern (eine Zwangsläufigkeit der geforderten Luftdichtigkeit) wurde der frühere automatische Luftaustausch abgeschnitten. In unzähligen Gerichtsverfahren wurde anschließend darüber
    gestritten, wie häufig jetzt bei den luftdichten Fenstern zu lüften ist, damit es zu dem erforderlichen
    Feuchtigkeitsabbau in den Wohnungen kommen kann. 3 – 4 mal oder gar 7 -10 mal, wie aktuell in einem
    am Münchner Landgericht behandelten Falle diskutiert wurde. Für einen geregelten Feuchtigkeitsabbau zur Schimmelvermeidung muss eine Mindestluftwechselrate erreicht werden, die dem Bewohner durch seine
    Zufallsbelüftung nicht zugemutet werden kann. Der Bauträger wurde zur Herstellung einer nutzerunabhängigen Feuchtigkeitsentlüftung verurteilt (Az.: 8 O 2699/10, Landgericht München I vom 2.7.2015).
    Erst dichtmachen und dann wieder undicht – so ist’s fein, denn da steigen die Baukosten und die Miete.
    Hausgeld-Vergleich, 05.06.

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