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IBP-Bericht BBHB 019/2014/281: kein Recycling von WDVS

muellDas Fraunhofer Institut für Bauphysik (wer sonst?) hat im Auftrag des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme (in wessen sonst?) recherchiert, eruiert und geforscht: „Rückbau, Recycling und Verwertung von WDVS“ lautet das Thema. Wie es sich gehört, wurde auch diesmal ordentlich Steuergeld reingebuttert: „Der Forschungsbericht wurde mit Mitteln der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung gefördert.“ Man muss etwas Verständnis aufbringen für die Not leidende Dämmstoffindustrie, dann kann man es gut finden, dass der Steuermichel für die Untersuchung derer Probleme löhnt.

Erst mal zur Beruhigung: das Abfallaufkommen von EPS aus dem Bereich WDVS soll derzeit sehr gering sein. Es soll aber von keiner Statistik direkt erfasst werden (ob es daher so gering ausfällt? Man kennt einschlägige statistische Tricks: was man nicht mitzählt, fällt nicht in die Statistik). „In der Abfallstatistik des Statistischen Bundesamts [43] werden EPS-Hartschaumdämmstoffe aus der Bauanwendung gemeinsam mit weiteren Dämmstoffen wie z. B. aus Mineralwolle, Polyurethan oder Holzwolle unter dem Begriff Dämmmaterial zusammengefasst. Die genannte Abfallmenge von 85 kt an Dämmmaterial erlaubt keine nachträgliche Zuordnung.“

Aber wir wissen, dass der Anteil von EPS (Polystyrol) über 80% beträgt (siehe u.a. Seite 8 der Studie), insofern dürfte die Hochrechnung möglich sein. Bei den IBPlern lautet das so: „Wirklich belastbare Zahlen über das Abfallaufkommen im Bereich WDVS existieren nicht.“ und „Für die Berechnung von Abschätzung und Prognosen eignen sich die Produktionsdaten von EPS im Bau und die Daten über die Mengen an verbauten WDVS.“

Aber egal, die Menge ist eh zu vernachlässigen: „Bezogen auf das Abfallaufkommen der „übrigen Bau- und Abbruchabfälle“ in Höhe von 15.759 kt in Deutschland bewegen sich die von der Statistik und von der Studie erfassten Abfallmengen an Dämmmaterial mit 0,5 % bzw. EPS-Abfall aus dem Bereich Bau mit 0,2 % in einem sehr geringen Bereich.“

Doch, zu frühe Freude ist unangebracht, denn: „Das Abfallaufkommen an EPS ist momentan gering, wird aber in den nächsten Dekaden ansteigen.“ Da derzeit keiner weiß, wie HBCD auf der Müllhalde „ausgeschleust“ wird, wird das Verbrennen in der kommunalen Müllverbrennungsanlage empfohlen. Zur Not sähe die glückliche Zukunft so aus, dass aufgrund der hohen Kapazität der Anlagen (angegeben mit über 20 Mio. Tonnen pro Jahr) auch die in der Zukunft zu erwartenden Mengen an EPS-Abfall problemlos abgefackelt werden können.

Wir stellen fest: bis zu dessen verbot ist ordentlich HBCD zugegeben worden und es hat sich bislang keiner Gedanken darüber gemacht, was mit dem Gift mal wird. Irgendwann wurden die kritischen Stimmen zu laut und man hat so getan, als würde man sich damit befassen. Das Ergebnis? Keines, man verbrennt vorsichtshalber in der Müllverbrennung, weil da das HBCD zerfällt. Vermutlich darf der Deutsche Steuermichel demnächst eine neue teure Studie zu HBCD bezahlen. Im Bauministerium wird man schon auf Zustimmung dafür stoßen.

Um auf den Punkt zu kommen: „Das Abfallregime in Deutschland priorisiert die Abfallvermeidung. Bei WDVS bedeutet dies, bestehende Systeme, wo dies technisch möglich und ökonomisch und ökologisch sinnvoll erscheint, aufzudoppeln. Ist ein Rückbau unvermeidlich, so ist derzeit die energetische Verwertung in kommunalen Müllverbrennungsanlagen das Verfahren der Wahl.“ Der nicht zu übertreffende Nutzen der so genannten Energetischen Verwertung (bis vor kurzem noch unter dem wohlklingenden Namen „thermisches Recycling“ gehandelt): der „Nutzung des hohen Brennwerts des Polystyrols als auch die Ausschleusung des Flammschutzmittels HBCD“.

Die Aussichten sind wolkig bis düster: „Angesichts der in Zukunft wohl weiter steigenden Rohölpreise und einem zunehmenden Aufkommen von EPS-Abfällen aus dem Baubereich, gewinnen alternative, stoffliche Verwertungsverfahren an Bedeutung.“ Das Problem: effiziente und ökonomische Entschichtungsverfahren, mit denen eine Trennung der WDVS-Komponenten bereits auf der Baustelle möglich ist und die eine Mindestqualität des angelieferten EPS-Abfalls gewährleisten, gibt es nicht.

Zum Abschluss noch ein subtiler Akademiker-Scherz: „Die mechanische Entschichtung mittels Anbauaggregaten an übliche Hydraulikbagger in Kombination mit einer leistungsfähigen Staubabsaugung stellt hierfür eine Option dar. Für die Anbauaggregate bedarf es noch einer technischen Optimierung und Weiterentwicklung.“

Um es auf den Punkt zu bringen:
– die Abfallmengen sind kein Problem
– die Abfallmengen werden ein Problem
– Lösungen haben wir noch keine
– keine Ahnung, was mit dem HBCD passiert
– vorsichtshalber alles verbrennen
– gut, dass wir uns damit befasst haben

Die wertvolle Studie als PDF

IBP-Bericht BBHB 019/2014/281 Rückbau, Recycling und Verwertung von WVDS. Möglichkeiten
der Wiederverwertung von Bestandteilen des WDVS nach dessen Rückbau durch Zuführung
in den Produktionskreislauf der Dämmstoffe bzw. Downcycling in die Produktion minderwertiger
Güter bis hin zur energetischen Verwertung, 2014

Zum Thema:

Aufdoppeln

Sondermüll

Recycling

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  1. 09.03.2016 um 18:05

    „Abfallrechtlich fallen HBCD-haltige Dämmstoffe unter den normalen Abfallschlüssel für Dämmmaterialien („17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt“). Sie unterschreiten den Grenzwert für Gesundheitsschädlichkeit nach Abfallverzeichnis-Verordnung. Auch das Umweltbundesamt (UBA) sieht keinen Grund einer anderen Einstufung und geht davon aus, dass sich an der thermischen Verwertung mit vollständiger Zerstörung des HBCD auch in Zukunft nichts ändern wird. Allerdings wird zukünftig eine sorgfältige Trennung für die Entsorgung notwendig sein. Ein werkstoffliches Recycling solcher Dämmstoffe wird wahrscheinlich nicht stattfinden können.“
    GdW-Information 147 „Wärmedämmung“, März 2015

    „Dämmstoffe aus Polystyrol oder Polyurethan, die als Abfall anfallen, sind grundsätzlich nicht als gefährlicher Abfall eingestuft, obwohl sie in der Regel den bromierten Flammhemmer Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten. Diese Substanz ist seit kurzem in der EU-Verordnung über persistente organische Schadstoffe, der sogenannte EU-POP-Verordnung (850/2004/EG) gelistet. Da nach den Anforderungen der EU-POP-Verordnung (Persistent Organic Pollutants) HBCD-haltige Abfälle dauerhaft aus dem Wirtschaftskreislauf auszuschleusen und von möglichen Recyclingprozessen auszuschließen sind, ist es zukünftig verstärkt erforderlich, diese mineralölbasierten Dämmstoffe getrennt zu erfassen und der energetischen Verwertung beziehungsweise Beseitigung zuzuführen. Dies wird durch die in der Regelung geforderte Getrennthaltung erreicht beziehungsweise unterstützt.“
    BMUB

    GdW
    GdW Information 147 „Wärmedämmung“
    Zuletzt aktualisiert: 29. Februar 2016

    Der GdW hat die GdW Information 147 „Wärmedämmung“ erarbeitet. Diese GdW Information fasst den Stand des Wissens zum Thema Wärmedämmung, speziell zu Polystyrol, in aller Kürze zusammen. Insbesondere wird der aktuelle Wissensstand zum Brandschutz (einschließlich der in Vorbereitung befindlichen Ergänzungen der Zulassungen von WDVS um weitere Brandschutzriegel), zu den enthaltenen Flammschutzmitteln, zur Verwendung von Bioziden gegen Veralgung sowie zur Entsorgung dargestellt.
    Die Information soll auch bei der Einschätzung von Medienberichten helfen, die sich mit den verschiedenen Aspekten von Wärmedämmung auseinandersetzen, fast immer mit Bezug zum Einsatz von Polystyrol an Außenwänden. Die Berichte sind meist populistisch überhöht, haben aber genauso oft einen wahren Kern.

    Neugierig geworden? Werfen Sie einen Blick in das Inhaltsverzeichnis!
    pdf GdW Information 147 – Web141.77 kB
    http://web.gdw.de/uploads/pdf/publikationen/GdW_Info_147_web.pdf

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  1. 12.02.2016 um 06:07

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