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Des Rätsels Lösung (dena 151215)

dena_effizienzhausDas Wunder von Bedburg: 80% Energieeinsparung! Sensation! Präsentiert von der omnipräsenten dena: „Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat bei einem bereits vor zehn Jahren energieeffizient sanierten Haus von 1950 nachgerechnet und zeigt, dass sich die Sanierung zum Effizienzhaus gegenüber einer Minimal-Instandsetzung nach 20 Jahren finanziell rechnet. Der Energieverbrauch wurde um 80 Prozent gesenkt, die höhere Lebensqualität war sofort spürbar.“ Das dena Rätsel vom 15.12.2015

Das Artikelchen endete mit dem Orakel: „So viele Zahlen, aber: Ist das nicht ein Wunder? Solch gigantische Einsparungen. Oder ist da etwa irgendwo ein Haken? Die Auflösung kommt in Kürze. Kleine Hilfestellung: siehe Steckbrief zum „Praxisbeispiel“.“ Und weil nun Weihnachten ist, wird noch ein extra Türchen geöffnet und die Sau rausgelassen das Rätsel gelöst.

dena_effizienzhaus

Hier sehen Sie den einschlagenden und unwiderlegbaren Beweis: mit Berechnungen lässt sich tatsächlich viel Energie einsparen. Das ist leicht nachzurechnen: 29/200 = -85,5%. Das bedeutet, dem Perpetuum Mobile wieder einmal ein Stück näher gekommen zu sein. Bevor Sie aber nun hektisch zum Kassensturz übergehen und sich gleich für Montag ein Kreditberatungsgespräch bei der lieben Bank vornehmen: lasst uns besinnen.

Gerade Weihnachten ist prädestiniert für Besinnlichkeit (Silvester kommt dann bei vielen die Besinnungslosigkeit – blöder Scherz am Rande, aber auch das muss sein).  Berauschen wir uns schnell noch mal an den energetischen Kennwerten (beide Grafiken sind Bildzitate aus dem „Steckbrief“ zu dem Energiesparwunder):

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Einige werden es bereits bemerkt haben, womit uns die dena hier die Taschen vollzuhauen versucht: Bedarf ist nicht gleich Verbrauch / „Energiebedarf“ ist nicht gleich „Energieverbrauch“. Dazu die dena in ihrem Pamphlet: „Der Verbrauch ist natürlich abhängig vom Nutzerverhalten und ob beispielsweise alle Räume beheizt werden. Erfahrene Energieeffizienzexperten beziehen diese Punkte aber mit in ihre Kalkulationen ein und errechnen so einen realistischen Energiebedarf. Und so stimmen die Werte auch nach der Sanierung mit der Prognose überein.“

muenchhausenderluegenbaronVermutlich weil die Energieexperten bei der dena alle anderen für ein bisschen plemplem halten, wird aus dem getürkten Energiebedarf auf Seite 1 unten ein Energieverbrauch auf Seite 2 oben. Kann man ja mal vergessen in so kurzer Zeit. Das eigentliche Wunder erfährt man, wenn man sich folgende Textpassage aus dem Hurra-Bericht noch einmal auf der Zunge zergehen lässt: „Bei dem untersuchten Beispiel in Bedburg, Nordrhein-Westfalen, standen die Bauherren im Jahr 2005 beim Kauf ihres Einfamilienhauses vor der Entscheidung, es für rund 43.000 Euro minimal in Stand zu setzen oder es umfassend zu einem KfW-Effizienzhaus 55 zu sanieren.“

Hier kann man sich wundern, wie jemand der ein Haus kauft, den Energieverbrauch senkt, egal um 80% oder nur um 8% – muss man aber nicht. Dass man keine Energieverbrauchswerte von einem Haus haben kann, das einem noch nicht gehört und in dem man daher noch nicht wohnt – pfeif drauf! Es geht ja um eine gute Sache (den Umsatz der Sanierungsindustrie) und da darf man bekanntlich mit den Begriffen und Zahlen etwas großzügiger umgehen. Dumm nur, wenn arglose Hauseigentümer auf solche miesen Propagandatricks hereinfallen und dann dumm aus der Wäsche schauen, wenn viel weniger eingespart wird als auf dem Papier.

Hier sehen Sie die grafische Zusammenfassung eines echten Praxisbeispiels zur „energetischen Sanierung“ eines Mehrfamilienwohnhauses in B. in D. Auf der Grundlage der EnEV / DIN 4108 wird den Mietern ein brutales Energiesparmärchen vorgerechnet mit fiktiv hohem „Bedarf“ vor der Sanierung und utopisch niedrigem „Bedarf“ nach der Sanierung. Dank unseren weisen Gesetzgebern wird aus der teuren Sanierung mit bescheidenem Einsparpotenzial ein Goldesel, denn die Mieterhöhung bezahlt der Mieter, bis er auszieht – egal, ob und wie viel er einspart.

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Sie können sich das Lehrstück als PDF herunterladen und sich noch ein wenig den Unterschied zwischen „Energiebedarf“ und „Energieverbrauch“ vor Augen halten. Das ist dann ganz hilfreich für die, die ihr eigenes (oder geliehenes) Geld in die Hand nehmen und sich nicht an hilflos ausgelieferten Mietern bereichern können.

Und obwohl weil das Ganze ein riesen Beschiss ist, geht der Irssinn ungebremst und verschärft weiter:

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  1. 25.12.2015 um 11:03

    Wärmebedarf, Wärmeverbrauch, Wärmeschutz
    3. Dezember 2011

    Download Link unten
    Wärmebedarf, Wärmeverbrauch, Wärmeschutz
    – von falschen Berechnungen, richtigen Zahlen und
    einer Verordnung, vor der man sich schützen sollte

    In der Bundesrepublik Deutschland wird der Heizwärmebedarf von Gebäuden im Wesentlichen über die Berechnung der Transmissionswärmeverluste unter Anwendung der U-Werte von Bauteilen ermittelt. Hierbei wird ein statisches System von konstanten Innen- und Außentemperaturen angesetzt und die Transmissionswärmeverluste mit den im Labor ermittelten Wärmeleitzahlen von Baustoffen errechnet. Diese Vorgehensweise wird als stationäre Berechnungsmethode bezeichnet. Bei der Bedarfsberechnung auf Grundlage der stationären Methode kommt es im Ergebnis zu erheblichen Abweichungen zwischen dem errechneten Heizwärmebedarf eines Gebäudes und dem sich tatsächlich einstellenden Verbrauch. Der Heizwärmeverbrauch von Neubauten ist dabei meist signifikant höherer als der errechnete Bedarf .

    Eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. Kiel aus dem Jahr 2010 hat ermittelt, dass der tatsächliche Heizwärmeverbrauch bei über 500 untersuchten Niedrigenergiehäusern im KfW 60- und KfW 40 Standart um durchschnittlich mehr als 40% über der Bedarfsvorgabe, d.h. über den vorgenommenen Berechnungen des Heizwärmebedarfs der Energiesparhäuser liegt . Dabei ist es bemerkenswert, dass nicht ein einziges der untersuchten Gebäude den ermittelten Normbedarf erreichen konnte und in der Spitze der tatsächliche Verbrauch um 70% über der Berechnung lag. Die Ursachen hierfür liegen u. a. in einer falschen Berechnungsmethode des Heizwärmebedarfs, der die Wirkung von Dämmstoffen und des verwendeten U-Werts für die Wärmeverluste falsch bewertet.

    Ein Fachartikel von
    Dirk van den Brink, Dipl.-Ing. Architekt
    Download als PDF
    http://www.fewb.de/info/info.htm
    Aus der Reihe “Muss man gelesen haben”.

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