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Gewässerschutz durch reduzierte Pestizideinträge

giftBDEW zur Initiative von Schleswig-Holstein zu Pflanzenschutzmitteln: Wirksamer Gewässerschutz erfordert konsequente Reduzierung von Pflanzenschutzmittel-Einträgen. BDEW: Verursacher- und Vorsorgeprinzip stärken / Gute fachliche Praxis rechtlich verbindlich ausgestalten

Berlin, 05. Oktober 2015 – Das schleswig-holsteinische Umweltministerium hat heute Maßnahmen zur Reduzierung des Eintrags von Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer zur Diskussion gestellt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt diesen Beitrag zur Debatte über Pflanzenschutzmittel in Deutschland. Das Thema gehört auf die Agenda, denn nach wie vor sind Pestizid-Einträge in die Gewässer und das Grundwasser zu verzeichnen, die als Rohwasserressource für die Trinkwassergewinnung dienen. Wasserversorger müssen solche Einträge immer wieder mit hohem Aufwand beseitigen, um die anerkannt hohe Trinkwasserqualität gewährleisten zu können. Deshalb begrüßt der BDEW, dass sich das Umweltministerium Schleswig-Holstein hier in die Diskussion einbringt.

Gerade für den Gewässerschutz und damit für den Schutz unserer Trinkwasserressourcen ist es wichtig, Belastungen aus der Landwirtschaft so gering wie möglich zu halten und nach Möglichkeit immer weiter zu reduzieren. Derzeit ist leider das Gegenteil der Fall: Die Wasserversorger müssen in einigen Regionen Deutschlands mit aufwändigen Maßnahmen eingreifen und unerwünschte Rückstände aus dem Rohwasser beseitigen, damit die gewohnt hohe Qualität des Trinkwassers gewährleistet ist.

Ein wesentlicher Ansatzpunkt für einen nachhaltigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ist die Einhaltung der verschiedenen Grundsätze aus dem Landwirtschafts- und Umweltrecht, die als gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft bezeichnet werden. Der BDEW fordert hier seit Jahren rechtlich verbindliche Vorgaben: Die Grundsätze der guten fachlichen Praxis müssen endlich im Rahmen einer Rechtsverordnung verpflichtend verankert werden. Damit könnten zum Beispiel auch Verstöße mit Bußgeldern versehen werden.

CDU/CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel formuliert, Dünge- und Pflanzenschutzmittel so einzusetzen, dass Risiken für Mensch, Tier und Naturhaushalt minimiert werden. Jetzt muss gehandelt werden, so der BDEW. Die Sicherung der Qualität der Trinkwasserressourcen ist von grundlegender Bedeutung, um Trinkwasser in möglichst naturnaher Qualität und ohne kostenintensive Aufbereitung als Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.

* * *

Soweit zur PM des BDEW. Bislang unbekannt war * den BDEW vermutlich, dass jährlich ca. 5.000 to Pestizide von gedämmten Fassaden ausgewaschen und in die Umwelt abgegeben werden? Die Zahl kommt vom öbuvSV Dr. Erfurth.
(http://www.institut-erfurth.de/pdf/gift07.pdf, Bl. 8)

Die Putze und Farben der WDVS werden „fungizid und algizid eingestellt“, damit das  Wachstum von Algen u.a. Mikroorganismen für eine gewisse Zeit unterbunden wird. Algizide und Fungizide sind Pestizide – und 5.000 to p.a. sind vermutlich eine  Größenordnung, die man mit berücksichtigen sollte. Diese Problematik wird gern beim Thema „energetische Sanierung“ ausgeblendet. Auch von „der Politik“. Warum wohl?

Bereits hier im Blog behandelt:

Alternativen:

* Eine diesbezügliche Info mit Anfrage vom 05.10.2015 ist noch unbeantwortet.

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  1. 16.03.2016 um 17:38

    UBA ignoriert weiterhin die Pestizide an Fassaden:

    Etwa 8,8 Kilogramm Pflanzenschutzmittel pro Hektar werden jedes Jahr auf deutschen Äckern ausgebracht – zu viel, um ökologisch nachhaltig zu sein. Das „Bienensterben“, die Verarmung der Tier- und Pflanzenwelt sowie Rückstände im Grundwasser sind einige der bekannten Probleme, die der chemische Pflanzenschutz mitverursacht. Über die Wechselwirkungen der verschiedenen Spritzmittel untereinander und die langfristigen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ist dagegen bisher zu wenig bekannt. In einem 5-Punkte-Programm skizziert das UBA, wie ein nachhaltiger Pflanzenschutz aussehen könnte. Neben einer generellen Reduzierung des Einsatzes sollten die Risiken gezielt verringert werden. Eine Beschränkung in Trinkwasserschutzgebieten etwa würde das Grundwasser besser schützen, ökologische Ausgleichsflächen, in denen Pflanzenschutzmittel tabu sind, den Arte nschwund bei Tieren und Pflanzen aufhalten. Die Umweltrisikoprüfung für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sollte ausgeweitet werden. Bisher werden die Produkte isoliert voneinander, aber nicht die Wechselwirkungen untereinander betrachtet. Auch die Auswirkungen auf bestimmte Tierarten kommen zu kurz. Letztlich ist auch eine politische Diskussion darüber nötig, wie die Kosten des intensiven Pflanzenschutzmitteleinsatzes, die der Gesellschaft zum Beispiel für Kontrolle und Aufbereitung des Grundwassers entstehen, fairer verteilt werden können.

    Quelle: UBA, 26.02.2016
    5-Punkte-Programm für einen nachhaltigen Pflanzenschutz

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  2. 25.01.2016 um 19:36

    Das UBA macht sich wieder Sorgen um den Gewässerschutz:

    Pflanzenschutz: Am besten weniger und mit weniger Risiken
    Umweltbundesamt legt „5-Punkte-Programm für nachhaltigen Pflanzenschutz“ vor
    (22.01.2016)

    Das Umweltbundesamt (UBA) rät in einem „5-Punkte-Programm für einen nachhaltigen Pflanzenschutz“ zum Umdenken beim Pflanzenschutz auf dem Acker. „Chemischer Pflanzenschutz ist ohne Zweifel risikobehaftet, denn wenn die Mittel wirken, dann nicht ohne Nebenwirkungen für die Umwelt. Deshalb können viele der Mittel nur mit hohen Umweltauflagen zugelassen werden. Besonders wichtig ist, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln insgesamt deutlich zu minimieren und stärker auf Alternativen zu setzen. Immerhin werden die Mittel großflächig in erheblichen Mengen ausgebracht – etwa 100.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland“, sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

    Der massive Einsatz von Ackergiften lässt die Tier- und Pflanzenwelt auf Feldern und Wiesen immer weiter verarmen. Denn die meisten dieser Gifte wirken nicht nur auf die Schädlinge allein. Beispiel Rebhuhn: Weil Pflanzenschutzmittel auch Ackerkräuter und Insekten vernichten, finden die Rebhühner nicht genügend Nahrung für sich und ihren Nachwuchs. Für Maria Krautzberger ist klar: „Der massive Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist einer der Hauptgründe für den Verlust der biologischen Vielfalt auf unseren Äckern. Dass es anders geht zeigt der Ökolandbau, der weitgehend auf Pflanzenschutzmittel verzichtet. Mit unserem 5-Punkte-Programm wollen wir vor allem ein Umdenken bei der konventionellen Landwirtschaft anstoßen. Wir definieren fünf Grundprinzipien für einen für die Umwelt nachhaltigen Pflanzenschutz und ge ben Empfehlungen, wie diese konkret umgesetzt werden können.“

    Nötig seien neben der Minimierung des Einsatzes vor allem Änderungen in der Risikobewertung und im Risikomanagement von Pflanzenschutzmitteln. Hierzu zählt für das UBA insbesondere die bessere Berücksichtigung der Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in der Zulassungspraxis: Für die Biodiversität gefährliche Mittel sollten nur dort eingesetzt werden dürfen, wo genügend unbehandelte ökologisch wertvolle Flächen vorhanden sind. Unvermeidbare Auswirkungen auf den Feldern, wie beispielsweise die Störung der Nahrungsketten beim Rebhuhn oder bei anderen Tierarten, könnten somit weitestgehend ausgeglichen werden. Für eine verbesserte Risikobewertung ist es zudem wichtig, einzelne Pflanzenschutzmittel nicht isoliert zu betrachten. „Denn es ist nicht das einzelne Pflanzenschutzmittel“, erläutert Maria Krautzberger, „sondern der intensive Einsatz in seiner Gesamtheit, der ökologisch nicht nachhaltig ist und unsere Tier- und Pflanzenwelt gefährdet.“

    Weiterhin sieht Krautzberger eine Risiko-Nutzen-Diskussion als geboten: „Wir kommen nicht umhin, auch darüber nachzudenken, wer die Kosten, die der chemische Pflanzenschutz durch Schäden an der Umwelt anrichtet, tragen soll. Bislang sind das vor allem die Steuerzahler. Das sollten wir ändern.“ Eine Möglichkeit könnte eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel sein, die jüngst von Länderseite und von Forschungseinrichtungen ins Spiel gebracht wurde; sie würde das Verursacherprinzip auch beim Pflanzenschutz umsetzen. Wichtig dabei ist, dass die Gelder für eine nachhaltige Gestaltung des Pflanzenschutzes und Kompensation der bereits entstandenen Schäden eingesetzt werden.

    ***

    Das ist nicht ganz neu, siehe Artikel aus März 2015:
    Risiken beim Einsatz von Pestiziden
    https://baufuesick.wordpress.com/2015/03/10/risiken-beim-einsatz-von-pestiziden/

    Der Haken an der Sache: so wie der BDEW kümmert sich auch das UBA nicht um die Pestizide in WDVS. Vermutlich hat die Dämmstoffindustrie eine stärkere Lobby als die Bauernschaft. Pech gehabt,

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  1. 16.11.2015 um 08:44

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