Startseite > Bauphysik, Fraunhofer IBP, solare Gewinne, Wärmedämmung, WDVS > B Ho 8/83-II: täuschen, tricksen, ablenken

B Ho 8/83-II: täuschen, tricksen, ablenken

richtigbauendefraunhoferstudiebho883-II„Ziel dieser Studie war es, die thermische Wirkung von Wärmebrücken zu erforschen.“
GDI, 03.06.2015

„Die Untersuchungen sollten zeigen, ob der einfache linieare Ansatz des k-Wertes zur Bestimmung des Heizenergieverbrauchs auch bei extremer Waermedaemmung der Aussenwand noch mit genuegender Genauigkeit gilt, wenn im praktischen Versuch instationaere Bedingungen herrschen und praktische Waermebrueckeneffekte (Fensterlaibungen, Ecken-, Fussboden- und Deckenanschluesse) vorliegen.“
Fraunhofer IRB

„Der Vergleich der Heizenergieverbraeuche ergab, dass die Raeume mit den zusatzgedaemmten Aussenwandkonstruktionen (Aussen- und Innendaemmung mit Polystyrol-Hartschaum) nicht die erwarteten niedrigen Heizenergieverbraeuche aufwiesen, wie sie entsprechend ihres niedrigen k-Wertniveaus im Vergleich zu den uebrigen Raeumen haben sollten. Wie auch theoretische Vergleichsmessungen gezeigt haben, beruhen diese Abweichungen auf Waermebrueckeneffekten, die sich bei den zugrundegelegten Wandkonstruktionen unterschiedlich stark auswirken.“
Fraunhofer IRB

Legende: Heizenergieverbaruch = Heizenergieverbrauch
2 und 3 = massive Wände, ungedämmt, 36,5 bzw. 49 cm dick
5 und 4a: 24er Wand mit 10 bzw. 23 cm Wärmedämmung
6: zweischalige Wand 24 + 11,5 cm
Zum Nachlesen: klicken Sie auf die Grafik.

Zur Grafik: sie soll die aberwitzigen Relationen verdeutlichen, bei denen jeder normale Mensch erkennen dürfte, dass zwischen dem U-Wert (damals k-Wert) und dem Heizenergieverbrauch kein signifikanter Zusammenhang besteht. Die Wand 4a (mit 24 cm Wärmedämmung und dem niedrigsten U-Wert) ist auf 100% gesetzt. Die Auswertung und weitere Grafiken dazu können Sie hier lesen.

Über 30 Jahre nach Veröffentlichung dieser Studie bekommen wir im Rahmen der deutschen Dämmstoffpropaganda um die Ohren gehauen, dass wir die Häuser gefälligst dick zu dämmen haben, um mit der albernen „Hauswende“ das Klima zu retten. Aufgrund der maßlosen Übertreibungen von Industrie und Staat schalten immer mehr Hauseigentümer ab, weil sie es leid sind, für Volltrottel gehalten zu werden.

Das wesentliche Ergebnis der Studie B Ho 8/83-II ist: die Wissenschaftler vom Fraunhofer IBP stellen nachvollziehbar unter Beweis, dass der U-Wert ein Laborwert unter idealisierten Bedingungen ist, dem keine Praxisrelevanz unter instationären Verhältnissen zukommt.

Natürlich haben die das selbst gemerkt, aber eine heilige Kuh wird auch in Dummerland nicht geschlachtet. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Also machte man es damals so, wie wir es heute von der EU kennen: wenn das tumbe Volk doch einmal wählen darf, wird so lange wiederholt, bis das Ergebnis passt. Hier wurde forsch drauflos geforscht, um zu dem merkwürdigen Ergebnis zu gelangen: „Wie auch theoretische Vergleichsmessungen gezeigt haben, beruhen diese Abweichungen auf Waermebrueckeneffekten, die sich bei den zugrundegelegten Wandkonstruktionen unterschiedlich stark auswirken.“ (Zitat Fraunhofer IRB, siehe oben).

Da staunt der Laie und der Fachmann ist verwirrt. Denn dieser weise Spruch bedeutet nichts anderes, als dass es Unsinn ist, 36,5er oder 49er Ziegelwände zu dämmen (man munkelt: im Bestand geht es auch noch dicker). Wenn der U-Wert dieser 49er Ziegelwand fast 3x so hoch ist wie der U-Wert der 23 cm dick gedämmten Wand und deren zuzuordnender Heizenergieverbrauch sogar etwas niedriger liegt (bei Fraunhofers rd. -5%), verbietet sich das nachträgliche Dämmen aufgrund der von den Fraunhofer Experten festgestellten Wärmebrückeneffekte. Denn dann wird für die teure Wärmedämmung nur sinnlos Geld verbrannt.

Trotz dieser festgestellten und vor über 30 Jahren veröffentlichten Erkenntnisse beträgt auch noch zu Zeiten der EnEV 2014 der Wärmebrückenzuschlag, unabhängig davon, ob die Wand gedämmt ist oder nicht,:

enevprogrammwaermebrueckenzuschlag

(Bild: Abbild aus einem EnEV Berechnungsprogramm)

Das bedeutet für ein Sanierungsvorhaben z.B. bei einer gedämmten Wand mit U-Wert 0,24 (rechnerisch) und Wärmebrückendetails nach DIN 4108 Beiblatt 2 werden 0,05 draufgeschlagen. Die Wand hat dann einen U-Wert von 0,29, was +20% entspricht. Gehen wir zurück zur Grafik oben: hier geht es um Unterschiede von rd. 200% bzw. rd. 350%!

Schauen wir uns die wesentlichen Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten an:

  • Wärmebrücken gibt es immer, schon rein geometrisch bedingt. Wenn sie bei gedämmten Gebäuden dermaßen die Bilanz verhageln (Größenordnung: mehrere 100%) kann Fassadendämmung keine sinnvolle und schon gar keine wirtschaftliche Maßnahme sein.
  • Da die lineare U-Wert Theorie zur Bestimmung des Heizenergieverbrauchs offenkundig nicht mehr sinnvoll ist (vergl. Blatt 3) – warum liegt sie weiterhin dem Machwerk DIN 4108 und EnEV zugrunde?
  • Auf Blatt 2 ist der Widerspruch an sich sehr gut beschrieben. Einerseits wird der Anspruch erhoben, im Rahmen experimenteller Untersuchungen „alle noch ungenügend theoretisch beschreibbaren physikalischen Zusammenhänge naturgetreu“ zu erfassen. Andererseits begnügt man sich bei der Interpretation des Begriffs „instationär“ damit, ihn auf zeitlich veränderliche Temperaturen zurechtzustutzen.
  • Vergl. hierzu Blatt 5: man verzichtet auf interne Feuchtequellen. Ja, warum wohl? Abgelenkt wird mit dem Verweis auf „thermische und hygrische Parameter, die durch den Bewohner verursacht werden“. Ach, was? Das Problem ist das hygrothermische Verhalten gedämmter Wandkonstruktionen, welches sich im Vergleich zu tauwasserfreien massiven Wänden als sehr problematisch darstellt und nicht mal eben so mit dem Glaserverfahren weggerechnet werden kann. Das ist einer der entscheidenden Nachteile von Fassadendämmung: sie dämmt so schön – aber nur im Trockenen, also im Labor (siehe oben: „alle“ und „naturgetreu“ – ja, schön wäre es gewesen). Warum wohl wird in DIN 4108 die Tauwassermenge für gedämmte Wände auf 0,5 l/m² begrenzt?
    sonne
  • Wie man auf Blatt 1 nachlesen kann, erfolgt – nach Meinung der Holzkirchener Bauphysiker – eine „Solarenergie-Nutzung“ nur „durch Fenster oder allgemein durch transparente Bauteile“. Daraus folgt der falsche Schluss, dass mittels des Vergleichs eines Testraumes mit einem ohne Fenster „die energetische Wirkung des Fensters erfasst“ werden kann. Das gilt aber nur für identische Wandaufbauten bei identischer Sonnenbestrahlung.
  • Solare Gewinne opaker Bauteile sind bilanzwirksam und relevant, wenn es um den Heizenergieverbrauch geht:
    Die theoretischen Grundlagen in einer Studie dargelegt:
    “Solare Erträge opaker Bauteile” als offene PDF
    Die praktische Belegung:
    Energiemasterhaus: Auswertung und Live-Vermessung
    Energiemasterhaus Auswertung: Solare Gewinne
    ThermoShield Auswertung Energiemasterhaus
    Die universitäre Belegung:
    Bauakademie Salzburg deckt Falschrechnerei auf

muenchhausenderluegenbaronDas soll vorerst genügen, den Nimbus dieser Interessen geleiteten Studie zumindest in Frage zu stellen. Was man dem GDI nicht verübeln darf: dass er Dämmstoffe schönredet und alles und alle verdammt, die diesem Umfug widersprechen. Was soll denn eine Lobbyorganisation anderes tun, als den Auftrag ihrer Mitglieder umzusetzen? Außerdem geht es darum, Umsatz zu generieren die Umwelt und das Klima zu retten. Da darf ein bisschen Propaganda nützlich sein. Ein wesentliches Element der Propaganda ist die stete Wiederholung und wichtig ist es, den Eindruck zu erwecken, man habe die Wahrheit gepachtet.

Zum Abschluss noch ein guter Rat: glauben Sie nichts. Glauben Sie dem GDI nichts. Glauben Sie dem Fraunhofer IBP nichts. Glauben Sie dem Baufüsicker nichts. Gönnen Sie sich den Genuß dieser literarisch-bauphysikalischen Kostbarkeit, die Fraunhofer IRB Ihnen kostenfrei als PDF zur Verfügung stellt

fraunhoferirbfraunhoferstudiebho883-II

und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Zudem sind Sie eingeladen zur Diskussion. Übrigens irren die Fraunhofer Bauphysiker in der Beurteilung der Quantifizierbarkeit der (verordneten) Fehler: es geht um eine Größenordnung von 50-100% und mehr, in summa macht das 40-50% Schönrechnerei für gedämmte Gebäude aus – aber auch eine Schlechtrechnerei von ungedämmten Bestandsgebäuden in ähnlicher Größenordnung. Auf die diesbezügliche Metastudie von Galvin hatte ich bereits vor gut einem Jahr hingewiesen:

Warum Hauseigentümer ungern energetisch sanieren
Eine Zusammenfassung der Studie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: