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70 Stunden schuften für die Stromrechnung

Heidelberg. Nach Berechnungen des unabhängigen Verbraucherportals Verivox musste ein deutscher Arbeitnehmer 2014 durchschnittlich 70 Stunden arbeiten, um die jährlichen Stromkosten eines Vierpersonenhaushalts zu begleichen. Das sind 17 Stunden oder rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren.

Strompreise steigen deutlich schneller als Einkommen

„Während viele Güter des täglichen Bedarfs gemessen an der Kaufkraft immer günstiger geworden sind, reichen die Einkommenszuwächse eines Durchschnittsverdieners nicht aus, um den Strompreisanstieg der letzten Jahre auszugleichen“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. Während die Nominallöhne um 20 Prozent wuchsen, verteuerte sich Strom im vergangenen Jahrzehnt um 60 Prozent.

Ein Vierpersonenhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden zahlte 2004 durchschnittlich 712 Euro für Strom. 2014 waren es bereits 1.135 Euro und damit 423 Euro mehr. Im gleichen Zeitraum ist der durchschnittliche Nettostundenlohn nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 13,44 Euro auf 16,12 Euro gestiegen.

Schnell zum neuen Fernseher – Überstunden machen für den Strom

Dass Strom heute so kostspielig ist, ist auch den staatlichen Steuern, Abgaben und Umlagen geschuldet. Ihr Anteil am Strompreis ist in nur zehn Jahren von 39 auf 53 Prozent gestiegen“, erklärt Jan Lengerke.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Preis für einen LCD-Fernseher ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa die Hälfte gesunken. 2014 musste ein Arbeitnehmer für die Neuanschaffung durchschnittlich noch 34 Stunden arbeiten – halb so lange wie für die jährliche Stromrechnung.

Wer seinen Stromversorger noch nie gewechselt hat, kann sich die Mehrarbeit für die Stromrechnung jedoch nahezu ersparen. Ein Vierpersonenhaushalt, der aus der Grundversorgung zum günstigsten verfügbaren Angebot (ohne Vorauskasse) wechselt, kann seine jährliche Stromrechnung innerhalb weniger Minuten um rund 350 Euro senken.

Methodik

Für die Berechnung der Einkommensentwicklung wurden die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes (03/2015) herangezogen. Die Entwicklung der Strompreise basiert auf Zeitreihen der Verivox GmbH. Die durchschnittliche Preisentwicklung für TV-Geräte dokumentiert der Consumer Electronics Marktindex Deutschland (CEMIX).

Deutsche arbeiten 33 Prozent länger für ihren Strom
PM, Verivox | 16.04.2015

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Kategorien:Energiepreise Schlagwörter:
  1. Anonymous
    23.06.2015 um 10:22

    BDEW Kongress 2015:
    Energiewirtschaft ruft Bundesregierung zu einem strukturierten Dialog auf

    Müller: So wie bisher kann es nicht weitergehen / Mehrheit der Bundesbürger traut erstmalig der Politik die Lösung der Aufgaben nicht mehr zu

    Berlin, 23. Juni 2015 – Die Energiewirtschaft ruft die Bundesregierung zu einem strukturierten Dialog auf. „Es gibt derzeit einen Stau an energiepolitischen Entscheidungen. In der Folge lastet inzwischen ein erheblicher wirtschaftlicher Druck beispielsweise auf den Betreibern von konventionellen Kraftwerken oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Eine Fülle von Grundsatzfragen zur Transformation des Energiesystems in Deutschland ist bislang unbeantwortet geblieben. Die Politik sollte beginnen, die Energiewende aktiv zu gestalten und einen strukturierten Dialog mit allen Beteiligten starten.“ Das erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), vor dem größten Branchentreffen, dem BDEW Kongress, der vom 23. bis 25. Juni in Berlin stattfindet.

    Ein geordnetes Dialogverfahren sei auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Bund und Ländern in Bundesrat und Bundestag bei wichtigen Energiefragen erforderlich. In einem Dialog könnten die Hinweise aller Beteiligten aufgenommen und zeitnah politische Entscheidungen getroffen werden. Auf diese Weise könnten auch Innovationen der Weg geebnet und Investoren angesprochen werden. „Die notwendige Planungssicherheit für Versorger, Investoren und Verbraucher fehlt. Die Energiewende wird jedoch nur mit Investitionen der Energieunternehmen gelingen. Unsere Branche wartet dringend auf Grundsatzentscheidungen, die immer wieder vertagt werden. Dies betrifft unter anderem das künftige Strommarktdesign, die Klimaabgabe, die Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, den Ausbau der Übertragungsnetze oder die Verbesserung der Investitionsbedingungen auf Verteilnetzebene. So wie bisher kann es nicht weitergehen“, unterstrich Hildegard Müller.

    Die ausstehenden energiepolitischen Entscheidungen schlagen sich inzwischen auch in der Einschätzung der Bundesbürger nieder. „Es gibt zunehmend Zweifel, ob die Politik in der Lage sein wird, die anstehenden Aufgaben der Energiewende zu lösen“, so Müller. Zum ersten Mal glaubt eine Mehrheit von 53 Prozent nicht, dass die Politik diese Aufgaben lösen wird; 38 Prozent glauben weiter daran. Diese Werte haben sich innerhalb eines Jahres kontinuierlich verschlechtert: Vor einem Jahr (Juni 2014) war noch die Mehrheit mit 52 Prozent der Meinung, dass die Politik die Aufgaben lösen wird. 40 Prozent sagten, sie wird diese nicht lösen. Vor einem halben Jahr (Januar 2015) war die Stimmungslage mit jeweils 47 Prozent Zustimmung ausgeglichen. Dies sind erste Ergebnisse des BDEW Energie-Monitors, einer repräsentativen Umfrage unter Bundesbürgern. Die kompletten Umfrageergebnisse wird der BDEW in den nächsten Wochen veröffentlichen.

    Zum größten Branchentreffen der Energie- und Wasserwirtschaft werden in diesem Jahr erneut rund 1.400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erwartet. So werden unter anderem der Vizepräsident der Energieunion, Maros Sefcovic, die Bundesminister Johanna Wanka und Sigmar Gabriel, der norwegische Vizeminister Kare Fostervold, der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser sowie zahlreiche weitere Vorstände und Geschäftsführer von Stadtwerken sowie Querverbundunternehmen zu den Kongressteilnehmern sprechen.

    23.06.2015

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