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Schöne neue Welt der Energieausweise

Bunte Zettel - wofür?

„Besonders aussagekräftig: der Energiebedarfsausweis“ meint die wohlbekannte dena und führt in ihrer Pressemeldung „Energieausweis: mehr Orientierung bei der Immobiliensuche“ aus: „Welche Ausweisvariante für eine Immobilie erstellt wurde, hängt vom Gebäudetyp und der Entscheidung des Eigentümers ab. Besonders aussagekräftig ist der Energiebedarfsausweis. Dieser beruht auf einer eingehenden Expertenuntersuchung von Heizung und Bausubstanz des Gebäudes. Der Energieverbrauchsausweis gibt dagegen lediglich den durchschnittlichen Energieverbrauch über einen Zeitraum von drei Jahren an. Dieser ist allerdings sehr stark von den individuellen Gewohnheiten der Bewohner abhängig: Wer selten zu Hause ist und dementsprechend wenig heizt, verbraucht auch weniger. Dies kann zu irreführend niedrigen Werten führen.“

Schöne heile Welt der Energieausweise. Und hurra: endlich haben wir ihn wieder, den Energieausweis mit Buchstaben-Skala, in Fachkreisen Effizienzklasse genannt. Wieso wieder? Weil es der neue alte Energieausweis ist.

In dem Artikel aus März 2014 erfahren Sie einiges zum „neuen“ Energieausweis, dessen vermeintlichen Segen – zelebriert von der Dämmstoff-Propaganda-Organisation dena (Wer könnte es wohl besser?) – aber auch dessen attestiert abwesende Sinnhaftigkeit, wie Hausgeldvergleich und Haus & Grund aus ihren Erfahrungen berichten. Sie dürfen sich dann aussuchen, wem Sie mehr glauben: denen, die sich selbst gern zitieren und theoretische Zahlenspielereien für bare Münze nehmen – oder denen, die seit Ewigkeiten mit Unmengen echter Gebäude zu tun haben. Falls es etwas klemmt mit der Erkenntnis: die simple Frage „cui bono“ hilft da ganz gut weiter.

Insofern muss es nicht wirklich überraschen, wenn ich Ihnen verrate: Der Energiebedarfsausweis beruht weniger auf einer eingehenden Expertenuntersuchung von Heizung und Bausubstanz des Gebäudes, sondern mehr auf aberwitzigen Berechnungsmethoden zum Schlechtrechnen von Bestandsimmobilien und gleichzeitig zum Schönrechnen gedämmter bzw. anderweitig energetisch sanierter Gebäude. Da kommen dann eben mal Abweichungen der Größenordnung 40 bis 100% heraus. Dieser Humbug ist der Grund dafür, dass Hauseigentümer ungern energetisch sanieren.

Zurück zu dem neuen bunten Stück Papier. Aus dem Muster zum Energieausweis für Wohngebäude der EnEV 2014 geht hervor, dass in der „brd“ ein Wunder mit dem Gebäudebestand geschehen ist. Die vermeintlichen „Vergleichswerte Endenergie“ haben einen gewaltigen Sprung hin zu mehr Energieeffizienz vollbracht. Nach EnEV 2009 sah es noch düster aus: 350 kWh/m²a beim energetisch nicht wesentlich modernisierten Mehrfamilienhaus und über 400 kWh/m²a beim energetisch nicht wesentlich modernisierten Einfamilienhaus. Ja, das waren noch Energieschleudern damals.

vergleichswerte_enev_2009

Nach EnEV 2014 sieht es da schon besser aus: 200 kWh/m²a beim energetisch nicht wesentlich modernisierten Mehrfamilienhaus und 225 bzw. über 250 kWh/m²a beim energetisch nicht wesentlich modernisierten Einfamilienhaus. Da staunen Sie, was? So gelingt die „Energiewende“. Der Nachteil: es gibt nun nicht mehr so beeindruckend viel einzusparen wie noch vor 5 Jahren.

vergleichswerte_enev_2014

Nun schauen wir, wie aussagekräftig der neue Energieausweis ist. Das Beispiel aus dem Muster im Anhang der EnEV 2014 weist ca. 80 kWh/m²a Endenergie aus. Kriterium nach EnEV ist aber die Primärenergie, die wird an der Unterseite der bunten Skala angezeigt. Je besser der Primärenergiefaktor, desto weiter rückt der Pfeil nach links. Je weiter links der Pfeil steht, umso energieeffizienter ist das Gebäude. Und, ist es aussagekräftig? Ist ein Gebäude mit Wärmepumpe wirklich effizienter als eines mit Gasbrennwerttherme? Das liegt im Auge des Betrachters.

endenergiebedarf_enev_2014

Z.B. gibt es Leute, die fragen sich: was kostet mich der Spaß übers Jahr? Die denken nach, recherchieren auch mal ein wenig – und stellen fest: am Ende bezahlt man den Endenergieverbrauch, also das was die Stadtwerke oder sonstwer an Gas oder Fernwärme oder Strom liefern. Und bei etwas tieferem Nachdenken kommt die Erkenntnis: zu den verbrauchsgebundenen Kosten kommen ja noch andere dazu und nur beide zusammen ergeben die Gesamtkosten. Einfacher ausgedrückt: die Wärmepumpe fällt nicht kostenlos vom Himmel, da muss man leider echtes Geld für hinlegen. Das gilt für die Gastherme auch, aber dazwischen liegt ein beträchtlicher Unterschied, den man in Geld ausdrückt. Da hilft auch kein Primärenergiefaktor weiter, leider.

Was bedeutet Primärenergiefaktor? Ganz einfach: Elektroauto mit Atomstrom = gut / Infrarot-Elektroheizung mit Ökostrom = böse. Und wenn Ihnen das alles noch nicht verwirrend genug ist, berauschen Sie sich zum persönlichen Aufbau an Wirkungsgraden über 100%. Oder Sie geben „Heizkostenvergleich“ in der Adressleiste ein, um zu überraschenden Ergebnissen zu gelangen (z.B. beim IER der Uni Schduddgard). Man kann sich dann wundern, dass die Brennwerttherme für Erdgas die wirtschaftlichere Variante ist – muss man aber nicht.

Die dena meint: „Energieeffizienzklassen helfen Verbrauchern, den Energieverbrauch eines Produkts einzuschätzen. Auch bei Kauf und Anmietung einer Immobilie können sie sich daran orientieren. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) erklärt, auf was man dabei achten muss und wie man besonders energiesparende Immobilien erkennt.“ Der Verbraucher, das sind Sie. Die Aufgabe des Verbrauchers ist, zu verbrauchen. Am leichtesten verbraucht es sich, wenn man seinen Verstand wenig gebraucht.

Apropos Effizienzklassen: bereits im Juni 2014 meinte das IWO: „Effizienzklassen = Verbrauchertäuschung“ und erläuterte das an einem einfach zu verstehenden Beispiel. Überraschend der Tipp: „Diese sollten daher nicht allein auf die Effizienzklasse einer Immobilie achten, sondern vor allem den Primärenergiebedarf berücksichtigen,…“.

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  1. 17.03.2016 um 18:29

    Pressemitteilung
    9.03.2016, 10:30 Uhr
    Der Energieausweis: gut gedacht, schlecht gemacht

    Neues Positionspapier der Deutschen Umwelthilfe liefert Optimierungsvorschläge
    Berlin, 09.03.2016 Dateien: 1 | Links: 1

    © Holzmann / DUH

    Seit 2007 gibt es den Energieausweis für Gebäude. Allerdings wird er seinem Anspruch bislang nicht gerecht. Und die Umsetzung der europäischen Energieeffizienz-Richtlinie durch die nationale Energieeinsparverordnung (EnEV) ist mangelhaft. Im Zuge der anstehenden Novellierung der EnEV fordert die DUH die Bundesregierung auf, den Energieausweis für Gebäude weiterzuentwickeln. In ihrem Positionspapier „Der Energieausweis – wie sein Potential ausgeschöpft werden kann“ zeigt die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation verschiedene Möglichkeiten auf, um das Instrument zu optimieren und damit sein Potential für Klimaschutz und Verbraucherinformation besser zu nutzen.

    Das Positionspapier legt aktuelle Defizite offen und macht acht konkrete Vorschläge, um den Energieausweis inhaltlich und in seiner Umsetzung zu verbessern. Dazu zählen mehr Verständlichkeit, Einheitlichkeit und Kontrollen. Ziel ist es, ihn zu einem verbraucherfreundlichen Instrument zu machen, das Transparenz und Vergleichbarkeit schafft und langfristig dazu dienen kann, energetische Sanierungsmaßnahmen und Energieeinsparungen zu fördern. Nur durch eine gründliche Generalüberholung des Energieausweises kann dieser in der Bevölkerung an Akzeptanz gewinnen und das Thema Gebäudeeffizienz in der öffentlichen Debatte verankert werden.

    „In Deutschland gibt es derzeit zwei unterschiedliche Energieausweise. Sie sind für den Laien oft unverständlich und sorgen nicht dafür, dass man Gebäude miteinander vergleichen kann. Wir fordern daher einen einheitlichen Energieausweis, der vergleichbare und verständliche Werte zu Gebäuden liefert und Aussagen über Heizkosten ermöglicht“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Zudem müsse die Bundesregierung eine Beratungs- und Informationskampagne ins Leben rufen, um die Öffentlichkeit für das Thema Energiewende und Energieeffizienz im Gebäudebereich zu sensibilisieren. Denn Energie- und CO2-Einsparungen in diesem Bereich seien eine wesentliche Stellschraube, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

    Die EnEV sieht vor, dass der Energieausweis bei Besichtigungen und Werbeanzeigen von Immobilien vorgelegt wird. Agnes Sauter, Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz bei der DUH stellt fest: „Eine DUH-Abfrage im vergangenen Jahr hat ergeben, dass kein Bundesland kontrolliert, ob die Daten im Energieausweis korrekt sind, ob er wie vorgesehen bei Besichtigungen vorgelegt wird, oder ob er bei der Immobilienwerbung einbezogen wird.“ Sie sagt: „Es muss in den Bundesländern klare Regelungen von Kontrollpflichten, -abläufen und -zuständigkeiten geben, sowie eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung der jeweiligen Behörden.“

    Hintergrund:

    Der Energieausweis soll Auskunft über den Energieverbrauch oder -bedarf eines Gebäudes geben. Er muss seit 2007 für jedes Gebäude vorliegen und soll die energetische Vergleichbarkeit der Objekte ermöglichen. Damit soll neben Lage und Preis auch die Energieeffizienz eines Gebäudes beim Kauf oder der Anmietung ein wichtiges Entscheidungskriterium sein. Der Energieausweis soll außerdem Anreize für Betreiber und Besitzer von Immobilien setzen, ihre Gebäude energetisch zu verbessern, um Marktvorteile durch Energieeffizienz zu erlangen. Zentrale Werte aus dem Energieausweis müssen in Immobilienanzeigen genannt und der Ausweis bei Wohnungsbesichtigungen vorgelegt oder ausgehängt werden.

    Das Positionspapier finden Sie am Ende dieser Seite.
    http://www.duh.de/uploads/media/Positionspapier_Energieausweis_Ansicht_01.pdf

    Auszug:
    3. Eine standardisierte Berechnungsmethode
    Derzeit erfolgt die Berechnung der Kennzahlen des Bedarfsausweises unter Verwendung unterschiedlicher DIN-Normen. Die älteren noch gebräuchlichen DIN Verfahren (DIN V 4108-6 und DIN V 4701-10) sollten gänzlich abgeschafft werden, da sie die Abbildung von neuen Gebäudetechniken nicht erlauben. Die ebenfalls verwendete DIN V 18599 gibt Austellern große Auslegungsspielräume für verschiedene Parameter. Dies führt dazu, dass für ein und dasselbe Gebäude, je nach Aussteller, dem Anlass der Erstellung und persönlichem Ermessen, verschiedene Energiekennwerte ermittelt werden können. Dies ist nicht zielführend und schwächt das Image des Energieausweises.
    Die DUH fordert daher, dass Berechnungsmethoden überarbeitet und mit bestimmten Standard-Parametern vereinheitlicht werden, sodass Ermessensspielräume zugunsten einer besseren Vergleichbarkeit und realitätsgerechteren Abbildung beseitigt werden.
    Ziel muss dabei ferner sein, die jetzt festzuschreibenden Berechnungsmethoden langfristig beizubehalten, um eine Vergleichbarkeit in der Zukunft zu garantieren. Nur so kann sich der Energieausweis als wirkungsvolles Marktinstrument zur Förderung energetisch hochwertigen Wohnraums etablieren und das Thema Gebäudeeffi zienz in der öffentlichen Debatte verankert werden.

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  2. 09.02.2015 um 09:51

    Getreu dem Motto „Wiederhole eine Sache, bis genug daran glauben“ kommt nun der HaustechnikDialog mit der „News“ daher:
    „Energieausweis: mehr Orientierung bei der Immobiliensuche
    News vom 09.02.2015
    Energieeffizienzklassen helfen Verbrauchern, den Energieverbrauch eines Produkts einzuschätzen. Auch bei Kauf und Anmietung einer Immobilie können sie sich daran orientieren. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) erklärt, auf was man dabei achten muss und wie man besonders energiesparende Immobilien erkennt.“
    Fehlen darf natürlich nicht:
    „Besonders aussagekräftig: der Energiebedarfsausweis“

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  3. 20.01.2015 um 08:03

    Offensichtlich auch nicht ganz neu ist die Frage der „Qualitätssicherung“,
    sprich: der treudummen Anwendung der Schönrechenprogramme und
    der Energiespar-Propagandaphrasen („Darf’s ein Zertifikat mehr sein?“
    oder „Über’s Wochenende zum Energieberater“):

    Inflationäre Zertifikate
    02.2013
    https://baufuesick.wordpress.com/2013/02/02/inflationare-zertifikate/

    Neues Altes vom Zertifizierungswahn
    11.2011
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/11/25/neues-altes-vom-zertifizierungswahn/

    Endlich naht das Energieberater-Zertifikat
    04.2011
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/04/19/endlich-naht-das-energieberater-zertifikat/

    Außerdem führt die Zertifizierung führt
    02.2008
    https://baufuesick.wordpress.com/2008/02/07/auserdem-fuhrt-die-zertifizierung-fuhrt/

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  4. Energieeffizienz-Laie
    15.01.2015 um 14:04

    Zur Energieeffizienz-Expertenliste
    2011 haben das BMWi, das BAFA und die KfW Bankengruppe beschlossen, qualifizierte Energieeffizienz-Experten in einer bundeseinheitlichen Datenbank zu führen, um die Qualität von geförderten Energieberatungen sowie Neubau- und Sanierungsmaßnahmen mit Energieeffizienzfokus zu gewährleisten. Die dena hat den Aufbau sowie die Pflege der Liste übernommen und stellt durch eine umfassende Prüfung der Qualifikation sicher, dass nur entsprechend ausgebildete Fachleute verzeichnet werden.

    PM der dena vom 15.01.2015
    Energieberater für den Mittelstand können sich jetzt in die Energieeffizienz-Expertenliste eintragen
    http://www.dena.de/presse-medien/pressemitteilungen/energieberater-fuer-den-mittelstand-koennen-sich-jetzt-in-die-energieeffizienz-expertenliste-eintragen.html

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  5. E. Müller
    • 14.01.2015 um 21:35

      Huch, da fällt mir ganz plötzlich und überraschend ein: ich bin ja auch Energieberater. Au weia. Aber ich berate die Energie immer ganz ehrlich. Immer getreu dem Motto: „Effizient, effizienter, am effizientesten!“ Wir haben nun mal nur ein Klima, das muss gerettet werden. Bzw. muss dessen Wandel bekämpft werden.

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  1. 21.10.2015 um 06:01

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