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WDVS – die staatlich verordnete Brandsicherheit

Styropor Fassaden brennen neuerdings doch.

Styropor Fassaden brennen neuerdings doch.

Zunächst bitte ich um Vergebung, dass ich mit diesem Beitrag erst jetzt komme. Aber so ist das nun mal, wenn man sich den ganzen Tag mit Arbeit verdirbt. Dazu kommen gelegentlich frühsenile Erscheinungen, die eine Teilamnesie auslösen. Wie dem auch sei, das Thema „Brennende WDVS“ läuft uns ja nicht weg.

Dass es taufrisch bleibt – dafür sorgen sowohl die Dämmstoffindustrie als auch unsere  Bunte Regierung. Nachdem es beim allerbesten Willen nicht mehr unterm Teppich zu halten war, dass Styroporfassaden abfackeln können wie Zunder, hat man sich dazu hinreißen lassen, einen Brandversuch durchzuführen, der einmal nicht DIN-Norm-getürkt ablief, sondern dummerweise an der Praxis angelehnt.

Sensation: „Expertenkommission bestätigt Brandgefahr
Eine von den Bauministern eingesetzte Expertenkommission bestätigt, dass die Wärmedämmung im Ernstfall so schnell entflammt, dass der Feuerwehr nicht genügend Zeit bleibt, um das Feuer zu löschen. Das war das Ergebnis eines offiziellen Brandversuchs, welcher ein Feuer simulierte, das von außen auf die Fassade einwirkt, etwa durch den Brand eines Müllcontainers oder eines Motorrades.“

Ja, in der Bananen Republik Deutscheland bedarf es einer Expertenkommission, um durch besonders kluge Leute mit besonderer Expertise bestätigen zu lassen, dass Delmenhorst kein Einzelfall war und dass das jahrelang immer wieder vorgeleierte Dämmstoff-Märchen von der ach so brandsicheren Fassade nix weiter war, als plumpe Lüge und Dämmstoffpropaganda.

Schauen Sie es sich an, beim NDR (bevor es nicht mehr online ist):

Panorama vom 14.11.2014
Wärmedämmung: Besserer Brandschutz bei Neubauten
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WEITERE INFORMATIONENWärmedämmung

28.10.14 | 21:15 Uhr
Ignorierte Gefahr: Gift in Wärmedämmung
Dämmplatten aus Polystyrol enthalten giftige Brandschutzmittel, gelten aber trotzdem nicht als Sondermüll. Bislang ist völlig unklar, wie das Material künftig entsorgt wird.
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16.10.14 | 21:45 Uhr
Hausdämmung unbezahlbar: Politik hat kein Einsehen
Die Bundesregierung malt sich eine schöne neue Welt zurecht: Bis 2050 sollen 80 Prozent des Gebäudebestands „klimaneutral“ sein. Doch für viele Eigentümer ist die Sanierung unbezahlbar.
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Noch mal kurz zurück zum Panorama-Artikel
Zitat: „Die Ergebnisse der Expertengruppe entsprechen nicht den bisherigen Zulassungsversuchen.“ Das muss Satire pur von Hr. Purtul sein, denn anders ausgedrückt lautet es: „Die Ergebnisse der bisherigen Zulassungsversuche entsprechen nicht dem Brandverhalten in der Praxis.“ Kein Wunder, wenn man sich die Normen selbst zurecht basteln darf, die dann das DIBt brav abnickt.

Aber was ist eigentlich gemeint mit: Besserer Brandschutz bei Neubauten? Achtung festhalten: „Die Brandexperten haben zusätzliche Brandschutzmassnahmen getestet: In weiteren Versuchen bewährten sich zwei zusätzliche Brandriegel aus nicht brennbarem Material in einer Höhe von 0,6 und 3 Metern. Diese sollen jedoch nur bei Neubauten und Sanierungen verbindlich eingeführt werden. Und zwar nur bei jenen, bei denen „schwerentflammbare“ Dämmstoffe gefordert werden. Also bei Gebäuden, die höher als sieben Meter sind. Einfamilienhäuser können weiterhin mit brennbarem Material gedämmt werden, ohne dass Brandriegel eingebaut werden müssen.“

Das ist das unsterbliche Märchen vom Brandriegel. Aus dem Reich der bautechnischen Sagen und Mythen. Wer es nicht glaubt: man nehme etwas Mineralwolle und dazu einen Propangas-Brenner (so wie er vom Dachdecker verwendet wird). Dann wird nicht lange gefackelt und mal eben der sagenhafte Bradriegel weggefackelt. Man kann es so ausdrücken: es stimmt, Mineralwolle brennt nicht – aber wenn man die Flamme dran hält, ist sie weg. Aber, nichts für ungut, lasst uns schön weiter träumen – bis sich Pankow Heinersdorf wiederholt. Denn eher wird mit dem ganzen Schwindel nicht aufgeräumt.

Brennende WDVS“ – Cui bono? Ja, es geht ums Geld, um sehr viel Geld.

Neulich zum Besten gegeben:
Neue Kunststoff-Fassade brennt eine ganze Heizperiode lang

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  1. 08.12.2014 um 17:26

    Weil es so schön dazu passt:
    Zitat: „… über 40 Millionen Quadratmeter Gebäudefläche werden in Deutschland pro Jahr mit Kosten so um die 120 Euro je Quadratneter wärmegedämmt. Tendenz übrigens: rückläufig. …“

    Dämmen, nein Danke! Der Fassadenrebell Sa 01.03.14 12:22 | 37:22 min | Inforadio Zu Gast bei Ingo Kahle: Konrad Fischer, Architekt. Von Häusern, Wärmedämmung, Schimmel und Energierechnungen.

    http://mediathek.rbb-online.de/radio/Zw%C3%B6lfzweiundzwanzig-Zu-Gast-bei-Ingo-K/D%C3%A4mmen-nein-Danke-Der-Fassadenrebell/Inforadio/Audio-Podcast?documentId=19933822&topRessort=radio&bcastId=5570252&mpage=page.info

    Dauer: 00:37:22
    Die mp3 steht noch zum Download.

    * * *

    Warum Hauseigentümer ungern energetisch sanieren
    https://baufuesick.wordpress.com/2014/04/30/warum-hauseigentumer-ungern-energetisch-sanieren/

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  1. 17.10.2015 um 06:02

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