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Immer weniger „bezahlbare“ Mietwohnungen

wohnhausWunsch trifft Wirklichkeit: Mietwohnungen in Berlin für viele Interessenten zu teuer

Das Wohnungsangebot in Berlin stimmt häufig nicht mit den Wunschvorstellungen der Suchenden überein, das zeigt eine aktuelle Analyse von immowelt.de, einem der führenden Immobilienportale / Gefragt sind Wohnungen in zentraler Lage, die monatlich zwischen 400 und 600 Euro Kaltmiete kosten / Angeboten werden überall in Berlin viele teure Wohnungen ab 1.000 Euro Miete pro Monat

Nürnberg, 26. August 2014. Wer in Berlin auf Wohnungssuche ist, muss bereit sein, Kompromisse einzugehen. Wunsch und Wirklichkeit driften oft weit auseinander, so das Ergebnis einer aktuellen Analyse von immowelt.de, einem der führenden Immobilienportale. Demnach müssen Wohnungssuchende oftmals Abstriche bei der Wohnlage machen. Außerdem übersteigt die monatliche Miete der Wohnungsangebote oft das dafür eingeplante Budget der Berliner.

Wunschwohnung liegt verkehrsgünstig und ist preiswert
Mit Blick auf das Suchverhalten von Interessenten wird deutlich: Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg sind zwar beliebt, gehören aber nicht zu den gefragtesten Wohnvierteln. Angesichts der hohen Mieten und der touristischen Prägung bevorzugen viele Wohnungssuchende andere Bezirke: Pankow beispielsweise ist eine angesagte Adresse bei jungen, meist gut ausgebildeten Eltern. Bei Wohnungssuchenden am begehrtesten sind Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg sowie die südlichen Quartiere Tempelhof, Neukölln und Treptow – Hauptsache der S-Bahn-Ring liegt nicht zu weit von der Wohnung entfernt.

Selbst Reinickendorf, wo es neben ruhigen grünen Ecken auch soziale Brennpunkte wie das Märkische Viertel gibt, steht im Fokus vieler Suchender. Denn hier sind die Mieten noch vergleichsweise günstig.

Oft sind es einzelne Kieze in den Bezirken, die das Interesse der Suchenden wecken. Der rege Zuzug nach Berlin in den letzten Jahren verschärft die Situation in den begehrten Vierteln zusätzlich. Wohnungen in Stadtrandlage mit schlechterer Verkehrsanbindung sind jedoch auch in beliebten Bezirken Ladenhüter.

Dass Stadtrandlagen für einen Teil der Wohnungssuchenden auch ihren Reiz haben, zeigen Spandau und Köpenick: Wer großen Wert auf Naherholung in der Umgebung legt, sucht hier nach einer Wohnung. Wohlhabendere zieht es hingegen nach Zehlendorf, das mit vielen Villen, dem Schlachtensee und der Krummen Lanke sowie einer gediegenen Atmosphäre eine hohe Lebensqualität bietet. Auch Friedrichshain und Kreuzberg stehen nicht auf jeder Wunschliste ganz oben, sondern erfüllen eher spezielle Bedürfnisse: Zahlreiche Bars und Clubs machen beide Bezirke lebendig und vor allem für junge Leute, Studenten und Kreative attraktiv.

Bei Neu- und Alt-Berlinern am wenigsten gefragt sind Wohnlagen in Hellersdorf, Marzahn und Hohenschönhausen, die Bezirke, in denen Plattenbausiedlungen zum großen Teil das Stadtbild dominieren.

Neben der Wohnlage ist auch der monatliche Mietpreis ein wichtiges Entscheidungskriterium. Dabei haben die Berliner genaue Vorstellungen: Intensiv gesucht werden derzeit vor allem günstige und mittelpreisige Wohnungen – und zwar überall in Berlin. Zwischen 400 und 600 Euro monatlich wollen die meisten Berliner für eine Mietwohnung ausgeben. Dagegen zielen nur 4 Prozent der Suchanfragen auf Mietwohnungen ab, die pro Monat 1.000 Euro und mehr kosten.

Wohnungsangebot deckt sich oft nicht mit Bedürfnissen
Gerade diejenigen, die eine günstige Wohnung suchen, brauchen Geduld. Denn 55 Prozent aller angebotenen Mietwohnungen kosten pro Monat ab 600 Euro aufwärts. Schnäppchenwohnungen unter 400 Euro monatlicher Kaltmiete sind im gesamten Stadtgebiet dagegen rar. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass in den letzten Jahren viele Wohnungen saniert oder neu gebaut wurden und Vermieter auch die Preise für neu vermietete Bestandswohnungen dementsprechend angepasst haben. Vor allem Berufseinsteiger, Studenten und Geringverdiener müssen deshalb oft Abstriche bei der Ausstattung oder der Wohnlage machen.

Der Berliner Senat hat inzwischen einige Flächen in der Innenstadt ausgewiesen, auf denen in den kommenden Jahren neue Wohnungen entstehen könnten. Zudem hat er gemeinsam mit den Wohnungs- und Bauwirtschaftlichen Verbänden Anfang Juli das „Bündnis für Wohnungsneubau“ beschlossen. Bauherren erhalten dadurch einen Anreiz, wieder mehr neue Wohnungen auf den Markt zu bringen – verstärkt auch für einkommensschwächere Berliner.

Die Analyse wurde von immowelt.de auf Basis der Angebote und Gesuche in Berlin durchgeführt, die im 1. Quartal 2014 auf immowelt.de veröffentlicht beziehungsweise gestellt wurden.

Immowelt, 26.08.2014

2,5 Millionen Sozialwohnungen weg: Fördergelder fließen in Eigenheime der Mittelschicht

Sozialwohnungen werden in Deutschland zu einem immer selteneren Gut / Von 4 Millionen Sozialwohnungen sind nur noch 1,5 Millionen übrig / Die immowelt.de-Redaktion berichtet in einem ausführlichen Beitrag über den Niedergang des sozialen Wohnungsbaus

Nürnberg, 12. August 2014. Eine Milliarde Euro steckt der Staat jedes Jahr in die Wohnraumförderung. Doch nur die Hälfte des Geldes kommt im sogenannten sozialen Wohnungsbau an. Statt in günstigen Wohnraum für Arbeitslose und Geringverdiener fließen rund 450 Millionen Euro in die Taschen privater Bauherren. 60 Prozent der mit Förderung gebauten oder gekauften Wohnungen gehen direkt in Privatbesitz über.

Die staatliche Wohnraumförderung greift demnach vor allem jungen Familien mit mittlerem Einkommen unter die Arme. Wer die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllt und das erforderliche Eigenkapital nicht aufbringen kann, geht hingegen leer aus. Der soziale Wohnungsbau bleibt auf der Strecke. Mit dramatischen Folgen: Besonders in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt wird es für Arbeitslose und Geringverdiener immer schwieriger, günstigen Wohnraum zu finden.

Bedarf ist wesentlich höher
Von den einst 4 Millionen Sozialwohnungen sind nur noch 1,5 Millionen übrig – 2,5 Millionen sind also schon verschwunden. Und es werden immer weniger: Nach Berechnungen von immowelt.de verlieren jährlich rund 100.000 Sozialwohnungen ihren Status. Geförderte Wohnungen sind meist nur für 15 bis 20 Jahre an den niedrigen Mietpreis gebunden. „Da in den nächsten Jahren viele Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, wird sich das Problem verschärfen“, prophezeit Städtetagspräsident Ulrich Maly.

Wie hoch der Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland insgesamt ist, ist nicht bekannt. Der Bund erhebt dazu keine Daten, die meisten Bundesländer legten auf Anfrage von immowelt.de keine Zahlen vor. Laut einer Untersuchung des ISP Eduard Pestel Instituts für Systemforschung e. V. liegt der Bedarf bei rund 7 Millionen Wohneinheiten.

Besonders in Großstädten wie München oder Berlin ist die Nachfrage größer als das Angebot. Aus diesem Grund hat immowelt.de bereits im Dezember 2013 die Initiative „Verändere Deine Stadt“ ins Leben gerufen. Sie unterstützt Menschen in Not und soziale Initiativen bei der Suche nach geeigneten und bezahlbaren Unterkünften.

Sichern oder abschaffen
„Wir brauchen Mietwohnungen für unter 6 Euro pro Quadratmeter“, fordert Andrej Holm, Soziologe an der Berliner Humboldt-Universität. „Die größte Aufgabe der Politik muss es sein, den Bestand an Sozialwohnungen dauerhaft zu sichern“, sagt Holm. Weiter fordert der Soziologe, dass Sozialwohnungen nach Ablauf ihrer Förderung nicht mehr an private Investoren oder Konsortien verkauft werden – sondern ausschließlich an kommunale Wohnungsbaugesellschaften oder gemeinnützige Stiftungen.

Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, fordert hingegen die Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus. „Wer sich nur eine Wohnung am Stadtrand leisten kann, muss längere Wege ins Zentrum hinnehmen“, schlägt Voigtländer vor. Der Wirtschaftsexperte setzt vielmehr auf eine Erhöhung des Wohngelds. „Die soziale Durchmischung lässt sich so besser erreichen, weil ein Wohngeldempfänger nicht auf bestimmte Wohnungen beschränkt ist.“

Die immowelt.de-Redaktion berichtet in einem ausführlichen Beitrag über den Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland und über die Entwicklung in den letzten Jahren sowie über Maßnahmen der staatlichen Wohnraumförderung. Zusätzlich hält der Beitrag Interviews mit Experten bereit. Den vollständigen Artikel können Sie unter news.immowelt.de nachlesen.

Immowelt, 12.08.2014

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  1. 30.10.2014 um 17:37

    Vorschläge zur Mietpreisbremse gefährden gutes Wohnen in Brandenburg

    Potsdam – „Der Vorstoß der Landesregierung zu Änderungen der auf Bundesebene diskutierten Mietpreisbremse entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Dringend benötigte Investitionen würden verhindert und Arbeitsplätze gefährdet.“ So kommentierte Maren Kern, Vorstand beim BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V., die Brandenburger Vorschläge zu einer weiteren Verschärfung der „Wiedervermietungsbremse“.

    Kern weiter: „Brandenburg steht mitten im demografischen Wandel mit seinen enormen Herausforderungen. Das Land braucht gerade jetzt mehr Klarheit bei der Fortsetzung des Stadtumbaus, mehr demografiegerechte Wohnungen und im Berliner Umland mehr Neubau. Wieso macht sich die Landesregierung also ausgerechnet jetzt Gedanken über Maßnahmen zur Verhinderung von Investitionen?“

    Bei den BBU-Mitgliedsunternehmen sind die durchschnittlichen Nettokaltmieten in den acht Jahren seit 2005 real um ein Prozent gesunken, während Haushaltseinkommen sowie die Bau- und Energiepreise gleichzeitig – teilweise deutlich – zugelegt haben.

    Kostendeckende Mieten = Investitionen
    Die Mieteinnahmen seien die einzige Möglichkeit der Wohnungsunternehmen zur Refinanzierung ihrer Investitionen. „Jeder Eingriff bei den Mieten ist deshalb auch ein Einschnitt in die Investitionskraft der Wohnungsunternehmen. Das geht letztlich auch zu Lasten von Neubau und Wachstum“, unterstrich Kern. Zeitgemäßer Neubau sei in der Regel erst ab einer Nettokaltmiete von 9,50 Euro pro Quadratmeter und Monat finanzierbar.

    Bis 2020 wollen die brandenburgischen BBU-Mitgliedsunternehmen bislang mindestens 3.500 neue Mietwohnungen bauen, davon mindestens 1.600 in Potsdam. „Es wäre nicht im Sinne der Mieterinnen und Mieter, wenn dieses Neubauvolumen in Gefahr gebracht würde“, stellte Kern klar.

    BBU, 22.10.2014

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