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Gebäudedämmung: Lamento, Weihrauch, Märchen

zauberer

Ein herzerfrischendes Lamento über missglückte Dämmstoffpropaganda präsentiert das Deutsche Ingenieurblatt in der Anlage zu seiner Juli-Ausgabe *). Man könnte meinen: all die schöne Gehirnwäsche, die Lügen, Übertreibungen, Weglassungen, Schönfärbereien, Schönrechnereien, Schönredereien – alles für die Katz, denn „manche Medien“ haben sich verabschiedet, auf dieser ausgelutschten Hauptstromwelle mit zu schwimmen. Stattdessen wird – zaghaft noch, aber mit zunehmender Tendenz und Dichte – die Wahrheit medial ans Licht gebracht. Das ist böse, das ist unbegründet, das ist nicht politisch korrekt:

„Auch können es so manche Medien immer noch nicht lassen, immer wieder die Energieeffizienz von Gebäuden und die Wärmedämmung im Allgemeinen ins Visier zu nehmen. Die unbegründete Kritik am Dämmen von Gebäuden reißt nicht ab. Und all dies, obwohl sich die Sensibilität bei Immobilienbesitzern und bei Mietern mit Blick auf die energetische Sanierung und Modernisierung in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat.
Natürlich ist es quotenwirksamer, wenn über vereinzelte spektakuläre Schäden, Brände und sonstige sogenannte Katastrophen berichtet wird, anstatt über die zahlreichen hocheffizienten Neubauten und erfolgreich sanierten Gebäude zu sprechen. Es ist einfacher, mit sensationellen Bildern von vollkommen verschimmelten Wohnungen oder brennenden Fassaden aufzumachen, anstatt über die komplexen bauphysikalischen Zusammenhänge zu informieren oder über die unzähligen Studien an ausgeführten Objekten wissenschaftlich hoch angesehener Kollegen zu berichten. Sie würden das Gegenteil belegen.“

Daher musste die Dämmstoffindustrie mal wieder einige ihrer bezahlten forschen Forscher in die Spur bringen, um für den deutschen Michel gerade zu rücken, was hier in Schieflage geraten ist. Merke: niemand urteilt in Sachen Wärmedämmung objektiver als die Dämmstoffindustrie.

„Genau aus diesem Grund haben wir im Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München (FIW München) im Laufe des Jahres 2013 eine vom Bundesinstitut für Bau-, Städte- und Raumforschung unter Beteiligung u. a. des Fachverbandes WDVS geförderte Studie zur Bedeutung der Wärmedämmung als Baustein der Energiewende erstellt.“ Das bedeutet im Klartext: wieder einmal ist die Dämmstoffindustrie mit einem feinen Steuergeldgeschenk beglückt worden. Können die ihren Mist nicht selbst erforschen, sprich: selbst bezahlen? Es ist wie beim Staatsfernsehen: immer weniger wollen es, immer weniger glauben dran, immer mehr müssen zwangsweise dafür bezahlen.

Natürlich darf das 40-Prozent-entfallen-auf- Haushalte-Schreckgespenst für Klein Doofi nicht fehlen. Dazu das 75-Prozent-entfallen-auf- Heizung-Schreckgespenst, vor dem sich der Normaldenkende schon lange nicht mehr fürchtet. Das sind geistlose Zahlenspielereien. Ob nun 70, 75 oder 80% – wir bezahlen (noch) in Euro und nicht in Prozent. Was wir brauchen, sind wirtschaftliche Lösungen und keine planwirtschaftlichen Raumschiffe. Waren 40 Jahre DDR nicht ausreichend, um der Masse die Augen zu öffnen? Wir brauchen keinen Sozialismus im Bauwesen, keine Dämmstoffpropaganda und keine „Bauphysik“ – wir brauchen ideologie- und gewinnsuchtfreie Forschung und Entwicklung in volkswirtschaftlichem und ökologischem Interesse anstatt die Dämmstoffindustrie zu fördern und zu subventionieren.

Hurra! – die Rettung für unsere Energieeffizienzprobleme sowie Energie- und Hauswende-Träumereien naht: „Die meisten der 18 Millionen Wohngebäude können durch eine effiziente Gebäudehülle und moderne Technik so saniert werden, dass der Verbrauch um mehr als zwei Drittel verringert wird.“ Wie kommt man auf diese Traumwerte? Keine Bange, Hr. Holm vom IWF liefert die Antwort:
„Die möglichen Einsparpotentiale für den Gebäudebestand bis 1993 wurden im Rahmen der Metastudie bauteilspezifisch für eine flächenmäßige Sanierung, entsprechend dem Standard der EnEV 2014 berechnet.“
Womit wir wieder beim Thema Zahlenspielereien angelangt sind. Man muss nur genug blödsinnige Formeln eingeben, dann gibt „der Computer“ beeindruckende Werte aus, das ist wie bei den Klimamodellen: Shit in – Shit out (das ist Neudeutsch und so lässt sich auch Fäkalsprache aufhübschen). Zum Trost gibt es Alternativen: z.B. das Forschungspapier „Warum deutsche Hauseigentümer ungern energetisch sanieren“ und andere Studien.

So, und zum Abschluss noch ein Schenkelklopfer: „Eine objektive Berichterstattung wäre wünschenswert und vielleicht können die Medien sogar von uns lernen.“ Das soll mal so unkommentiert stehen bleiben. Aber eine forsche Losung zum Abschluss sei gestattet:
Die Wärmedämmung in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

*) Quelle: Meinung, Wärmedämmung – für die Medien nicht „sexy“, aber ökologisch und ökonomisch von Bedeutung, Prof. Dr. Andreas H. Holm, Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München (FIW München), im Bauplaner Special des Deutschen Ingenieurblattes, Juli 2014 – Als PDF im Download nur für Abonnenten und daher nur zitatweise verwendbar.

Apropos Lamento:

„Offener Brief von Jochen Stotmeister
Eine Rückkehr zu sachlicher Information in der öffentlichen Debatte um Wärmedämmung fordert Jochen Stotmeister, Vorstandsvorsitzender der Firma Sto, in einem offenen Brief.
Anlass des Schreibens ist die negative, und häufig von unsachlichen oder gar falschen Argumenten geprägte, Berichterstattung über das Thema Wärmedämmung in den vergangenen Monaten. Ziel des Schreibens ist es, den Standpunkt der Firma Sto und ihrer Partner im Handwerk klar darzulegen, eine an den Fakten orientierte Diskussion zu initiieren und verloren gegangenes Vertrauen in den Dämmstoff Polystyrol wieder zurückzugewinnen.
Der offene Brief wurde am 20. Februar an zahlreiche Vertreter der Medien sowie der Bau- und Chemiebranche verschickt.“

Merke: es ist die Sorge um die sauteure Energiewende und das zu rettende Klima – und nicht um abnehmende Umsatzzahlen infolge Dämmverweigerung, wie böse Zungen behaupten – die Herrn sto zum Verfassen dieser literarischen Kostbarkeit veranlasst haben, in welchem er der Ziegelindustrie ein „Lobby-Konzept“ unterstellt und Hr. Freytag von der FAZ und seine Kolleginnen und Kollegen zum „konstruktiven Dialog“ einlädt. Übrigens: Ähnlichkeiten zum Forschungsergebnis des FIW sind vermutlich zufällig bzw. systemimmanent. Denn: Wärmedämmung kann nur gut und nützlich sein.

Oder, um es mit den Worten von Hr. Holm auszudrücken: „Wir müssen aufhören,
hinzunehmen, dass eine kleine Schar von Journalisten, Gutachtern und Selbstdarstellern die gesellschaftlich so wichtige Energiewende durch ihre unsachlichen Argumente und polemische Wortwahl an den Pranger stellt!“. Also doch kein konstruktiver Dialog? Stattdessen errechnete Forschungsergebnisse? Theorie statt Fakten?

  1. 23.07.2014 um 13:47

    Danke für den Tipp. Ein super Artikel.
    Herr Meck hat es gut auf den Punkt gebracht: „„Dena“ heißt eine Staatsagentur, die uns zum Dämmen bekehren will. Die Industrie findet es prima. Und der Bürger zahlt die Rechnung.“

    Neulich bin ich bei einer VDGN Veranstaltung in Berlin gefragt worden: Lohnt sich Dämmung? Meine Antwort: Dämmen lohnt sich IMMER – fragen Sie doch den Handwerker, den Baustoffhändler und die Dämmstoffindustrie.

    Die Staatsagentur dena: https://baufuesick.wordpress.com/?s=dena

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  2. E. Müller
    23.07.2014 um 13:16

    Dämm-Agentur „Dena“: Angriff der Umerzieher

    Ulrich Wickert sagt: „Dämmen lohnt sich!“
    … fragt sich nur für wen 🙂

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/daemmen-lohnt-sich-wem-die-agentur-dena-nutzt-13054412.html

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  1. 20.03.2016 um 06:01
  2. 06.05.2015 um 06:01
  3. 06.03.2015 um 06:04
  4. 28.08.2014 um 09:22

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