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HBCD-Verbot: kommt das Aus für Polystyrol-Dämmung?

giftWeltweites „Aus“ für Flammschutzmittel HBCD
Verbot wirkt nach einem Jahr Übergangsfrist

Für das Flammschutzmittel HBCD wird ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot eingeführt. Der Beschluss erfolgt im Rahmen der UN-Chemikalienkonferenzen in Genf. Der Stoff wird in der Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe, kurz POPs, aufgenommen. HBCD steht für Hexabromcyclododecan. Bislang wurde der Stoff hauptsächlich in Dämmplatten eingesetzt. Für diesen Einsatzbereich gelten vorübergehende Ausnahmeregeln. Ersatzstoffe sind aber bereits vorhanden. Außerdem lässt sich HBCD durch den Einsatz alternativer Dämmmaterialien wie Mineralwolle vermeiden. Das Umweltbundesamt (UBA) begrüßt die Entscheidung. Jochen Flasbarth, Präsident des UBA: „Es ist ein großer Erfolg, dass das für die Umwelt schädliche Flammschutzmittel HBCD nun weltweit nicht mehr produziert und verwendet werden darf. Das ist nur konsequent. Die EU hat den Stoff bereits unter REACH als besonders besorgniserregend eingestuft.“

HBCD ist ein Umweltgift, das sich stark in Organismen anreichert, im Verdacht steht, fortpflanzungsschädlich zu sein und außerdem sehr langlebig ist. Der Stoff verteilt sich über weite Entfernungen und reichert sich sogar weitab industrieller Aktivitäten an, zum Beispiel in arktischen Regionen. Damit erfüllt er alle Kriterien des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe, der sogenannten Stockholmer-POP-Konvention. Eingesetzt wird er hauptsächlich als Flammschutzmittel in Dämmplatten, aber auch als Zusatzstoff in Beton, in elektrischen und elektronischen Produkten sowie in Textilien und Polstermöbeln.

Die sechste Vertragsstaatenkonferenz dieser Konvention stimmt nun der Aufnahme von Hexabromcyclododecan – kurz HBCDD oder HBCD – in Anhang A (Verbot) zu, die Teil der POPs-Liste ist. Das Expertengremium der Stockholmer Konvention hat die POP-Eigenschaften der Chemikalie bestätigt und damit den Grundstein für das weltweite Verbot unter der Konvention gelegt. Der Beschluss wird formal am 09. Mai 2013 umgesetzt und damit noch in diesem Monat mit einer etwa einjährigen Übergangsphase in Kraft treten. Demnach darf die Chemikalie nicht mehr produziert und verwendet werden. Darüber hinaus können Vertragsstaaten eine Ausnahme für Produktion und Verwendung von HBCD in Dämmplatten erklären. Dies soll sicherstellen, dass bis zum Verwendungsstopp ausreichende Mengen geeigneter Ersatzstoffe und anderer Alternativen bereit stehen. Diese Ausnahme ist zeitlich begrenzt und gilt nur für Dämmplatten in Gebäuden. Jochen Flasbarth: „Das UBA empfiehlt bei der Wärmedämmung auf Materialien zu setzen, bei denen entweder weniger umwelt- und gesundheitsschädliche oder gar keine Flammschutzmittel nötig sind, wie zum Beispiel Mineralwolle. Damit lässt sich HBCD noch schneller aus dem Verkehr ziehen.“

Die Vertreter der Mitgliedsstaaten der EU sowie der Europäischen Kommission haben bei den Verhandlungen auf eine Abstimmung zwischen den Regelungen unter REACH und dem weltweiten Verbot unter der Stockholm Konvention geachtet. Für die Entwicklungsländer ist dagegen besonders wichtig, dass mit der Aufnahme von HBCD in die Konvention keine HBCD-haltigen Abfälle in ihre Regionen gelangen. Außerdem drängen sie auf technische und finanzielle Hilfen bei den notwendigen Überwachungs- und Umstellungsmaßnahmen.

Bereits 2008 hat die Europäische Union HBCD aufgrund seiner PBT-Eigenschaften (persistent, bioakkumulierend, toxisch) als „besonders besorgniserregend“ identifiziert und 2011 in Anhang XIV der REACH-Verordnung aufgenommen. Somit sind Herstellung und Verwendung von HBCD in der EU zukünftig nur dann möglich, wenn bis August 2014 Zulassungen bei der Europäischen Chemikalienbehörde (ECHA) in Helsinki beantragt und befristet gewährt werden.

UBA
Presse-Information 23/2013

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  1. 14.09.2016 um 18:21

    HBCD-Verbot: kommt das Aus für Polystyrol-Dämmung?
    Ja, jetzt ist es da. Mit Ansage.

    BDE: dramatische Engpässe bei der Dämmstoff-Entsorgung
    12.09.2016

    Berlin — Ab dem 30.9.2016 gilt die neue Verordnung (EU) 2016/460 zur Neuregelung von persistent organic pollutants (POPs). Daher warnt der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. vor dramatischen Auswirkungen auf die Entsorgung von Dämmstoffen.
    In der POP-Verordnung wird der Stoff Hexabromcyclododecan (HBCD) mit einer Konzentrationsgrenze von 1.000 mg/kg gelistet und gilt damit als gefährlicher Abfall im Sinne der Abfallverzeichnisverordnung. HBCD wird in der Dämmstoffindustrie als Brandschutzmittel verwendet und findet sich in nahezu allen verbauten Dämmmaterialien.

    Weiterlesen …
    https://baufuesick.wordpress.com/2016/09/12/bde-dramatische-engpaesse-bei-der-daemmstoff-entsorgung/

    WDVS: bleiben Handwerker und Bauherren auf dem Sondermüll sitzen?
    12.09.2016

    Das Problem: Ohne Entsorgungsmöglichkeit [destatis zu Abfallmengen 2015: 287.000 Tonnen Dämmmaterial mit und ohne gefährliche Anhaftungen, 104.300 Tonnen Baumischabfälle mit gefährlichen Anhaftungen.] werden die Abfallbetriebe in Deutschland diese Mengen aber nicht mehr von Handwerkern und Hausbesitzern annehmen. Das macht Verbandspräsident Kurth in einem Brief an alle Landesumwelt- und Landeswirtschaftsminister deutlich. „Momentan sehen sich unsere Mitgliedsunternehmen in der Zwangssituation,

    Weiterlesen …
    https://baufuesick.wordpress.com/2016/09/12/wdvs-bleiben-handwerker-und-bauherren-auf-dem-sondermuell-sitzen/

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  2. Horst
    05.06.2016 um 09:12

    Hausgeld-Vergleich vom 05.06.:
    Endlich reagierte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bau:
    „Polystyrol-Dämmplatten, die HBCD enthalten, sind Sondermüll.“
    Der Protest der tatsächlichen Verbraucherschützer und der Fachleute, bei denen es nicht um den schnellen Euro
    geht, hat Wirkung gezeigt – endlich. Das in Dämmstoffplatten aus Polystyrol verwendete HBCM
    (Hexabromcyclododecan) zur Verzögerung der Endzündlichkeit und Verlangsamung von Flammenausbreitung
    darf nicht mehr eingesetzt werden. Von HBCD ist bekannt, dass es fortpflanzungsschädigend ist, sich in
    Organismen kumulativ anreichert und sehr langlebig ist. Bereits 2008 war es auf die Liste der besorgniserregenden
    Stoffe aufgenommen worden. Das Verbot wird jetzt vom Dr. Hendricks-Ministerium als große Tat für den
    Verbraucher verkauft. Und wie so häufig hat die Politik trotzdem noch ein großes Herz für die das bisherige
    alte HBCD-Material anbietenden Firmen. Bis August 2017 können die alten Dämmplatten noch angeboten werden.

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  1. 19.12.2014 um 11:56
  2. 05.06.2014 um 19:44
  3. 04.04.2014 um 20:01

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