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Dämmstoff-Mythos Unwirtschaftlichkeit (2008)

„Gerade in puncto Fassadendämmung sind Zweifel angebracht, ob sie sich in jedem Fall lohnt. Bausachverständiger Fehrenberg hat die Energieverbrauchsdaten größerer Wohnungsbauten über 20 Jahre hinweg untersucht. Zehn Jahre Urzustand, dann zehn Jahre mit nachträglich gedämmten Außenfassaden. Im Schnitt komme eine Energieeinsparung von 7 Prozent heraus. Geworben werde aber häufig mit „leicht 50 Prozent“ und mehr an Ersparnis. Fehrenberg: „Das ist eine Werbungslüge. Das finde ich schlimm! Und die Dämmstoffbranche – bis auf eine Ausnahme – hält schön still beim Verdummen der Bürger; weil ihnen nun das Geld aus der Tasche gezogen wird, sozusagen gesetzlich abgesegnet.“ Harter Tobak, aber keine Einzelmeinung. Auf die Frage, ob er den Mietern raten würde, einer energetischen Gebäudesanierung zuzustimmen, empfiehlt der Sprecher des Mietervereins Hamburg, Michael Korff: „Eher nicht. Der Mieter zahlt danach sehr viel mehr, spart aber auf der anderen Seite kaum.“

Was sich wirklich lohnt

Realistisch für Eigenheimbesitzer ist ohnehin nicht das teure Komplettprogramm. Ihnen sei deshalb das Ergebnis einer Untersuchung von „Stiftung Warentest“ aus dem Jahr 2007 ans Herz gelegt. Diese hat verschiedene Maßnahmen untersucht – in Bezug auf Kosten und Nutzen, also Energie- beziehungsweise Kosteneinsparung. Für ein Einfamilienhaus, Baujahr 1973, 150 Quadratmeter, 3.650 Liter Heizölverbrauch im Jahr kommt sie zu folgendem Ergebnis:

  • Dämmen der obersten Geschossdecke: Kosten circa 2.250 Euro, Energieeinsparung in 20 Jahren 5.654 Euro
  • Dämmen der Kellerdecke: Kosten rund 1.500 Euro, Einsparung nach 20 Jahren 5.059 Euro
  • Einbau einer neuen Heizung (Brennwertkessel): Kosten etwa 5.930 Euro, Einsparung nach 20 Jahren 13.392 Euro
  • Dämmen der Fassade: 15.020 Euro, Einsparung nach 20 Jahren 15.772 Euro
  • Erneuerung der Fenster: 10.500 Euro, Einsparung nach 20 Jahren 2.678 Euro.

Ergebnisse, die Jens Fehrenberg bestätigt: „Das deckt sich exakt mit meinen langjährigen Feststellungen.“ Fehrenberg weiter: „Wenn Ihre Wände 24 Zentimeter dünn sind, mag das Dämmen der Fassade noch einen Sinn haben. Wenn Ihr Haus jedoch 40 Zentimeter dicke Wände zum Beispiel aus Ziegelsteinen hat, dann rutscht eine Dämmaßnahme ganz an das Ende einer Reihenfolge von sinnvollen Maßnahmen zur Einsparung.““

Berliner Republik
Archiv, 06/2008
Spechte, Milben, Schimmelpilze
von Susanne Dohrn
Link

übrigens, ebenda:
Verdummt uns die Dämmstoffbranche?
Eine gute Frage.

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  1. 14.11.2012 um 20:01

    Das funkelnagelneue Umweltbundesamt in Dessau muß besonders schlecht gedämmt gewesen sein – 50 Prozent höhere Heizkosten als gammelalte Vergleichsbuden – so der Bundesrechnungshof in seinem neuen Bericht.

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  1. 13.10.2015 um 08:01
  2. 10.04.2013 um 19:35

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