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Milliarden schwerer Baupfusch

 21 Milliarden Euro Fehlerkosten in der Baubranche – aber wer ist schuld?
Düsseldorf, 19.07.2012: Die Baukosten steigen und steigen. Dabei  nicht nur die Baupreise, wie sie zu Anfang eines Projekts veranschlagt werden, sondern auch ein Faktor, der die Kosten dann in der Praxis weit über den Betrag hinausführt, der im Voraus angenommen wurde. Die Rede ist von Fehlerkosten durch Pfusch, Unachtsamkeit, mangelnde Absprachen oder sonstige Pleiten, Pech und Pannen. Die dadurch entstandenen Kosten sind alles andere als marginal:

Alles in allem schätzten die von BauInfoConsult dazu befragten Architekten und Verarbeiter den Anteil der im letzten Jahr entstanden Fehlerkosten am gesamten Branchenumsatz auf rund 17 Prozent – zur Illustration: Allein bezogen auf den statistisch erfassten baugewerblichen Gesamtumsatz 2011 entspräche das einer Summe von fast 21 Milliarden Euro. Doch wer ist am meisten für die teuren Fehler verantwortlich – Auftraggeber, Planer oder ausführende Unternehmen?

Wenn man direkt nach dem Verursacher fragt, scheuen sich die Befragten begreiflicherweise, pauschal mit dem Finger auf eine „Tätergruppe“ zu zeigen. Deshalb wurde in der telefonischen Befragung zur Jahresanalyse 2012/2013 von BauInfoConsult unter je 180 Architekten, Bauunternehmern und SHK-Installateuren bewusst umgekehrt danach gefragt, welche Partei in einem Bauprojekt am wenigsten daran schuld ist, dass Fehlerkosten entstehen.

Architekten und Bauunternehmer waren sich einig und nannten zu jeweils über 40 Prozent den Bauherren als diejenige Partei in einem Bauprojekt, die die geringste Schuld trifft. Die Verursacher sind also vorwiegend im professionellen Lager zu suchen. Jeder fünfte Bauunternehmer (und ebenso jeder fünfte Architekt) ist der Meinung, dass der Fachplaner am wenigsten für Fehlerkosten kann (ist er doch in der Ausführung, wo die meisten Fehler passieren, nur am Rande beteiligt).

Jeder zehnte Bauunternehmer war übrigens der Meinung, dass es nicht der Architekt ist, der als Sündenbock herhalten muss (und interessanterweise nahm ein fast ebenso hoher Anteil der befragten Architekten die ausführenden Unternehmen in Schutz).

Dass der Bauherr am wenigsten schuld ist, finden auch die SHK-Installateure. Den Architekten und Tragwerksplaner nimmt jeweils jeder zehnte SHK-Installateur ebenfalls in Schutz. Damit bekommen aus Sicht beider befragten Verarbeitergruppen  zumindest indirekt vor allem die Handwerks- und Baufirmen den schwarzen Peter zugeschoben: Bei der praktischen Umsetzung passieren natürlich auch die meisten Fehler.

Damit sind jedoch auch die übrigen Parteien in einem Projekt nicht der Aufgabe enthoben, bei der Vermeidung von Fehlern schon im Vorfeld mitzuwirken: Als beste Gegenmaßnahme, um Fehlerkosten zu vermeiden, gelten nach wie vor eine gute Planung und vor allem verbesserte Kommunikation und Absprachen der Akteure untereinander. Darin waren sich die Befragten aus denselben Zielgruppen einig, als sie von BauInfoConsult für vorige Ausgaben der Jahresanalyse zum Thema Fehlerkosten befragt wurden.

BauInfoConsult Jahresanalyse 2011/2013
Die Ergebnisse fließen mit in die Jahresanalyse 2012/2013 ein, die jährlichen Studie von BauInfoConsult zu Konjunktur und Entwicklungstrends in der Bau- und Installationsbranche. Dabei werden u. a. behandelt:

  • Baustoffe, Bauweisen und Nachfragetrends: Trends und Prognosen mit regionalem Ausblick
  • Bauprognose 2013 und 2014: Bauprognose Neubau und Trend Sanierung nach Gebäudearten
  • Distributionstrends bei Verarbeitern und auf Handelsseite
  • DMU: Entscheidungsstrukturen bei verschiedenen Gebäudearten
  • Messen in der Bau- und Installationsbranche: Chancen und Beurteilung
  • und vieles mehr…

Die Jahresanalyse 2012/2013 erscheint Ende Juli 2012 und kann ab sofort bei BauInfoConsult bestellt werden.

BauInfoConsult
19.07.2012

richtigbauen.de

Hilfe & Beratung:

Haus-Klinik.de

  1. Werner
    05.09.2012 um 10:15

    Tragischerweise trifft Baupfusch jeden, vom Privatmann bis hin zum Großprojekt. Und dabei muss man gar nicht zum Kölner Stadtarchiv schauen, auch in Berlin gibt es momentan einen großen Eklat zu dem Thema ( http://www.berlinportal.org/karl-marx-allee-pfusch-am-bau-des-designierten-weltkulturerbes/128 ). Eine traurige Entwicklung, die leider auch nur schwer aufzuhalten ist. Einen Schuldigen zu finden, das ist, wie der Artikel zeigt, gar nicht so einfach..

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    • Konrad Fischer
      05.09.2012 um 15:59

      Einen Schuldigen zu finden ist vielleicht gar nicht so schwer: Wer hatte die Verantwortung für die Planung, wer für die Bauplanung – und ist obendrein für seinen eigenen Pfusch versichert? Und wer hat mangels formeller Abnahme und Abarbeitung der Prüfleistungen während der Firmen-Gewährleistungsfrist die Gewährleistungsfrist für den eigenen Pfusch ins Unendliche verlängert?

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  2. 29.08.2012 um 20:54

    Muss natürlich „Platons“ heißen, bitte im Kopf korrigieren.

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  3. 29.08.2012 um 19:27

    Jede Wirklichkeit und damit auch jeder Fehler fängt nach Plations auch heute noch gültiger Ideenlehre im Kopf an. Dafür sind die HANDwerker weniger verantwortlich als die Planer. Und am meisten der Auftraggeber, der wegen Preisvorteil regelmäßig die kopflosesten Planer beauftragt. So meine Erfahrung jedenfalls. Wer es anders sind, soll das gut begründen.

    Konrad Fischer
    Kopfwerker

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  1. 21.07.2014 um 13:00

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