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Debriv zu Merkels Strom-Zauber

Stromversorgung kann nur gemeinsam gesichert werden
Braunkohle wehrt sich gegen Ausgrenzung
Klimaschutz ist europäisch geregelt

Köln (ots) – Die Entscheidung, die Nutzung der Kernenergie bis zum Jahr 2022 zu beenden, hat weitreichende Auswirkungen auf die Struktur der Stromerzeugung und absorbiert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Jahr 2011 hatte die Kernenergie noch einen Anteil an der Stromerzeugung von rund 18 %. Der Anteil der erneuerbaren Energien betrug insgesamt rund 20 %, davon entfielen auf die Hoffnungsträger Windkraft 7,6 % sowie auf die Photovoltaik 3 % (Bild). Das energiepolitische Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien im Bereich Strom auf bis zu 40 % im Jahr 2020 zu erhöhen, bedeutet stromwirtschaftlich, dass lediglich der bisher von der Kernenergie geleistete Beitrag ersetzt wird, darauf verweist der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein (DEBRIV). Die in Deutschland verfügbaren Stromerzeugungskapazitäten im Bereich Braunkohle, Steinkohle sowie Gas werden weiterhin nicht nur gebraucht, weil ihre Kapazität jederzeit voll abrufbar ist, sondern insbesondere auch, weil die Erzeugung in diesen Anlagen quantitativ zur Bedarfsdeckung unbedingt benötigt werden.

Im Hinblick auf die aktuelle Berichterstattung über die Rolle der Braunkohle und die stromwirtschaftliche Entwicklung in 2011 verweist DEBRIV auf folgende Zusammenhänge.

Infolge der Stilllegung von rund 8.000 MW Kernenergieleistung verminderte sich die Produktion von Atomstrom in Deutschland im vergangenen Jahr um 32,5 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh). Bei nahezu konstantem Stromverbrauch steigerten die erneuerbaren Energien ihren Beitrag um rund 19 Mrd. kWh und übernahmen damit einen erheblichen Teil der ausstiegsbedingten Erzeugungslücke. Die Braunkohlenkraftwerke erhöhten ihre Stromerzeugung um 7,1 Mrd. kWh und leisteten ebenfalls einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit. Allerdings ist die Bilanzierung der Strommengen nur ein Aspekt; für die Versorgungssicherheit entscheidend ist die Verfügbarkeit der vorhandenen Stromerzeugungsanlagen. Nach Abschaltung der Kernkraftwerke obliegt diese Aufgabe in besonderem Maße den verlässlichen Braunkohlenkraftwerken.

Versuche, die ökonomischen Vorteile des heimischen Energieträgers Braunkohle klimapolitisch aufzurechnen, laufen ins Leere. Alle Braunkohlenkraftwerke unterliegen dem europäischen CO2-Handelssystem und benötigen für ihren Betrieb kostenpflichtige Emissionszertifikate. Die Obergrenze der CO2-Emissionen wird im europäischen System des Emissionshandels durch das gemeinschaftliche Cap abschließend festgelegt. Damit wird die CO2-Menge definiert, die für alle dem System unterworfenen Anlagen verfügbar ist. Das Cap ist einerseits das klimapolitische Ziel, andererseits ist es eine ordnungspolitische Vorgabe, die in jedem Fall erreicht wird, unabhängig davon, wo die CO2-Emissionen erfolgen und wie hoch der CO2-Preis ist.

Die Braunkohlenindustrie bewegt sich in diesem europäischen System und es ist damit klimapolitisch irrelevant, ob in Deutschland einige Millionen Tonnen Braunkohle mehr oder weniger verstromt werden. Die Gesamtmenge der CO2-Emissionen im Emissionshandelssektor bleibt unverändert, lediglich der Ort der Emissionen ist unbestimmt. Die zur Verfügung stehende Menge an CO2 bestimmt den CO2-Preis, der seinerseits eine Lenkungswirkung entfaltet, indem das CO2 über den Handel dorthin gelenkt oder von demjenigen „genutzt“ wird, der bereit oder in der Lage ist, das CO2 zu bezahlen.

Da durch den Emissionshandel ein Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid zu zahlen ist, besteht ein Anreiz, die Verstromung von Braunkohle effizienter zu machen. Neue Braunkohlenkraftwerke sparen gegenüber Altanlagen bis zu einem Drittel an CO2 ein. Da bei Inbetriebnahme neuer Anlagen in der Regel Altanlagen vom Netz genommen werden, kommt es zu realen CO2-Einsparungen durch den Kraftwerksneubau.

Bedeutung und Beitrag der Braunkohle lassen sich auch nicht durch den Subventionsvorwurf schmälern. Produktion und Nutzung von Braunkohle erfolgen in Deutschland vollkommen subventionsfrei, wie die Bundesregierung immer wieder in Antworten auf parlamentarische Anfragen betont.

09.03.2012
DEBRIV

Energieträger 2011, Grafik Debriv

 

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  1. 27.03.2012 um 07:58

    Presseinformation, 26.03.2012

    BDEW zum Treffpunkt Netze 2012:
    Müller: Dringender Handlungsbedarf bei Verteilnetzen

    Erfolg der Energiewende setzt Regulierungswende voraus / Ende 2011 lag installierte Leistung von Windenergie- und Photovoltaikanlagen bei 54.000 MW

    Berlin, 26. März 2012 – Ein Jahr nach der Energiewende in Deutschland fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ein Umdenken der Politik, um die Planung und den Ausbau der Energienetze deutlich zu beschleunigen: „Ein intelligentes Energieversorgungssystem benötigt auch eine intelligente Regulierungspolitik. Der Erfolg der Energiewende setzt zwingend eine Regulierungswende voraus. Dabei muss der regulatorische und bürokratische Aufwand in Zukunft weniger und nicht mehr werden. Es gibt dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau der regionalen Verteilnetze. Auch die Bundesländer stehen jetzt in der Verantwortung, um die Energiewende und den beschleunigten Ausbau der Netze umzusetzen. Wir brauchen eine bessere Koordinierung zwischen Bund und Ländern.“ Das sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung, vor dem BDEW-Fachkongress „Treffpunkt Netze 2012“. Auf dem Branchentreffen der deutschen Netzwirtschaft kommen am 27. und 28. März rund 400 Entscheider aus Politik, Regulierung und Netzwirtschaft in Berlin zusammen.

    Die Politik habe in den zurückliegenden Monaten im Zuge der Energiewende zwar einige Gesetzesänderungen herbeigeführt. So wurden die Rahmenbedingungen zum Beispiel für Übertragungsnetzbetreiber und Betreiber von Gas-Fernleitungsnetzen verbessert und neue Verfahren zum Netzausbau auf den Weg gebracht. „Jedoch haben sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für Netzinvestitionen bisher nicht verbessert. Es gibt noch viel beim dringend notwendigen Um- und Ausbau der Energienetze zu tun“, betonte Müller. In einigen Regionen sei in diesem Winter bereits zu beobachten gewesen, dass es in den deutschen Netzen eng werden könne.

    Der Blick der politisch Verantwortlichen müsse sich endlich auch auf die Verteilnetze richten. „Über 90 Prozent der Erneuerbaren Energien werden an Verteilnetze angeschlossen. Die Verteilnetzbetreiber brauchen für diese Herausforderungen und Investitionen entsprechende Rahmenbedingungen und zwar so schnell wie möglich“, erklärte Müller. Zum Jahresende 2011 waren nach BDEW-Angaben bereits Kapazitäten von Windenergie- (29.000 MW) und Photovoltaikanlagen (25.000 MW) in Höhe von insgesamt 54.000 Megawatt installiert. „In der BDEW-Verteilnetzstudie haben die Gutachter bei 66.000 Megawatt installierter Leistung einen Ausbaubedarf im Verteilnetzbereich von 195.000 Kilometern bei einem Investitionsbedarf von rund 13 Milliarden Euro ermittelt. Dies wurde jedoch bis zum Jahr 2020 erwartet. Bei dem derzeitigen Ausbautempo könnten wir diese Ausbauzahlen durchaus schon deutlich früher erreicht haben. Ich denke, dies zeigt eindrucksvoll, dass wir es uns nicht mehr leisten können, lange über die Notwendigkeit des Netzausbaus zu diskutieren“, erläuterte Hildegard Müller.

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  2. 12.03.2012 um 19:56

    Energiekonzept der Bundesregierung führt energie- und klimapolitisch ins Niemandsland
    Europäische Vorgaben und internationale Entwicklungen werden ausgeblendet

    Köln (ots) – Es ist erstaunlich und mit hohen Risiken für Wirtschaft und Umwelt verbunden, dass die Bundesregierung im Entwurf zu ihrem Energiekonzept keine Verknüpfung zur europäischen und internationalen Energie- und Klimapolitik herstellt, erklärte die deutsche Braunkohlenindustrie in einer ersten Reaktion zum Entwurf für das neue Energiekonzept der Bundesregierung. Insbesondere die längerfristigen Ziele für den Klimaschutz, so der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein (DEBRIV) in Köln, werden ausschließlich für Deutschland als Vorgabe beschrieben.
    Schon das Ziel, die deutschen CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, reicht im Sinne eines nationalen Alleingangs über die 2009 gemeinschaftlich beschlossene EU-Klimapolitik hinaus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass durch die Einführung des europäischen Emissionshandelssystem (ETS) ein Minderungsziel von 21 Prozent für den Sektor Strom und energieintensive Industrien für 2020 zwingend vorgeschrieben wird. Dieses CO2-Budget kann nicht durch die Entscheidung einzelner Staaten verändert werden. Etwa die Hälfte der deutschen CO2-Emissionen unterliegen diesen Regeln und sind damit einer ergänzenden oder zusätzlichen nationalen Zielvorgabe entzogen. Ein deutsches Klimaprogramm oder Energiekonzept kann sich nur auf die Nicht-ETS-Bereiche beziehen.
    Hinzu kommt, dass es ab 2012 kein internationales Abkommen gibt, mit dem der Kyoto-Prozess fortgeführt wird und auch die EU für die Zeit nach 2020 keine bindenden Beschlüsse gefasst hat. „Die Bundesregierung beschreitet mit ihrem Energiekonzept folglich klimapolitisches Niemandsland, wenn sie die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent, bis 2040 um 70 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent senken will“, erklärte der DEBRIV.
    Auch die von der Bundesregierung eingesetzten Gutachter hatten als Grundbedingung angesprochen: „Auf der internationalen Ebene ist mittelfristig der Abschluss eines völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzabkommens unter Einbeziehung aller Industriestaaten und zumindest der wichtigsten Entwicklungs- und Schwellenländer eine unabdingbare Voraussetzung.“
    Viele der im Entwurf des Energiekonzepts angesprochenen Maßnahmen und Technologien haben insbesondere jenseits von 2020 „hochspekulativen Charakter,“ kritisiert der DEBRIV. Es werden eine große Zahl von Technologien oder Verfahren für bestimmte Zeitpunkte in einer mehr oder weniger fernen Zukunft als gegeben angenommen, die ihre Bewährungsprobe in technischer oder ökonomischer Hinsicht bei Weitem noch nicht bestanden haben, erhebliche Nebenwirkungen aufweisen oder überhaupt noch nicht existieren.
    Zu Recht verweist die Bundesregierung darauf, einerseits für Forschung, Entwicklung und Demonstration im Bereich der Energietechnik mehr zu tun. Andererseits geht das Energiekonzept viel zu wenig darauf ein, wie das heute ökonomisch und technisch Sinnvolle umgesetzt werden kann und wie neue Lösungen vorbereitet werden.
    Nicht geleistet wurde, zu unterscheiden und auf der Zeitachse zu ordnen, was heute machbar, morgen möglich und übermorgen denkbar ist. Es mangelt daran, die deutsche Politik mit EU-Strategien zu verzahnen und den internationalen Kontext herzustellen. Wenn das Energiekonzept einen ergebnisoffenen Diskussionsprozess in Gang setzen würde, bei dem Entscheidungen hinsichtlich der Nebenwirkungen überprüfbar werden und man bereit ist, Fehleinschätzungen im Zeitverlauf auszuräumen, dann könnte der Prozess in einen produktiven Pfad münden, meint der DEBRIV.
    In diesem Sinn bewerte die Braunkohlenindustrie die Hinweise im Energiekonzept zur Modernisierung von Kraftwerken und zur Entwicklung der CCS-Technik ausdrücklich positiv. Vollkommen unverständlich sei allerdings, dass auf die Bedeutung heimischer Ressourcen wie Braunkohle oder Erdgas im Kontext von Versorgungssicherheit, Technologie und Preiswürdigkeit überhaupt nicht eingegangen wird. Der DEBRIV mahnt an, im Spannungsfeld Utopie-Vision-Realität behutsam vorzugehen, nicht politischen Machbarkeitsillusionen zu erliegen.
    Deutsche Braunkohle – Eine belastbare Option
    Deutschland verfügt über einen leistungs- und wettbewerbsfähigen Braunkohlenbergbau und über Braunkohlenreserven, die weit in die Zukunft reichen. Als einziger heimischer Energieträger, der in großen Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht, trägt die Braunkohle zu rund einem Viertel zur deutschen Stromerzeugung bei. Durch Investitionen in hocheffiziente Kraftwerke und die Modernisierung bestehender Anlagen können die spezifischen CO2-Emissionen gesenkt und die Flexibilität der Kraftwerke erhöht werden. Braunkohlenkraftwerke tragen damit zu einer preisgünstigen Integration fluktuierender Leistung aus erneuerbarer Energie bei. Durch die Demonstration von Technologie zur Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2 wird schon über die mittlere Frist gesehen die Option eröffnet, Braunkohlennutzung und deutlich verschärfte Klimaziele kompatibel zu gestalten.
    Hinzu kommt, dass heimische Braunkohle schon heute eine beachtliche Rolle im Wärmemarkt spielt. In Zukunft wird bei steigenden Preisen für Erdöl und Erdgas die stoffliche Nutzung in der Chemie zu einer realitätsnahen Option.
    Realitätsferne Visionen verstärken Akzeptanzprobleme
    Um Akzeptanzproblemen vorzubeugen, sollte die Bundesregierung den Eindruck vermeiden, es bestehe ein wirklich valider Plan zum ökologischen Umbau der Industriegesellschaft. Die Ankündigung, im Jahre 2050 könne der Energieverbrauch zu annähernd 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden und die Umwelttechnik allein strukturtragend sein, ist eine extrem risikobetonte Zukunftsvorhersage und könnte den Blick auf tatsächliche Handlungsspielräume und faktische Notwendigkeiten verstellen.

    Debriv, 09.09.2011

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  3. 12.03.2012 um 19:55

    Sicherheit der Stromversorgung durch Braunkohle
    Unverzichtbarkeit in der Kälteperiode unter Beweis gestellt

    Köln (ots) – Ihre große Bedeutung für die deutsche Stromversorgung bewies die heimische Braunkohle erneut in der Kälteperiode Anfang Februar, als alle Braunkohlenkraftwerke Volllast fuhren und große Teile der Grundlast sicher gewährleisteten (rund 17 000 MW). Auch bei extremen Minustemperaturen arbeitete der Verbund Tagebau-Kraftwerk störungsfrei.
    Erhebliche Beiträge leisteten auch Steinkohle (rund 12 000 MW) sowie Kernenergie (rund 12 000 MW). Die Einspeisung von Wind und Photovoltaik war gering. Die im Tagesverlauf auftretenden Schwankungen des Stromverbrauchs wurden im Wesentlichen durch Erdgaskraftwerke abgedeckt. Gut erkennbar war auch die Wirkung der Pumpspeicherkraftwerke mit ihrer kurzzeitigen Ausgleichsfunktion über den Tag.
    Damit wurde erneut deutlich, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nur vor dem Hintergrund eines großen und leistungsfähigen Kraftwerksparks erfolgen kann, der unabhängig von der Witterung den Strombedarf jederzeit sicher abdeckt.
    Stabiler Beitrag der Braunkohle in 2011
    Wie in den Vorjahren hat die deutsche Braunkohlenindustrie auch 2011 mehr als 90 Prozent ihrer gesamten Förderung für die Erzeugung von Strom und Fernwärme an die Kraftwerke der allgemeinen und industriellen Versorgung geliefert. Die Stromerzeugung aus Braunkohle erhöhte sich 2011 um knapp 5 Prozent auf 153 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh). Damit stammte auch im vergangenen Jahr fast jede vierte Kilowattstunde Strom, die in Deutschland verbraucht wurde, aus Braunkohle.

    Debriv, 02.03.2012

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  1. 17.10.2012 um 18:10
  2. 20.05.2012 um 10:11

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