Startseite > Heizen, Wohnen > Alle Jahre wieder: die zweite Miete

Alle Jahre wieder: die zweite Miete

VDI 2077: Korrekturverfahren zur Heizkostenverteilung

Jedes Jahr im Frühjahr kommt sie wieder: die Heizkostenabrechnung – und mit ihr das Bewusstsein für die „zweite Miete“. Manchmal erlebt man sogar noch eine zusätzliche Überraschung, denn häufig treten Kostenverschiebungen zwischen den Bewohnern innerhalb eines Hauses auf. Doch wie kommt es dazu? Die Richtlinie VDI 2077 Beiblatt „Rohrwärme“ gibt Aufschluss über die Berechnung der Heizkosten bei signifikanter Rohrwärmeabgabe.

Die Heizkostenverordnung verlangt grundsätzlich, dass Heizwärme „verursachergerecht“ zugeordnet wird. Dies verlangt nach einer vom individuellen Verbrauch abhängigen Abrechnung. Der Heizkostenverteiler erfasst allerdings nur die vom Heizkörper abgegebene Wärme. Rohrwärme, die von ungedämmt verlegten Rohren ausgeht und zusätzlich zur Beheizung der Räume beiträgt, bleibt für ihn „unsichtbar“. Eine Abrechnung alleine nach den Ablesewerten des Heizkostenverteilers wäre in diesem Fall nicht „verursachergerecht“ und würde zu Verzerrungen führen: Der „Vielheizer“ bekäme viel von der Rohrwärme zugerechnet, der Sparsame wenig – selbst, wenn beide nahezu identische Rohrwärmemengen bekommen.

Hier setzt die Richtlinie VDI 2077 Beiblatt „Rohrwärme“ an: Anhand statistischer Kennwerte der Ablesewerte wird ermittelt, ob eine Rohrwärmekorrektur sinnvoll erscheint. Im Korrekturverfahren werden Rohrwärme- und Wärmeabgabe über die Heizkörper differenziert und die Kosten der Rohrwärme nach einem anderen Schlüssel, z. B. der Wohnfläche, berechnet. Dadurch kann es zu Kostenverschiebungen kommen.

Das Problem der Rohrwärmeabgabe verstärkt sich, je weniger die Heizkörper zur Raumbeheizung beitragen. In einem stark wärmegedämmten Haus kann die Rohrwärme allein schon ausreichen, um angenehme Temperaturen zu erzeugen. Hier sieht die Heizkostenverordnung in § 11 Abs. 1 Nr. 1c vor, dass die gesamten Heizkosten verbrauchsunabhängig umgelegt werden, vorausgesetzt, es handelt sich um ein „altes“ Gebäude (errichtet vor 1.1.1991 in den neuen Bundesländern oder 1.7.1981 in den alten).

Richtlinie VDI 2077 beschreibt die Vorgehensweise zur Korrektur der Heizkostenverteilung bei Rohrwärmeabgabe in Mietshäusern (Bild: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de).

VDI, 15.02.2012

Advertisements
  1. 27.03.2012 um 08:00

    LBS
    Recht und Steuern Archiv 2012
    26.03.2012
    Gerechteres Heizen

    Leistungs- statt Abflussprinzip bei der Kostenabrechnung

    In Zeiten steigender Energiekosten achten Mieter besonders stark auf die Abrechnungsmodalitäten durch den Eigentümer oder die Verwaltung. Wenn sie schon sehr viel Geld ausgeben müssen, um im Winter über eine warme Wohnung zu verfügen, dann soll es bei der Umlage wenigstens gerecht zugehen. Nach Auskunft des Infodienstes Recht und Steuern der LBS ist vor kurzem erst ein höchstrichterliches Urteil ergangen, das dem so genannten Leistungsprinzip bei der Kostenabrechnung den Vorzug einräumt.
    (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen VIII ZR 156/11)

    Der Fall: Ein Vermieter hatte seine Ausgaben für die Heizung auf die Mieter nach dem Abflussprinzip umgelegt. Das heißt: Die ihm im Vorjahr tatsächlich entstandenen Kosten, also seine Vorauszahlungen an den Energieversorger, wurden auf die Mieter verteilt. Doch diese Art der Abrechnung wollte sich eine betroffene Mieterin nicht gefallen lassen. Sie verweigerte eine Nachzahlung, denn sie bemängelte, dass nicht der eigentliche Verbrauch in dem jeweiligen Jahr zu Grunde gelegt worden sei. Ausschlaggebend dürfte im Gegensatz zum Abflussprinzip ausschließlich das sein, was der Mieter tatsächlich verbraucht habe (Leistungsprinzip).

    Das Urteil: Der Bundesgerichtshof schloss sich der Argumentation der Mieterin an. Es stelle einen Verstoß gegen die Heizkostenverordnung dar, wenn nicht der wirkliche Verbrauch für die Abrechnung herangezogen worden sei. Im Urteil hieß es: „Im Gegensatz zu den verbrauchsunabhängigen ‚kalten’ Betriebskosten gibt es hinsichtlich der Heizkosten eine gesetzliche Regelung, die den Vermieter verpflichtet, diese Kosten nach dem im Abrechnungszeitraum verbrauchten Brennstoff abzurechnen.“ Allerdings hat das oberste Gericht es ausdrücklich zugelassen, dass eine Abrechnung nach dem Leistungsprinzip nachgeholt werden kann.

    Gefällt mir

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: