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Wahnsinn: Deutschland ist noch unsaniert

„Deutschland ist noch unsaniert
Neue Zahlen zeigen: Die Energiebilanz deutscher Altbauten ist schlecht

Nach neuen Berechnungen der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) hat der überwiegende Teil deutscher Altbauten eine schlechte Energiebilanz. Rund 70 Prozent der Gebäude, die vor 1979 gebaut wurden, haben überhaupt keine Dämmung und bei 20 Prozent ist sie unzureichend. Nur rund 10 Prozent der Altbauten in Deutschland haben eine Dämmung, die aktuellen Anforderungen genügt.

Ein ähnlich schlechtes Bild ergibt sich bei den Heizungsanlagen in deutschen Kellern. Von den 18 Millionen Heizungsanlagen im Bestand sind rund 13 Millionen veraltete Gas- und Ölkessel. Somit entsprechen 70 Prozent der Heizungsanlagen nicht dem Stand der Technik.

„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Gebäudebestand in Deutschland muss dringend saniert werden. Umso wichtiger ist es, dass sich morgen der Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag auf die steuerliche Absetzbarkeit energetischer Sanierungen verständigt“, erklärte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung und Sprecher der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea). „Wer für die steuerliche Absetzbarkeit energetischer Sanierungen stimmt, entscheidet sich langfristig für mehr Einnahmen in den Länderkassen. Neben sozialen Gesichtspunkten sprechen auch wirtschaftliche Gründe für die Steuerförderung, denn von einer Sanierungswelle profitieren hauptsächlich der Mittelstand und das Handwerk.“

Von den 18 Millionen Gebäuden in Deutschland sind fast 13 Millionen vor 1979 gebaut, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Drei Viertel der Energie, die für Raumwärme und Warmwasser im Gebäudebestand in Deutschland verbraucht werden, gehen auf das Konto unsanierter Altbauten.

Die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) ist ein branchenübergreifender Zusammenschluss führender Vertreter aus Industrie, Forschung, Handwerk, Planung, Energieversorgung und Finanzierung. Die Allianz wurde auf Initiative der dena gegründet.“

Quelle: PM der geea
12.12.2011

***

Was bedeutet „geea“?
Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea), gegründet im Januar 2011, federführend: die dena, „ein branchenübergreifender Zusammenschluss führender Unternehmen und Verbände im Bereich Bauen und Energie“.
Ziele: „Die geea will die Rahmenbedingungen für eine deutliche Intensivierung der energetischen Gebäudesanierung verbessern. Eine zentrale Aufgabe der geea besteht darin, den verschiedenen Branchenakteuren – beispielsweise der Anlagentechnik, des Handwerks, der Dämmstoff- und Fensterindustrie etc. – eine einheitliche Stimme gegenüber der Politik zu verleihen. Denn das Gelingen einer ganzheitlichen Energiewende hängt maßgeblich von den richtigen Weichenstellungen in Ordnungsrecht und Förderung für Effizienzmaßnahmen ab.“ – man kann es kürzer ausdrücken: Lobbyarbeit zur Umsatzgenerierung.

Der Club der Selbstlosen
Lobby-Organisationen: BDH – Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V., BHKS – Bundesindustrieverband Heizungs-, Klima-, Sanitärtechnik/Technische Gebäudesysteme e.V., DGH – Deutscher Großhandelsverband Haustechnik e.V., FGK – Fachverband Gebäude-Klima e.V., GDI – Gesamtverband Dämmstoffindustrie, GRE – Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V., IWO – Institut für Wärme und Oeltechnik e.V., Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen e.V., VFF – Verband Fenster + Fassade e.V., ZVSHK – Zentralverband Sanitär Heizung Klima/Gebäude- und Energietechnik Deutschland, ZDH – Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V.
Unternehmen: EB – Partner GmbH & Co. KG, E.ON Ruhrgas AG, Richter+Frenzel GmbH + Co. KG, DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GMBH & Co. OHG, RWE AG, Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG, Viessmann Werke GmbH & Co. KG , WILO SE
Forschung und Wissenschaft: FIW – Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. , RWTH Aachen University, Lehrstuhl für Baubetrieb und Gebäudetechnik, TUM – Technische Universität München, Lehrstuhl für Bauphysik

„Die Energiebilanz deutscher Altbauten ist schlecht“ – stimmt das?

Kurz und knapp, zum Einstieg: nein. Gedämmte Neu- und Altbauten werden schön gerechnet (bzw. einfach schön geredet, ein wesentliches Element der Propaganda, wenn keine belastbaren Zahlen vorhanden sind), Bestandsgebäude werden schlecht gerechnet. Dieser Wahnsinn hat Methode, Grundlage sind die falschen Berechnungsmethoden nach EnEV und DIN. Lesen Sie hier weiter.

Und wo nimmt die geea ihre Weisheit her? „Nach neuen Berechnungen der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) hat der überwiegende Teil deutscher Altbauten eine schlechte Energiebilanz.“ 3 x 4 = 9, denn 9 : 3 = 4. q.e.d. Die logische Schlussfolgerung? Dämmen – dämmen – dämmen? Na, dämmert’s?

Die Fakten
Auszug aus dem Fachartikel:

„Bei Altbauten, insbesondere bei solchen mit massiven Ziegelkonstruktionen, liegen die tatsächlichen Verbräuche weit unterhalb der errechneten Heizwärmebedarfe. Die gemäß EnEV §§ 16 ff. zu erstellenden Energieausweise gehen bei unsanierten Einfamilienhäusern von einem Heizwärmebedarf von über 400 kWh/a/m²-Nutzfläche aus. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) kam zu dem Ergebnis, dass die beauftragten Energieausweise bei gleicher Grundlage je nach Aufsteller zu stark abweichenden Ergebnissen führen. Schon allein aus diesem Grund sind sie daher methodisch unakzeptabel. Die Kieler Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen analysierte den Energieverbrauch von 5.000 Bestandsgebäuden mit 19.426 Wohnungen. Laut der 2009 vorgelegten Studie liegt der durchschnittliche Heizwärmeverbrauch von Wohnbauten in Schleswig-Holstein bei 170 kWh/a/m² für unsanierte und geringfügig sanierte Einfamilienhäuser (EFH) und 150 KWh/a/m² bei Mehrfamilienhäusern (MFH).

Eine weitere Studie des IWH, Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, und der ista Deutschland GmbH von 2010 zeigt auf Grundlage einer umfangreichen Datenerfassung für rund 200.000 Gebäude einen durchschnittlichen Heizwärmeverbrauch von 141 KWh/a/m² bei unsanierten Mehrfamilienhäuser in der Gebäudealtersklasse 1900-1918 für Gesamtdeutschland. Dieser Wert wird auch durch andere vorliegende Energieverbrauchsanalysen an Altbauten bestätigt und teilweise weit unterschritten. Die Erhebung des IWH/ista zeigt eine langsame, kontinuierliche Absenkung der Verbrauchskurve für Gebäude ab 1970 bis 2000 um ca. 15% bezogen auf den gesamten Zeitraum.“

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  1. S. Herbert
    08.02.2012 um 13:14

    Brandschutz für WDVS kostet die Gesundheit der Hausbewohner:

    http://www.heise.de/tp/artikel/34/34113/1.html

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  2. Bernd Raschke, Heidelberg
    06.02.2012 um 08:01

    Ich habe mit Interesse den Artikel in der ImmobilienZeitung gelesen.
    http://www.immobilien-zeitung.de/113479/streitfall-waermedaemmung

    Bemerkenswert fand ich folgende Passage:
    „Klaus Breuer vom Fraunhofer Institut für Bauphysik in Holzkirchen lässt das nicht gelten. „30 Jahre Erfahrung aus der hygrothermischen Beobachtung von Wandaufbauten sprechen gegen diese Theorie [Auffeuchtung infolge fehlender Kapillarität.].“ Auch Deutsche Wohnen, Gagfah, GSW und WBG Nürnberg äußerten auf Anfrage, keinerlei Probleme mit der Bauqualität im Anschluss an Dämmmaßnahmen erfahren zu haben.“

    Gerade das Fraunhofer IBP ist bekannt für seine Linientreue, auf deren Prüfständen gibt es eine heile Welt der Wärmedämmung – die Praxis sieht anders aus. Hier ein Beispiel:
    „Sie berichteten auch von den praktischen Erfahrungen bei der energetischen Sanierung von Plattenbauten in CZ. Das Problem besteht darin, dass bei den Styropor-Dämmfassaden infolge Kondensatbelastung eine starke Bewehrungskorrosion erfolgt.“
    https://baufuesick.wordpress.com/2007/12/14/wenn-die-gotter-irren/

    Nachdem ich den Artikel „Die Berechnungsverfahren der Normen erlauben keine realistische Einschätzung der Feuchte- und Wärmebilanz von Bauteilen“ http://www.richtigbauen.de/info/phy/phy29.htm
    gelesen habe, habe ich mich auf der WUFI Internetseite des Fraunhofer IBP umgeschaut. Hier findet man das bestätigt, was anderenorts im Zusammenhang mit den Berechnungsmethoden nach DIN 4108 heftig abgestritten wird. Es gibt eine simplifizierte Bauphysik nach Norm, die keine richtigen Ergebnisse liefert – und es gibt eine andere, mit der sich Wissenschaft und Forschung befassen, z.B. inklusive kapillarem Wassertransport.

    Das wird dann wohl einer der Hauptgründe sein, dass WDVS in der Praxis nicht so gut funktionieren wie im trockenen Labor. Zahlreiche Studien belegen, dass Altbauten schlechter dargestellt oder berechnet werden als sie in Wirklichkeit verbrauchen. Siehe Artikel „Wärmebedarf, Wärmeverbrauch, Wärmeschutz“ https://baufuesick.wordpress.com/2011/12/03/warmebedarf-warmeverbrauch-warmeschutz/.

    Noch mal kurz zurück zum Fraunhofer Institut für Bauphysik in Holzkirchen. Der Forschungsbericht von 1983 zum Vergleich verschiedener Wandkonstruktionen lässt gedämmte Fassaden nicht so gut aussehen – und das im wissenschaftlichen Vergleich. Warum wird das nicht weiter publiziert und kommuniziert?
    http://www.richtigbauen.de/info/phy/phy17.htm

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  3. 05.02.2012 um 20:33

    Eine interessante Sammlung:
    http://twitter.com/RA_Haegele

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  4. 05.02.2012 um 20:30

    Der Artikel „Streitfall Wärmedämmung“ von Monika Leykam in der Immobilein Zeitung ist nun auch online abrufbar. Auch wenn einiges an Erklärversuchen den Bach runter gegangen ist, lohnt sich die Lektüre.

    http://www.immobilien-zeitung.de/113479/streitfall-waermedaemmung

    Beispiel:

    (1) „Fragt man einzelne Sachverständige nach eigenen Erfahrungen mit Schäden, die nach der Aufbringung von WDVS an Gebäuden auftreten, geht es meist um Feuchtigkeit. Matthias Bumann, Architekt und Energieberater in Berlin, blickt auf gut zehn Jahre Erfahrung mit gedämmten Mehrfamilienhäusern zurück und erzählt von nassen Wänden, die sichtbar werden, wenn die Dämmfassaden abgenommen werden. „Tauwasserbildung an der Grenzfläche zwischen WDVS und Mauerwerk tritt häufig auf – die Praxis ist oft feuchter als die trockene Theorie.““

    (2) „Als mögliche Ursachen für Feuchteeinträge werden undichte Verklebungen an den Rändern der Dämmplatten ebenso genannt wie Fehler bei den Anschlüssen der Wandisolierung an Dächern und Fenstern oder unentdeckte Feuchtequellen aus Innenräumen, z.B. aus Kellern oder Bädern.“

    (19 gibt eine der Kernaussagen aus dem Telfonat richtig wider. Zu (2) ist zu sagen: Thema verfehlt. Aufgezählt werden Sekundärerscheinungen. Das eigentliche Problem ist systemimmanent: Kondenswasser entsteht an der Grenzfläche zwischen Mauerwerk und Dämmstoff. Mittels Glaser-Verfahren kann man die Menge abschätzen, wobei infolge Vernachlässigung der kapillaren Vorgänge der vergleich von Tau- und Verdunstungswassermenge eine (gewollte) Fiktion bleibt. Die DIN 4108 gibt eine Limitierung der Tauwassermenge für gedämmte Kosntruktionen auf 0,5 l je m2 vor. Das sind bei einem Giebel von 10 x 20 m imemrhin zehn 10-l-Eimer Wasser in der Wand über die Periode.

    Wer mehr wissen will, der Artikel „Normen zum Wärmeschutz von Gebäuden“ ist seit Dezember 2007 online. Mein Lieblingszitat: „Die Berechnungsverfahren der Normen enthalten Vereinfachungen, die es nicht erlauben, eine realistische Einschätzung der Feuchtebilanz von Bauteilen vorzunehmen“ (Prof. mult. Dr. Hauser)

    https://baufuesick.wordpress.com/2007/12/15/normen-zum-warmeschutz-von-gebauden/

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  5. Erich Müller
    05.02.2012 um 16:54

    So langsam begeifen auch die Medien die „Wärme Dummen Verkaufs Strategie“ der deutschen Lobbykratie. Die Themen in 3Sat vom 5.2.2012:

    – Die verpackte Republik
    – Nachhaltige Zerstörung der Baukultur
    – Kaum zu verhindern: Algenbewuchs
    – Sondermüll künftiger Generationen
    – Eine verheerende Bilanz

    Bitte lesen Sie weiter
    http://www.3sat.de/page/?source=/hitec/159270/index.html

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  6. 05.02.2012 um 12:24

    Die Sanierung Deutschland sollte in den Köpfen der Politiker beginnen. Das muss bei der Auswahl der Lobbyisten beginnen. Solange Firmenverteter die Vorlagen für Fachpolitiker erarbeiten und unabhängige Fachleute nicht zu Wort kommen, werden unsinnige Maßnahmen gefördert.

    Meine persönliche Meinung zu Förderung: Werden Maßnahmen mit 20% nur zu einem Teil gefördert, z. B. eine Sanierung, die leicht über 60.000,- € geht, wird nur bis 15.000,- € gefördert, so ist jede abgerufene Förderung ein Gewinn an MwSt und anderen Steuern. Die durch die Sanierungen hervorgerufenen Schäden oder Folgearbeiten sichern langfristig die Arbeit der Sanierer..

    70% der Häuser sollen ungedämmt sein und 70% der Heizanlagen veraltet.

    Die Wirksamkeit der Dämmung wird immer Pauschal beurteilt. Feldversuche zur Untersuchnung von Einzeldämmmaßnahmen suche ich vergeblich.

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