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Dämmstoffpropaganda (de): Kritik unerwünscht

Verstanden? Wir haben Recht, wir liefern die Beweise.

Hintergrundpapier zur dena-Pressemitteilung „dena weist Kritik an Wärmedämmung zurück“ vom 02.12.2011

Aktuelle Medienberichte stellen die Wärmedämmung von Gebäuden als Mittel zur Energieeinsparung und CO2-Reduzierung in Frage.

Neben Zweifeln am generellen Nutzen der Wärmedämmung zur Reduzierung des Energiebedarfs werden auch ein mangelnder Brandschutz sowie Algenbildung und Spechtbefall an den Fassaden als Argumente aufgeführt. Aus Sicht der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) sind diese pauschalisierenden Darstellungen haltlos.

Wärmedämmung und Energieeinsparpotenziale

Die energetische Sanierung der Bestandsgebäude in Deutschland ist ein wesentlicher Bestandteil für eine funktionierende Energiewende. Denn hier fällt rund ein Drittel des gesamten Energiebedarfs in Deutschland an, überwiegend für Heizung und Warmwasser. Gleichzeitig liegen im Gebäudebereich auch die höchsten wirtschaftlich erschließbaren Energieeffizienzpotenziale. Nach Plänen der Bundesregierung soll der Gebäudebestand daher bis 2050 nahezu klimaneutral sein.

Zahlreiche dena-Modellsanierungen zeigen, dass enorme Einsparungen mit marktgängigen Techniken möglich sind. Die dena hat nachgemessen, wie viel Energie mit einer Komplettsanierung gespart werden kann: Der Energieverbrauch sank um 70 Prozent und entsprach damit genau den vorher berechneten Einsparprognosen.

Zudem lassen sich energetische Sanierungen bei einem ohnehin bestehenden Sanierungsbedarf wirtschaftlich umsetzen. Das belegt die von der dena veröffentlichte Sanierungsstudie, die hocheffiziente Sanierungen von Mehrfamilienhäusern ausgewertet hat.

Eine bedeutende Maßnahme bei der energetischen Sanierung ist die Dämmung der Gebäudehülle. Denn mit einer umfassenden Dämmung und modernen Fenstern wird der Energiebedarf des Hauses minimiert, die Wärme kann im Winter nicht nach draußen entweichen. Somit wird nur noch sehr wenig Heizenergie benötigt, die über eine moderne Heizungsanlage, die möglichst auch erneuerbare Energien nutzt, bereitgestellt wird. Empfehlenswert ist zudem eine Lüftungsanlage, die automatisch für frische Luft sorgt. Es gibt viele Möglichkeiten, diese Maßnahmen zu kombinieren.

Ohne energetische Sanierungen, in deren Gesamtkonzept die Gebäudedämmung eine der tragenden Säulen ist, können die Klimaschutzziele in Deutschland nicht erreicht werden. Die Gebäudedämmung ist ein wichtiger Bestandteil, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, Heizenergie zu sparen und klimaschädliche CO2-Emissionen zu reduzieren.

Die in den Berichten zitierte co2online GmbH hat bereits eine Richtigstellung veröffentlicht, da die Ergebnisse ihrer Kosten- und Einsparanalyse falsch wiedergegeben wurden.

Wärmedämmung und Brandschutz

In Deutschland gibt es sehr hohe Sicherheitsstandards. Das gilt auch beim Brandschutz. Die fachgerechte Ausführung der Dämmmaßnahmen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Maßgebend dafür ist die Brandschutzverord-nung, die die Verwendung der Baustoffe regelt und vorschreibt, wo an der Fassade Brandsperren angebracht werden müssen. Die Brandschutzverordnung wird regelmäßig aktualisiert und auf den Stand der Technik gebracht.

Zudem unterliegen alle Baumaterialien in Deutschland einer Zulassungspflicht und werden intensiv von etablierten Instituten geprüft. So wird auch das Brandverhalten von Wärmedämmverbundsystemen in Brandversuchen im Originalmaßstab getestet, bevor sie auf den Markt kommen. In einem Artikel zu der NDR-Sendung auf Spiegel Online heißt es: „Es ist kurios, aber rechtmäßig: Die Tests werden von den Herstellern der Dämmsysteme selbst beauftragt und bezahlt.“ [BAUFÜSICK: und selber erfunden.] Dem Leser wird suggeriert, dass die Zulassungsprüfungen nicht rechtmäßig verlaufen. Der Vorwurf ist haltlos: Die Versuche werden von etablierten, unabhängigen Prüfinstituten [BAUFÜSICK: die ihren Auftraggebern objektiv und kritisch begegnen] durchgeführt und anhand von Brandversuchen im Originalmaßstab nach den Zulassungsgrundsätzen des DiBt (Deutsches Institut für Bautechnik) nachgewiesen.

Algenbildung

Die Problematik der Algenbildung an gedämmten Fassaden ist vor allem eine optische Beeinträchtigung. Sie kann entstehen, wenn der Außenputz der Fassade im Vergleich zur Luft kalt ist und sich dort Feuchtigkeit niedersetzt. In Verbindung mit anderen Bestandteilen der Atmosphäre, vor allem Licht, Feuchtigkeit, Kohlendioxid und Phosphaten, bildet sich so der Nährboden für Algen.

Eine Algenbildung muss aber nicht ausschließlich der Dämmung geschuldet sein. Es gibt auch eine Reihe von äußeren Faktoren, die diese Entwicklung begünstigen. Die Nähe der Gebäude zu feuchten Gebieten kann einen vermehrten Feuchteeintrag fördern, ebenso wie ein dichter Pflanzenbewuchs in Fassadennähe, stark verschattete Bereiche der Fassade oder eine verstärkte Schlagregenbeanspruchung, vor allem auf der Nord- und Westfassade.

Die äußeren Einflüsse können durch eine sorgfältige Planung minimiert werden. [BAUFÜSICK: z.B. durch die Vermeidung von West- und Nordfassaden.] Dabei spielen zum Beispiel ausreichende Dachüberstände eine wichtige Rolle. Zudem bietet der Zusatz von Bioziden (Algizide bzw. Fungizide) im Außenputz oder der Farbe Schutz. Auch der Einsatz mineralischer Putze ist möglich.

Schäden durch Spechtlöcher

In der Sendung wird berichtet, dass man sich mit der energetischen Sanierung das Problem von Spechtattacken einhandeln würde.

Diese Aussage kann von der dena so nicht bestätigt werden. Zwar gibt es durch Spechte verursachte Schäden an Dämmungen, jedoch kann dies nur vereinzelt beobachtet werden. Eine Umfrage der Zeitschrift „ausbau + fassade“ unter Stuckateuren bestätigt dies: Ein Großteil der befragten Stuckateure schätzt Spechtschäden an Wärmedämmverbundsystemen als Randthema ein. Selbst Unternehmer, die einen solchen Schaden schon beobachtet haben, schätzen die Thematik eher als nebensächlich ein.

Energieberatung

In den Berichten wird ferner der Eindruck vermittelt, dass Energieberater die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Sanierungsmaßnahmen manipulieren, um Folgeaufträge zum Beispiel für Dämmmaßnahmen zu erhalten. Diese pauschalisierende Aussage weist die dena zurück.

Die dena empfiehlt Hauseigentümern, vor geplanten Sanierungsmaßnahmen eine Vor-Ort-Energieberatung durch einen qualifizierten Experten durchführen zu lassen. Dabei analysiert der Energieberater das gesamte Gebäude, zeigt Schwachstellen auf und schlägt verschiedene Sanierungsvarianten vor. Diese Sanierungsempfehlungen sollten das Gebäude immer als Gesamtsystem aus Gebäudehülle und Heiztechnik betrachten und neben einer umfassenden Sanierungsvariante auch ein sinnvolles Konzept für einen schrittweisen Sanierungsfahrplan beinhalten, bei dem alle Einzelmaßnahmen aufeinander abgestimmt sind. Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit müssen die tatsächlich anfallenden Heizkosten einbezogen werden. Diese können i.d.R. der jährlichen Heizkostenabrechnung entnommen werden. Wenn Wohnräume vor der Sanierung nicht auf 19-20 Grad, sondern nur auf 15 Grad geheizt wurden, wird dies in der Berechnung der Einsparmöglichkeiten im Vorher-Nachher-Vergleich berücksichtigt. Dieser Abgleich von Bedarf und Verbrauch ist wichtig für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit. Bei den dena-Modellsanierungen entspricht die tatsächliche Verbrauchseinsparung von 70 Prozent auch der vorher berechneten Einsparprognose.

Es kann durchaus sinnvoll sein, den Energieberater der Vor-Ort-Beratung auch in den weiteren Sanierungsprozess einzubinden, da der Experte das Gebäude bereits kennt und die Daten nicht noch einmal neu aufgenommen wer-den müssen.

Wichtig ist die Qualifikation der Energieberater. Für eine umfassende Energieberatung vor Ort empfiehlt die dena Energieberater, deren Qualifikationsniveau einer Bafa-Vor-Ort-Beratung entspricht. Diese Bafa-Vor-Ort-Beratungen werden staatlich gefördert. Zudem sind hier die Energieberater verpflichtet, die Beratung unabhängig und produktneutral durchzuführen. Eine Liste qualifizierter Experten für die Bafa-Vor-Ort-Beratung bietet die dena-Internetseite: http://www.zukunft-haus.info/effizienzhaus.

Das Hintergrundpapier bezieht sich insbesondere auf die NDR-Sendung „45 Minuten – Wahnsinn Wärmedämmung“ vom 28.11.2011 sowie die ARD-Sendung „plusminus“ vom 23.11.2011.

***

So, nun ist alles wieder ins rechte Licht gerückt. Danke, dena.
Man kann die Sache aber auch etwas anders betrachten: WDVS.

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  1. Anonymous
    05.02.2012 um 20:05

    „Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion.“
    (So Norstedt u. a.: From the persian Gulf to Kosovo – War Journalism and Propaganda. In: European Journal of Communication 15 (2000), S. 383–404.)

    „Entscheidend ist dabei die geschickte Auswahl und gegebenenfalls die Manipulation der Nachricht und nicht ihr Wahrheitscharakter. Durch die Monopolisierung der Propaganda … erhielt der Terminus einen stark pejorativen Charakter. Dennoch ist die gezielt einseitige Darstellung von Informationen eine gängige Praxis, auch in Demokratien.“
    ( Dieter Nohlen (Hg.), Lexikon der Politik, Bd. 7, ISBN 3-406-36911-1, S. 524.)

    Ähnlichkeiten/Parallelen zur politischen Propaganda betreffend:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda

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  2. Erich H.
    05.02.2012 um 12:11

    Den Klimaschutz in seinem Lauf,
    halten weder Vernunft noch Geldnot auf.

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  3. Landsmann
    04.02.2012 um 18:37

    Es gab Zeiten, da errang eine deutsche Armee auf dem Rückzug nach Berlin einen Sieg nach dem anderen. Es gab Zeiten, da wurden in einer deutschen Volkswirtschaft die Pläne er- und übererfüllt. Es gibt eine Zeit, da wundersame Baustoffe im Auftrag bestimmter Industriezweige von der staatlichen Propaganda glorifiziert werden und von staatlichen Verodnungen dem tumben Volke aufgezwängt werden.

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  4. Bert Hansen
    04.02.2012 um 17:56

    Dämmung ist das Todesurteil für Fachwerkhäuser:
    Wer unter der Energiewende einzig und allein großflächige Dämm-Maßnahmen versteht, weiß nicht, was er sich oder anderen antut.
    Ein lesenswerter Artikel in

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13850905/Daemmung-ist-das-Todesurteil-fuer-Fachwerkhaeuser.html

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  11. 05.07.2012 um 08:05
  12. 04.06.2012 um 14:42
  13. 22.04.2012 um 17:41

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