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Dämmstoff-Propaganda (co): die geleierte Gebetsmühle

„co2online Klima-Barometer: Dämmung ist laut Umfrage die effektivste Sanierungsmaßnahme“ gab am 31.01.2012 die co2online gGmbH im Rahmen ihres staatlichen Propagandaauftrages zum Besten. Ein Wermutstropfen ist dennoch dabei: „Öffentliches Interesse am Klimaschutz bleibt weiter gering“

„Berlin (ots) – Die Dämmung von Dach oder Fassade gilt den Teilnehmern einer Umfrage aus dem aktuellen Klima-Barometer der gemeinnützigen co2online GmbH als effektivste Sanierungsmaßnahme. Gefragt nach ihrer Einschätzung, mit welcher Maßnahme am meisten Heizenergie im Wohngebäude eingespart werden könnte, gaben insgesamt 45 Prozent der Teilnehmer die Dämm-Maßnahmen an. Die Heizungserneuerung oder -optimierung folgt mit 19 Prozent. Verglichen mit einer Auswertung von Gebäudedaten aus der umfangreichen Datenbank von co2online zeigt sich, dass die Schätzungen der Befragten durchaus realistisch sind: Die Daten-Auswertung von 22.000 Ein- und Zweifamilienhäusern ergab, dass bei diesen Gebäuden im Durchschnitt mit einer Fassadendämmung oder Heizungserneuerung die höchsten Energieverbrauchsreduktionen erzielt werden konnten. Dass auch kleine Verhaltensänderungen zum Energiesparen beitragen können, hat die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer ebenfalls erkannt. Lediglich 17 Prozent wollten zu Beginn der Heizperiode gar nichts an ihrem Verhalten ändern. 83 Prozent planten Maßnahmen wie Stoßlüften statt Dauerlüften, programmierbare Thermostate nutzen oder Raumtemperatur absenken für die Heizperiode ein, um ihren Energieverbrauch und damit auch die Kosten zu senken.

Das Klima-Barometer wird vierteljährlich von der gemeinnützigen co2online GmbH veröffentlicht und enthält neben den monatlichen Umfragen einen Index zum öffentlichen Klimaschutz-Interesse, der quartalsweise fortgeschrieben wird. Der Index blieb im vierten Quartal 2011 erneut auf niedrigem Niveau und stieg lediglich um zwei Punkte auf 71. Ereignisse des vierten Quartals 2011 wie die Weltklimakonferenz in Durban oder die Vorstellung von Ergebnissen des Global Carbon Projects, nach denen die CO2- Emissionen in 2010 den höchsten Stand aller Zeiten erreichten, konnten offensichtlich nicht dazu beitragen, das Interesse am Klimaschutz wieder ansteigen zu lassen.“

Quelle:
Sophie Fabricius, co2online gGmbH
Berlin, 31.01.2012

***

Nun glaubt man ja zu wissen, wie das so ist mit den Umfragen. Diese hier könnte z.B. in der Dämmstoffabteilung im Baumarkt durchgeführt worden sein sowie – um die Quote zu heben – bei G+H Isover (St. Gobain), sto, DAW. D.h. das könnte so gewesen sein, man weiß es nicht genau. Egal, was man nicht so einfach unwidersprochen hinnehmen kann, ist folgende Kapriole:

„Verglichen mit einer Auswertung von Gebäudedaten aus der umfangreichen Datenbank von co2online zeigt sich, dass die Schätzungen der Befragten durchaus realistisch sind: Die Daten-Auswertung von 22.000 Ein- und Zweifamilienhäusern ergab, dass bei diesen Gebäuden im Durchschnitt mit einer Fassadendämmung oder Heizungserneuerung die höchsten Energieverbrauchsreduktionen erzielt werden konnten.“

Es ist ein wesentliches Merkmal der Propaganda, die Gebetsmühlen unaufhörlich zu leiern. Selbst unglaublichster Mumpitz wird so lange wiederholt bis 1. man selbst als Propagandist daran glaubt und 2. endlich auch genügend Deppen aus dem Empfängerkreis daran glauben. Das erste fällt nicht ganz so schwer, zumal wenn man dafür bezahlt wird. Das zweite lässt sich mittels der überzeugenden Ergebnisse „repräsentativer Umfragen“ belegen, z.B. lässt sich solch eine Umfrage in der eigenen Kantine gut durchführen und die Ergebnisse überraschen dann nicht so sehr.

Zurück zu der „Daten-Auswertung von 22.000 Ein- und Zweifamilienhäusern“. Diese Nebelkerze wird von der co2onlie gGmbH seit Monaten geworfen. BAUFÜSICK hat sich diesem traurigen Thema mit dem Blog Artikel „Energieeinsparung mittels Zahlenspielereien“ am 21.08.2011 gewidmet. Die selbst gewählte Überschrift hierzu: Wie man den Heizenergieverbrauch rechnerisch senkt. Woraus besteht der „umfangreichen Datenbestandes von co2online“?

Die Quelle des Datenbestandes ist „Energieberatung im Internet und das Erstellen von schriftlichen Heizgutachten“ (*) für einen Teilbestand (10% der beheizten Fläche in Deutschland). Na, toll. Energieberatung und Heizgutachten befassen sich mit dem Bedarf. Das hat mit dem Verbrauch nichts zu tun, entspricht aber den Vorgaben der EnEV, die den Vergleich der utopischen Schönrechnereien mit der Realität scheut wie der Teufel das Weihwasser.

„Der Energieausweis dient lediglich der Information. Die Angaben im Energieausweis beziehen sich auf das gesamte Wohngebäude oder den oben bezeichneten Gebäudeteil. Der Energieausweis ist lediglich dafür gedacht, einen überschlägigen Vergleich von Gebäuden zu ermöglichen. … Die Energieeinsparverordnung lässt für die Berechnung des Energiebedarfs zwei alternative Berechnungsverfahren zu, die im Einzelfall zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Insbesondere wegen standardisierter Randbedingungen erlauben die angegebenen Werte keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch. Die ausgewiesenen Bedarfswerte sind spezifische Werte nach der EnEV pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche (AN). … Das Verfahren zur Ermittlung von Energieverbrauchskennwerten ist durch die Energieeinsparverordnung vorgegeben.“

Diese Erläuterung zu dem ganzen Brimborium ist anchzulesen in der EnEV 2009 in Anlage 6 zu § 16 (Muster Energieausweis Wohngebäude). Und für den, der es etwas genauer wissen möchte, bitteschön ein EnEV Zitat:

㤠17

Grundsätze des Energieausweises

(1) Der Aussteller hat Energieausweise nach § 16 auf der Grundlage des berechneten Energiebedarfs oder des erfassten Energieverbrauchs nach Maßgabe der Absätze 2 bis 6 sowie der §§ 18 und 19 auszustellen. Es ist zulässig, sowohl den Energiebedarf als auch den Energieverbrauch anzugeben.

(2) Energieausweise dürfen in den Fällen des § 16 Absatz 1 nur auf der Grundlage des Energiebedarfs ausgestellt werden. In den Fällen des § 16 Absatz 2 sind ab dem 1. Oktober 2008 Energieausweise für Wohngebäude, die weniger als fünf Wohnungen haben und für die der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt worden ist, auf der Grundlage des Energiebedarfs auszustellen. Satz 2 gilt nicht, wenn das Wohngebäude

1. schon bei der Baufertigstellung das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 (BGBl. I S. 1554) eingehalten hat oder

2. durch spätere Änderungen mindestens auf das in Nummer 1 bezeichnete Anforderungsniveau gebracht worden ist.

Bei der Ermittlung der energetischen Eigenschaften des Wohngebäudes nach Satz 3 können die Bestimmungen über die vereinfachte Datenerhebung nach § 9 Absatz 2 Satz 2 und die Datenbereitstellung durch den Eigentümer nach Absatz 5 angewendet werden.“

Alles klar?

***

(*) schriftliches Heizgutachten

Was ist das?
Zitat: „Ein schriftliches Heizgutachten, dass co2online jetzt für kurze Zeit kostenlos anbietet, zeigt das individuelle Einsparpotenzial bei den Heizkosten. Das Heizgutachten untersucht den energetischen Zustand der Wohnräume und legt die Ursachen für einen eventuell zu hohen Energieverbrauch offen. Die Experten von co2online prüfen dazu die Verbrauchsdaten der Energie- und Heizkostenabrechnungen und bewerten Verbrauch, Heizkosten sowie Heiznebenkosten.“

Wie sieht die Datenerhebung aus? PDF

Wie ist der Aussagegehalt?
Das dürfen Sie selbst einschätzen.

Kleine Hilfestellung: nur der Vorher-Nachher-Vergleich der Verbrauchswerte kann eine Beurteilungsgrundlage für Verbrauchsentwicklungen darstellen. Alles andere ist Zahlenspielerei – oder eben Propaganda mit getürkten Zahlen.

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