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Energieeffizienz: wie die Haushalte abgezockt werden

So werden die Haushalte über den Tisch gezogen

Sie kennen das Energieverbrauch-der-Haushalte-Schuld-Kult-Erwachsenen-Märchen mit den sündhaften 30%? Die politisch-industrielle Propaganda haut dem deutschen Michel ständig sein schlechtes Gewissen um die Ohren: die bösen Haushalte verbrauchen 30% der Energie, nur damit sich die Leute ihr erbärmliches Leben mit Heizung, Licht u.a. Firlefanz anmaßend und in ungebremster Völlerei aufwerten – derweilen geht elendiglich unser schöner blauer Planet vor die Hunde. Usw. usf.

Dabei ist alles nur getrickst und erlogen. Schauen wir auf die aktuellen Zahlen, die in Form des Energieflussbildes der AG Energiebilanzen für 2010 vorliegen. Nach wie vor sind es nur 28,5% vom Endenergieverbrauch, seit Jahren stabil. Man mag sich um 1,5%-Punkte streiten, man kann auch großzügig darüber hinwegsehen. Nicht entschuldigen kann man die Zahlenspielerei und das dreiste Interpretieren. Selbst Verbraucherzentralen sind sich nicht zu blöd, den Unfug nachzukauen.

Warum aber wird der Anteil auf den Endenergieverbrauch bezogen? Jedes schöngerechnete KfW Effizienzhaus hat den Primärenergiebedarf als relevante Bezugsgröße (neben der U-Wert-lastigen Hüllflächenbeurteilung). Jeder Energieausweis zeigt den Primärenergiebedarf. Jeder EnEV-Nachweis wird mit dem Primärenergiebedarf geführt. Warum also? Weil sich so dem dummen Michel eine größere Schuld einreden lässt. Bezieht man den Endenergiebedarf der Haushalte auf den Primärenergiebedarf, sind es nur noch 18,4% und es offenbart sich die ganze Verlogenheit.

Die Haushalte können doch nur das verbrauchen, was ihnen von der Industrie angedreht wird. Und das sieht alles andere als energieeffizient aus. Setzt man nämlich den Endenergieverbrauch (64,5%) zum Primärenergieverbrauch (100%) in Relation, zeigt sich, dass unsere ach so energieeffizienten Versorgerkonzerne 35,5% der Primärenergie in die Luft schießen (in 2010 ist es mit 4.984 PJ so viel, wie die Haushalte nimmer verbrauchen). Da können sich die Haushalte zu Tode sparen, das können die nimmer kompensieren. Und noch eine Zahl sollte uns zu denken geben: fast 3/4 der Energie wird von diversen Nachbarn eingekauft, genau 73,4% werden importiert (Strom, Erdöl, Erdgas …).

Energieflussbild (kurz) 2010
Der Anteil der erneuerbaren Energieträger am Primärenergieverbrauch liegt bei 9,4 %.
Alle Zahlen vorläufig/geschätzt. 29,308 Petajoule (PJ) ^= 1 Mio. t SKE.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen 07/2011
Die Seite mit der PDF

Schauen wir zurück in die Vergangenheit, um uns an den Erfolgen jahrelangen und Millarden teuren Sanierens und Energieeinsparens zu berauschen. Auf der Seite „Bilanzen 1990 bis 2009“ können Sie sich die Excel-Tabellen herunterladen. Es genügt, die wichtigsten Globaldaten zusammenzufassen.

Quelle: AG Energiebilanzen,
Zahlen: PJ (Petajoule)
1990 2009
Gewinnung im Inland 6.223.585 38,4% 3.954.836 25,9%
Einfuhr 9.708.349 59,9% 11.309.792 73,9%
Bestandsentnahmen 285.461 1,8% 29.736 0,2%
Energieaufkommen im Inland 16.217.395 100,0% 15.294.364 100,0%
Ausfuhr -1.135.224 -1.658.161
Hochseebunkerungen -105.357 -114.059
Bestandsaufstockungen -71.580 -93.939
Primärenergieverbrauch im Inland 14.905.237 91,9% 13.428.205 87,8%
100,0% 90,1%
-9,9% in 20 Jahren
-0,5% p.a.
Primärenergieverbrauch im Inland 14.905.237 13.428.205
Umwandlungseinsatz insgesamt 12.893.386 11.219.482
Umwandlungsausstoß insgesamt 9.320.048 8.097.699
E.-Verbrauch im Umwandl.-Bereich insgesamt 638.239 524.108
Fackel- u. Leitungsverluste, Bewertungsdiff. 179.940 182.679
Energieangebot im Inland n.Umwandlungsbilanz 10.513.720 9.599.635
Nichtenergetischer Verbrauch 957.848 937.217
Statistische Differenzen -83.609 29.315
Endenergieverbrauch 9.472.262 90,1% 8.691.733 90,5%
100,0% 91,8%
-8,2% in 20 Jahren
-0,4% p.a.
Übriger Bergbau u. Verarbeit. Gewerbe insg. 2.976.991 31,4% 2.305.716 26,5%
Verkehr insgesamt 2.378.814 25,1% 2.537.871 29,2%
Haushalte und Kleinverbraucher insgesamt 3.977.452 42,0% 2.475.646 28,5%
Militärische Dienststellen 139.002 1,5%
Gewerbe, Handel, Dienstleistungenu.übrige Verbraucher 1.372.501 15,8%
9.472.259 100,0% 8.691.733 100,0%
Haushalte 3.977.452 42,0% 2.475.646 28,5%
Verkehr 2.378.814 25,1% 2.537.871 29,2%
Gewerbe, Industrie 3.115.993 32,9% 3.678.216 42,3%
9.472.259 100,0% 8.691.733 100,0%
Haushalte 100,0%  -37,8% 62,2%
Gewerbe, Industrie, Verkehr 100,0% +13,1% 113,1%

Was lesen wir hier heraus? Das Ergebnis von 20 Jahren Dämmen-dämmen-dämmen, Heizkessel- und Fenstertausch für etliche Milliarden besteht in rd. 10% verringertem Energieverbrauch. Man kann zugute halten, dass dem ein Wachstum in Industrie und bei den Haushalten gegenüber steht. Aber wie sich die Relationen verschoben haben, das schlägt dem Fass den Boden aus.

Quod licet jovi, non licet bovi.

Während der Endenergieverbrauch (und damit natürlich auch der – eher willkürlich hingerechnete bzw. zurecht geschätzte – Primärenergieverbrauch) der Haushalte drastisch zurückgegangen ist, hat er bei Verkehr und bei Gewerbe und Industrie zugenommen. Das haben die Daumenschrauben Wärmeschutzverordnungen und Energieeinsparverordnungen bei gleichzeitigen Milliarden schweren Geschenken an die Industrie bewirkt.

Fazit und Botschaft an die Politikerkaste: es reicht! Lasst die Bürger in Ruhe mit überzogenen Vorgaben und Eurer Drangsaliererei und hört auf, ständig die kleinen Leute auszunehmen, um dann das Geld an die Konzerne zu verschenken.

 :: Energieverbrauch und Energieeinsparung – eine Frage der Darstellung (06.2008)
 :: Energieeinsparung im Wohnungsbestand (09.2008)
 :: EnEV: Investitionen ohne Refinanzierung (11.2008)
 :: Die Unschuld der Haushalte (30% Energieverbrauch) (12.2009)

und noch viel mehr im Download bei dimagb.de

  1. 15.12.2011 um 20:14

    188 | 201114.12.11
    Keine Einigung zu CCS, Gebäudesanierung, Abfall- und Telekommunikationsrecht

    Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hat auch heute keinen Kompromiss zur Einführung der CCS-Technologie und zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung erzielen können. Er hat daher beide Gesetze vertagt.

    Liken

  1. 11.04.2016 um 06:02
  2. 20.07.2014 um 18:16
  3. 11.08.2013 um 16:38
  4. 27.02.2013 um 20:14
  5. 20.05.2012 um 10:11
  6. 04.02.2012 um 18:58
  7. 26.01.2012 um 08:57
  8. 19.12.2011 um 19:13

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