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Berliner Architekt entlarvt EnEV Falschrechnerei

Teure Kaspereien

Sie erfahren hier anhand eines leicht nachvollziehbaren Beispiels aus einem Vollzitat, wie Sie mithilfe der falschen Berechnungsverfahren zum Wärmeschutz, die der EnEV zugrunde gelegt wurden, über den Tisch gezogen werden. Viele kennen es vielleicht schon, zumindest aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis: der dressierte Energieberater rechnet gigantische Einsparungen vor, nachdem er 30 cm Styropordämmung empfohlen hat. Bei solchen Luftnummern ist es bereits zur Genüge vorgekommen, dass der erstaunte Hausbesitzer feststellte: aber so viel verbrauche ich ja nicht einmal, wie ich hier einsparen soll. Bestehende Gebäude werden schlecht gerechnet, gedämmte Häuser werden schamlos schöngerechnet. Dazu das Gefasel von Umweltschutz, CO2, Klima – man kennt ja das ökofaschistische Gedankengut, das uns tagtäglich um die Ohren gehauen wird, bar jeder Vernunft, fern der Naturgesetze. Unter Hitler und Honecker waren es andere Themen, die Hysterie, Demagogie und Irrationalität ist uns in Deutschland erhalten geblieben. Berechnungsverfahren, die man nach genauer Betrachtung eher als infantile Lachnummern abtun möchte, werden vom Gesetzgeber brav zum Heiligtum erhoben und verordnet. Dabei handelt es sich bei DIN Normen um das Ergebnis privatwirtschaftlicher Tätigkeit mit dem Ziel der Einflussnahme auf das Marktgeschehen. Insofern haben Sie Recht, wenn Sie vermuten dass es nur um Ihr Geld geht. Was haben Millionen m2 Sondermüll an Fassaden mit Umweltschutz zu tun? Wo bleibt der gesunde Menschenverstand, wenn Fachverbände von Sachverständigen fordern, verbrauchsorientierte Energieausweise zu verbieten? Wenn „Experten“ hartnäckig daherbeten, der vergleich von Verbrauch und Bedarf sei unzulässig? Leben wir denn nur alle in einem riesigen Irrenhaus? Ich glaube: zum großen Teile, ja.

Beginn Zitat:

wie bereits … angekündigt, erhaltet Ihr hiermit einen kleinen Erfahrungsbericht zur Anwendung des Energieausweises gem. den §§ 16 ff Energieeinsparungsverordnung (EnEV):

Anfang 2011 erhielt ich den Auftrag zur Modernisierung eines freistehenden Einfamilienhauses. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen 1-geschossigen massiven Ziegelbau (25 cm) aus dem Jahr 1938 mit ausgebautem Dach und ungedämmten Spitzboden. Die oberste Geschossdecke war ebenfalls nicht gedämmt und verband das ausgebaute Dachgeschoss durch eine zugige Luke mit dem Spitzboden. Im Dachgeschoss war bei den Dachschrägen und Abseiten teilweise eine Styropordämmung von 6 cm erkennbar. Eine kleine anlehnende Öffnung zur ungedämmten Abseite der Dachschräge nach Westen sorgte für eine hervorragende Entlüftung des Dachgeschosses.

Ein (Bedarfs)-Energieausweis lag bereits vor und wies einen Endenergiebedarf von 287,2 kWh(m²a) aus. Ein kurzer Abgleich mit den Rechnungen des Heizöllieferanten zeigte eine enorme Diskrepanz zum tatsächlichen Verbrauch. Dieser lag in den letzten vier Jahren bei durchschnittlich 105 kWh(m²a) ohne Witterungsbereinigung. Das Haus wurde von einem älteren Ehepaar bewohnt, das es nach eigener Aussage „immer gerne schön warm“ hat, so dass von einer höheren Innentemperatur als 19° auszugehen ist. Es ist anzunehmen, dass bei einer Verminderung der Wohnraumtemperatur von derzeit ca. 21° auf 19° sowie nach Beseitigung der erhöhten Lüftungswärmeverluste, Dämmung der obersten Geschossdecke und Optimierung des Heizkessels nach Sanierung, mit einer effektiven Reduzierung des Heizwärmeverbrauchs um mindestens 20% zu rechnen ist, was die Anforderungen für Neubauten übertrifft. Der einzige Unterschied zum Neubau wäre dann, dass der verhergesagte Heizwärmeverbrauch hier auch tatsächlich eintritt.

Die Überprüfung des vorliegenden Energieausweises mit BKI-ENERGIEplaner bestätigte den ermittelten Energiebedarf des vorliegenden Energieausweises. Der Versuch durch die vorhandenen Stellschrauben des Programms auf den tatsächlichen Energieverbrauch runterzurechnen erwies sich als zwecklos. Auch die Unterstellung einer falschen Bewertung des U-Wertes der Außenwand durch den Voraufsteller und „Verbesserung“ des U-Wertes von 1,414 W/m²K auf 1,0 W/m²K, was vermutlich einer Verminderung der Rohdichte des Ziegels auf eine statisch nicht mehr zulässige Festigkeit entspricht, brachte nur eine geringfügige Verringerung des Berechungsergebnisses von 10%, also weitab vom tatsächlichen Verbrauch.

Eher spaßeshalber kam ich dann auf die Idee, für alle Bauteile den U-Wert gemäß EnEV 2009 für Neubauten anzusetzen und war nicht wenig überrascht, als sich mit diesen Werten immer noch nicht der tatsächliche Verbrauch simulieren ließ. Trotz einer fiktiven Wärmedämmung von 14cm für die Außenwand und 16 cm für Dach und Kellerdecke sowie neuer Fenster mit dem sagenhaften U-Wert von 0,9 lag das Ergebnis immer noch über dem durchschnittlich gemessenen Verbrauch der letzten vier Jahre.

Dass die Ergebnisse der Energieausweise je nach Aufsteller und Programm sehr stark voneinander abweichen ist ja bekannt. Ebenfalls ist bekannt, dass die Annahmen der Programmentwickler zu den Transmissionswärmeverlusten und deren Umsetzung in den Berechnungsprogrammen zu falschen Bedarfsberechnungen bei Altbauten führen und diese schlechter ausweisen als sie tatsächlich sind. Dass das Programm aber eine derartige Abweichung vom tatsächlichen Verbrauch errechnet, ist nicht hinzunehmen. Hierdurch werden die Häuser nicht nur schlecht gerechnet, sondern es erfolgt eine „systemische“ Irreführung des Verbrauchers, dem ja die Erstellung eines Energieausweises als Grundlage seiner Sanierungsmaßnahmen von allen Seiten empfohlen wird. Eine Einschätzung des Modernisierungsbedarfs ist mit den Ergebnissen des Berechnungsprogramms absolut unmöglich.

Die Aussage, dass der Energieausweis keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch zulässt ist Teil dieser Irreführung, da ja gleichzeitig im Energieausweis eine Bewertung des ermittelten Energiebedarfs vorgenommen und eine Beurteilung der energetischen Qualität eines Gebäudes graphisch dargestellt und somit eine Übereinstimmung von Berechnung und Verbrauch suggeriert wird. Hausbesitzer oder Makler haben kaum eine Chance, einem Käufer die Problematik zu erklären, da hierzu fundiertes und zudem „systemkritisches“ Fachwissen erforderlich ist. Die bauphysikalischen Zusammenhänge erläutern zu wollen, ist auch für den Fachmann mühselig und stößt normalerweise auf Unverständnis.

Bringt der Käufer „seinen“ Architekten mit, hat der entweder keine Ahnung oder profiliert sich mit Zitaten aus Vorschriften und Normen. Selbst der Abgleich mit den objektiven Verbrauchswerten irritiert dann eher, denn diese werden entweder in Zweifel gezogen oder nicht in den richtigen bauphysikalischen Zusammenhang gebracht. Die wärmetechnischen Qualitäten des Ziegels zu erläutern wird offensichtlich von Leuten, die es in unserer Gesellschaft zu etwas gebracht haben und sich ein Haus leisten können und womöglich auch noch wissen was ein U-Wert ist, als Esoterik abgetan (ausgenommen die Leute, die dann auf Lehm- oder Strohballenhäuser zu sprechen kommen oder einen Feng Shui Berater dabei haben). Vielleicht sollte man einen Ziegelwand – Energizer entwickeln, mit dem man die Wände einfach positiv aufbereiten kann und so die Qualitäten des Ziegels plausibel machen: Verbrauch vorher 287,2 kWh(m²a), Verbrauch nachher 80,3 kWh(m²a) – alles vom Ingenieur genau berechnet und bestätigt. Dazu werden noch die kosmischen Kräfte aktiviert, Kranke genesen, Kinder können sich wieder konzentrieren und Mama nimmt nebenbei 10 Kilo ab.

Der Aufwand für die o. a. einfachen Spar-Maßnahmen (Einstellung Heizung, Abdichtung der Dachöffnungen, Dämmung oberste Geschossdecke betragen weniger als 1.000 Euro. Eine Umsetzung der EnEV kommt locker auf 100.000 Euro. Hausbesitzer müssten doch gegen eine solche energetische Falschbewertung ihrer Gebäude und dem damit verbundenen Modernisierungszwang bzw. der dadurch entstehenden Wertminderung schon einmal geklagt haben. Hat jemand hierzu Informationen?

Ende Zitat.

  1. Anonymous
    28.07.2011 um 13:59

    Juli 2011

    Berliner Bauherrenberater entlarvt EnEV Falschrechnerei

    https://baufuesick.wordpress.com/2011/07/27/berliner-bauherrenberater-entlarvt-enev-falschrechnerei/

    Objektbeispiel mit Fotos, Berechnungen, Auswertung

    Gefällt mir

  2. 08.06.2011 um 19:54

    WDVS: Entsorgung, Nachhaltigkeit, Sondermüll
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/04/17/wdvs-entsorgung-nachhaltigkeit-sondermull/

    Verdämmt und zugeklebt
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/04/15/verdammt-und-zugeklebt/

    Endlich! Das mit Strom beheizte WDVS
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/04/11/endlich-das-mit-strom-beheizte-wdvs/

    Abzocke mit Wärmedämmung
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/03/12/abzocke-mit-warmedammung/

    Schäden an Wärmedämmverbundsystemen
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/03/08/schaden-an-warmedammverbundsystemen/

    Guter Rat: Klotz am Haus – WDVS
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/02/25/guter-rat-klotz-am-haus-wdvs/

    WDVS: kein Recycling – kein Öko
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/02/20/wdvs-kein-recycling-kein-oko/

    Modernisierung spart ein Drittel der Energiekosten
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/02/10/modernisierung-spart-ein-drittel-der-energiekosten/

    WDVS und Architektur
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/02/09/wdvs-und-architektur/

    WDVS: Die Burka fürs Haus
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/01/06/wdvs-die-burka-furs-haus/

    Erfahrungen der Ritter Hausverwaltung, Neumarkt
    https://baufuesick.wordpress.com/2010/10/27/erfahrungen-der-ritter-hausverwaltung-neumarkt/

    Styropor Fassade: Strafanzeige gem. §319 StGB
    https://baufuesick.wordpress.com/2009/10/26/styropor-fassade-strafanzeige-gem-%c2%a7319-stgb/

    Die Dämmolympiade geht weiter
    https://baufuesick.wordpress.com/2009/10/20/die-dammolympiade-geht-weiter/

    Polystyrol-Platten brennen in 20 Sekunden lichterloh
    https://baufuesick.wordpress.com/2008/09/01/polystyrol-platten-brennen-in-20-sekunden-lichterloh/

    Gefällt mir

  3. 03.06.2011 um 07:38

    Auch dieses Zitat des ersten Kommentars weist auf wichtige Aspekte hin:

    Gern beteilige ich mich auch am Vorantreiben und öffentlich machen, des Ergebnisses dieses und natürlch auch anderer Erfahrungen. Als ich mich vor einigen Jahren dafür entschied, mich zum EB ausbilden zu lassen, hatte ich zwei Gründe, nein eigentlich waren es DREI.
    Erstens wollte ich mir einen Überblick über die mir bis dahin fremden „Geheimnisse“ der Anlagentechnik verschaffen
    Zweitens war für mich von großem Interesse, was dem Volk so alles vorgerechnet werden soll und wird, um eben auch mal Abrater statt Berater zu sein und …
    Drittens war es die erhoffte Möglichkeit, über eine weitere Einnahmequelle zu verfügen, denn die sogenannte staatlich verordnete Energieeinsparung schien mir schon damal ein gutes Potential dafür zu haben.

    Kurz um, ich habe alle drei Ziele erreicht, allerding ganz anders, als ich dachte.
    Noch vor Ende der damaligen halbjährigen Ausbildung war klar, dass nichts klar war.
    Die Vorgaben der EnEV waren unrealistisch
    Die zur Verfügung stehende Software (ich habe damals 4 verschiedene verglichen) untauglich
    Die Ergebnisse für den Bauherrn oder Auftraggeber nicht nachvollziehbar

    Nun zu Deiner Erfahrung. Das der tatsächliche Verbrauch mit dem „ermittelten“ Bedarf nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, war schon damals klar. Die Versuche, diese Diskrepanz zu erklären decken sich mit Deinen Angaben weiter unten. So hat zum Beispiel die Berechnung für einen Bedarfsausweis mit dem BKI-ENERGIEplaner und dem Programm von Hottgenroth bei gleicher Eingabe der Gebäudedaten zu einer Differenz von 13% beim Primärenergieverbrauch geführt. Allerdings kann man heute bei Hottgenroth das Nutzerverhalten über Schieberegler ganz erheblich beeinflussen, bekommt dann aber die Meldung vom Programm, dass die Eingaben von den vorgegebenen Randbedingungen der EnEV abweichen.
    Es war ganz deutlich, dass die Ausbildenden auf einen bestimmten Softwareanbieter hinarbeiteten. Das wird bei den Ausbildungen heute immer noch so sein, So dass neben der Verschleierung der tatsächlichen Gründe für die Entstehung dieses Zweiges der „Gebäudebetrachtung“ auch immer die Softwareverkäufer mit profitieren.

    Ich bekomme heute noch fast wöchentlich Offerten von div. Softwareherstellern mit Wartungsverträgen, Upgrads, Neuversionen u.s.w. Es hat eben System.

    Also kurz zusammen gefasst, die Problematik ist bekannt und sollte vom Verein aufgegriffen werden. Gern stehe ich zur Zusammenarbeit zur Verfügung.

    Übrigens sind die CO2-Emissionen in 2010 auf Rekordwert gestiegen, und dies trotz aller „Anstrengungen“
    siehe hier: http://www.stromtarife.de/archiv/11/05/3005.html
    oder hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,765602,00.html

    Viele Grüße
    C.G.

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