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Vornormen zur Geldbeschaffung

Seid ihr denn auch alle da? Dann mal los mit dem Schbass.

Ein wunderschönes Beispiel stabsmäßig organisierter Massenverdummung stellt das Kasperletheater um die DIN V 18599 dar. V steht für Vornorm und das bedeutet, dass das Machwerk trotz jahrelangem Herumfuhrwerkens nicht zur Norm taugt, weil Vorbehalte dagegen bestehen. Das hat unsere tapferen Normen-Jongleure vom DIN und die ebenso eifrig wie eilfertig zur Seite stehenden Softwarewunderfabrikanten nicht davon abgehalten, die Fachwelt millionenschwer abzuzocken. Damit es genug kostet, ist es wieder eine ganze Normenreihe und die Preise für Software sind hierzulande als unbescheiden bekannt. Dazu kamen die vielen Seminare zu diesem Stümperei-Sammelsurium.

Im Dezember hatte dann ausgerechnet die KfW genug von der Falschrechnerei und stoppte die Förderung von nach dieser Murks-Vornorm gerechneten Projekten (Wohngebäude in den Programmen 151 und 153). Die KfW begründete die Maßnahme damit, dass ungewöhnlich hohe Abweichungen bei den Berechnungsergebnissen festgestellt wurden. Am 05.11.2010 gab die 18599 Gütegemeinschaft e.V. zum Besten: „Die 18599 Gütegemeinschaft spricht sich eindeutig für die DIN V 18599 aus. Sie ist und bleibt die beste Norm * seit es Energieberatungen gibt.“. Die 18599 Gütegemeinschaft e.V. konnte damals allerdings nur Abweichungen in der Größenordnung von 1% feststellen. So so. Man schob das Dilemma auf „die hohen Freiheitsgrade“, die Interpretationen zuließen.

Also, unterm Strich bestand kein Korrekturbedarf und es ging lediglich darum, in einer „konstruktiven Atmosphäre … die Randbedingungen gemeinsam zu definieren und für die KfW-Förderung verbindlich vorzugeben“. Aha. Inzwischen wurde weiterhin an der Vornorm herumgedoktert und mit Erstaunen durfte die Fachwelt, die angeblich die Veröffentlichung mit Spannung erwartet hat, darüber staunen, dass sie es nun mit einer „komplett neuen“ und „vollständig überarbeiteten“ Vornorm zu tun haben wird. Hierzu einige literarischen Kostbarkeiten aus der Fachpresse.

„Komplett neue DIN V 18599 kommt im Herbst 2011

Wie der Normenausschuss Bauwesen (NABau) im DIN berichtet, kommt im Herbst eine komplette Neufassung der DIN V 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden“. Die zehn Teile der DIN V 18599 wurden im Februar 2007 veröffentlicht und sind zwischenzeitlich durch einen Teil 100, der im Oktober 2009 erschien, korrigiert und erweitert worden.“

CCI, 03.05.2011

„Für die EnEV 2012 wurden die Rechenregeln der DIN V 18599 vollständig überarbeitet. Die Neuausgabe der Vornorm soll im Herbst 2011 erscheinen. Das Rechenverfahren soll dadurch transparenter werden und Einsteigern den Umgang mit der Vornorm erleichtern.“

GEB, 17.02.2011

„Die Veröffentlichung der mit Spannung erwarteten und in den Fachmedien bereits intensiv diskutierten überarbeiteten Vornormenreihe DIN V 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden“ wird für den Herbst 2011 erwartet. „Es besteht bereits reges Interesse an den Dokumenten,“ so Leticia de Anda González, Projektmanagerin im DIN“

DIN

* Kommentar BAUFÜSICK:

Das ist unwahr, es handelt sich um eine Vornorm. Zudem sollte es uns traurig stimmen, wenn dieses Pamphlet das Beste sein soll, seit es Energieberatung gibt. Das Problem besteht darin, dass grundlegend falsch gerechnet wird und jede Menge schmückendes Beiwerk dies vertuschen soll. Der unisono totgeschwiegene Forschungsbericht von Hauser aus Januar 2003 sagt es ganz klar, so dass es auch jeder „Energieberater“ verstehen dürfte: Die Berechnungsverfahren der Normen erlauben keine realistische Einschätzung der Feuchte- und Wärmebilanz von Bauteilen. Da hilft auch nicht viel bedrucktes Papier, um von diesem riesigen Betrug abzulenken. Am Ende bleibt die Frage: cui bono?

Kategorien:Abzocke, DIN, Normen Schlagwörter: ,
  1. 20.10.2016 um 07:35

    Normen und die Regeln der Technik

    Der BGH hat entschieden, dass Normen die Vermutung beinhalten, dass sie die Mindestanforderungen an die Regeln der Technik beinhalten.

    Ist das noch so oder geben Normen mittlerweile nur die wirtschaftlichen Interessen von Branchen wieder?

    Wir beabsichtigen, dieses Thema aufzugreifen und zur Diskussion zu stellen. Aus diesem Grunde rufen wir alle Leser auf, uns ihre Erfahrungen über die Arbeit in Normenausschüssen und anderen Gremien mitzuteilen und ihre Eindrücke zu schildern.

    Wir wollen das Material aufbereiten und zum Gegenstand von zwei oder drei Aufsätzen machen, um eine breite Diskussion in Technik und Juristerei anzustoßen.

    Wir hoffen auf Ihre Unterstützung.

    Dipl.-Ing. Horst Fabisch
    Rechtsanwalt
    http://www.blog-baurecht.de/

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  2. 09.05.2011 um 19:22

    DIN-Normen sind nicht immer automatisch auch „Stand der Technik“. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht) im Deutschen Anwaltverein (DAV) hin.

    DIN-Normen sind keine rechtsverbindlichen Vorschriften, sondern technische Regeln mit Empfehlungscharakter. Eine DIN-Norm wird erst dann als „Stand der Technik“ bewertet, wenn sie sich als theoretisch und technisch richtig erwiesen sowie durch ständige Anwendung praktisch bewährt hat und von einer Mehrzahl von Fachleuten allgemein anerkannt wurde.

    ARGE Baurecht: DIN-Normen nicht automatisch Stand der Technik
    Quelle: ARGE Baurecht; 07.04.2011

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  3. 09.05.2011 um 18:41

    Na ja, das kann man so sehen, muss man aber nicht. Warum soll das Beste gut genug sein, damit es nicht noch besser gemacht wird?

    Man muss nur ganz fest daran glauben, dass mit der Normenfummelei rein hehre Ziele verfolgt werden. Wie z.B. hier:
    https://baufuesick.wordpress.com/2011/02/26/neues-aus-der-normenkuche/
    Gelingt einem das nicht (das fest daran glauben), dann hat man es halt schwerer.

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  4. Anonymous
    09.05.2011 um 15:09

    Also noch mal für mich zum Kapieren: die beste (Vor-) Norm, die es gibt (seit es Energieberatung gibt), ist so gut, dass sie als vollständig überarbeitete komplette Neufassung für Herbst avisiert wird.

    Dann muss ja die vollständig überarbeitete komplette neue Vornorm so gut sein, dass es nicht mehr zum Aushalten sein wird. Die Vornorm überholt sich sozusagen selbst von rechts.

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  1. 26.01.2017 um 06:01
  2. 16.05.2012 um 16:54
  3. 03.02.2012 um 17:07
  4. 15.08.2011 um 19:28
  5. 17.07.2011 um 19:05

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