Pfusch am Bau

Geiz ist geil & Hauptsache billisch, denn billisch willisch.

PFUSCH AM BAU. „WER BILLIG PLANT BAUT TEUER“ !

Die Gebäudeeinstürze: Eissporthalle Bad Reichenhall, Mehrfamilienwohnhaus in Lüttich und Stadtarchiv Köln sind die leider sehr tragischen Spitzen vom Pfusch am Bau.

Hunderte Neubau-Bauherren und Sanierer von Altbauten sind tagtäglich von Murks betroffen , natürlich nicht in der Tragweite wie oben geschildert aber immerhin , ob Eigenheim oder Gewerbeimmobilie , Baumängel und Bauschäden sind auf unseren Baustellen stark zunehmend an der Tagesordnung.

DEKRA SCHADENBERICHT.

Das bestätigt auch der zweite DEKRA- Bericht zu Baumängeln an Wohngebäuden. Erstellt von DEKRA- Real Estate , Expertise GmbH.

Gegenüber dem ersten Bericht aus 2007 erhöhte sich die Anzahl der festgestellten Mängel von 21 auf 32 pro Haus, also eine Zunahme von ca.34%.

Die durchschnittliche Schadenhöhe je Gebäude lag bei fast 11000,- Euro.

Es gab aber auch Objekte (Neubau ) mit Mängeln und Mängelfolgekosten bis zu 31000,-Euro . Am häufigsten betroffen waren lt. Bericht:

Der Rohbau mit 31,5%, techn. Ausbau 18,95%, bautechnischer Ausbau 36,74%. (Ausbau gesamt : 55,69%.)Außenanlagen 10,80% und Sonstige mit 2,01%. DEKRA empfiehlt Bauherren auf eine sehr präzise Planung zu achten und eine eigene professionelle Bauüberwachung einzurichten.

UMFRAGE UNTER BAUSACHVERSTÄNDIGEN.

Genauere Ergebnisse liefert eine Umfrage unter Bausachverständigen zu Mängeln an einzelnen Bauteilgruppen wie in der Grafik dargestellt.

Mängel und Schäden an Bauteilen im Erdreich (Keller ) liegen bei den Mängelbeseitigungskosten weit an der Spitze besonders wenn zum Beispiel im Zuge der Sanierung ganze Keller aufgegraben und freigelegt werden müssen.

Danach rangieren Flachdächer , bei denen der Dämm- und Dichtungsaufbau meistens komplett erneuert werden muß. Außenwände liegen bei den Sanierungskosten dicht gefolgt an dritter Stelle, zum Beispiel bei aufsteigender Feuchte , Putz- und Mauerwerksschäden.

Prozentualer Anteil der Bauteilgruppen an der Gesamtheit aller Schäden, bei Arbeiten im Bestand und bei Neubauarbeiten. Umfrage unter Bau-Sachverständigen 2009 (AIBau).

Außenwände
Außen 60%
Hauptsächlich Mauerwerks-Risse und Putzschäden
Bedenklicher Schichtaufbau
Bauphysikalische Fehler
Öffnungsanschlüsse
Innen 40%
Hauptsächlich Schimmel
Bauphysikalische Fehler

Dächer + Balkone
Geneigte Dächer 20%
Flachdächer 40%
Hauptsächlich Feuchte- und Frostschäden
Balkone: 40%
Frostschäden

Decken tragend
Wärmebrücken 60% ,
Hohe Durchbiegung 8%
Statisch schiebend 2%
Mangelnder Schallschutz 30%

Fußböden
Estrichschäden 80%
Fliesen und Natursteinbeläge 20%

Bauteile im Erdreich
Feuchteschäden 65%
Grundwasser- und sonstige Wasserschäden 35%

Fenster + Türen
Anschlüsse an  Bauteilöffnungen 75%
Undichte Fenster 15%
Verrottung 10%

ACHTUNDFÜNFZIG BAUMÄNGEL AN EINEM WOHNHAUS!

An einem 3- Famlienhaus aus dem Jahr 2001 hat der Verfasser dieses Berichtes in seinem Sachverständigengutachten aus 2006 , 58 (achtundfünfzig !) Baumängel mit einer Gesamtschadensumme in Höhe von 107180,-DM festgestellt. Leider blieb der Bauherr in diesem Fall wegen Insolvenz des Bauträgers und am Bau beteiligter Handwerksfirmen fast vollständig auf diesen Kosten sitzen. Eine kompetente Beratung vor Vertragsunterzeichnung und die Aushändigung einer Gewährleistungsbürgschaft vom Bauträger hätte jedoch diesen Bauherrn mit Sicherheit vor dem finanziellen Ruin gerettet.

BAUPFUSCH OFT SELBST VORPROGRAMMIERT.

Der Weg zum Eigenheim – oder eine große Sanierung im Althausbestand- ist für den Laien oft eine unkalkulierbare und Nerven aufreibende Sache.

Hier sind die Grundlagen für Baupfusch zumeist vorprogrammiert wenn der Bauherr sich bei der Wahl der Anbieter keine Zeit nimmt und vor allem, Bauverträge schneller wie den Vertrag für einen Gebrauchtwagen unterzeichnet.

Vollends ausgeliefert ist der Bauherr wenn dabei Planung, Ausführung und die wichtige Bauüberwachung voll in der Hand des Hauslieferanten oder der Ausführenden am Bau liegen.

Im Althaus -Sanierungsbereich sind in der Vergangenheit zig Milionen DM/Euro von naiven und gutgläubigen Bauherren für völlig unsinnige und

• nicht funktionierende Entfeuchtungssysteme,

• überteuerte und unnütze Schimmelbeseitigungsmaßnahmen,

• und bauphysikalisch fehlerhafte Wärmeschutzmaßnahmen

–quasi zum Fenster rausgeworfen worden.

Immer sind die hier Auftraggeber auf tolle Werbeversprechungen und gute Geschäftemacher die vom Bauen jedenfalls keine Ahnung hatten , reingefallen.

An dieser Stelle muss auch unbedingt vor immer noch aktiven sog. Dach und Fassadenhaien gewarnt werden. Diese Klientel arbeitet mit Tricks , falschen Versprechungen und immer in betrügerischer Absicht!

HUNDERTPROZENTIGE SICHERHEIT AM BAU GIBT ES NICHT.

Wer ein Haus baut oder ein Althaus saniert, erwartet in jedem Fall eine termingerechte und tadellose Ausführung.

Wie können sich also Neubau-Bauherren und Althaus-Sanierer vor Pfusch am Bau schützen , die Risiken mindern, oder gar ausschließen? 100% Sicherheit gibt es sicher nicht. Gute Handwerker zu finden wird immer schwieriger und dann noch die Guten von den Schlechten zu unterscheiden ist auch nicht einfach. Zusätzlich haben wir es auch zunehmend mit Baugewerken zu tun , bei denen zur berechtigten Ausübung eine qualifizierte Meisterprüfung nicht mehr erforderlich ist. Beispielsweise ist seit Wegfall der Meisterprüfung im Fliesenlegerhandwerk die Zahl der Betriebe um über 100% gestiegen .

Hier überwiegend Einmannbetriebe ,manchmal sogar ohne Gesellenbrief.

FALLSTRICKE BEIM BAUEN IM KENTNISSGABEVERFAHREN.

Doch selbst bei den besten Referenzen ist der Bauherr ohne unabhängige fachliche Unterstützung nicht vor Pfusch geschützt. Nicht wenig Mängel und Schäden sind leider zunehmend auf schlampige und unvollständige Planung zurückzuführen besonders wenn im sog. „Kenntnisgabeverfahren „

mit Bauträgern und Schlüsselfertighausanbietern gebaut werden soll. Hoher Preisdruck auf dem Sektor führt häufig dazu, dass dann Planungsleistungen und bautechnische Berechnungen mit entsprechenden Ergebnissen, quasi zum Schnäppchenpreis eingekauft werden müssen und viele machen leider mit.

KEIN BAUVORHABEN OHNE KOMPETENTE NEUTRALE VORPRÜFUNG.

Beim “ Kenntnisgabeverfahren „ wird vereinfacht ausgedrückt bautechnisch amtlich nicht mehr alles geprüft. Der Baubehörde wird nur noch mitgeteilt wann und wo gebaut wird. Mögliche bautechnische Planungsfehler können bei diesem Verfahren leider nicht aufgedeckt werden . Bei Neubauten empfiehlt sich deshalb zur Sicherheit der nicht baufachkundigen Bauherren, keine Bauvorhaben ohne kompetente Prüfung aller Planunterlagen durch sachkundige Dritte zu beginnen.

Wer im normalen Bauantragsverfahren mit amtlicher Prüfung baut , liegt zumindest auf der sicheren Seite. Mindestens sollten jedoch folgende Prüfungen veranlasst werden:

• Eine Bau- Statik ohne Prüfvermerk durch einen zugelassenen Prüfingenieur ist stets abzulehnen.

• Für die hydrogeologischen Verhältnisse im Baugrund sollte ein Baugrundgutachten vorliegen.

• Schall- und Wärmeschutznachweise des Anbieters sollten Sie anfordern und neutral prüfen lassen.

An einem normalen Eigenheimbau sind neben der Planung über 16 Gewerke beteiligt. Die Schwachstellen zwischen den Gewerken und Folgegewerken

(z.B Wärmedämmsystem auf ungeeignetem Untergrund ) sind ausnahmslos potenzielle Fehlerquellen. An vielen Baustellen arbeiten heute vermehrt Arbeitskräfte die noch nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sind. Sie sind häufig unmotiviert und ohne die nötige Ausbildung nicht in der Lage fachlich gute Arbeit zu liefern. Schwachstellen und Problembereiche zu erkennen ist für diese Leute schon gar nicht möglich.

MÄNGELEINBEHALT NUTZEN:

Eine durchgehende unabhängige Kontrolle und Qualitätssicherung in allen Phasen des Bauens ist deshalb mehr den je zwingend erforderlich.

Wer auf Nummer Sicher gehen will sollte deshalb von Anfang an neutralen Sachverstand einbeziehen und bei Verdacht auf erkannte Mängel den bis

zum 2-fachen Satz (das Doppelte ) der voraussichtlichen Mängelbeseitigungskosten einbehalten. Die Berechtigung ergibt sich aus dem Forderungssicherungsgesetz. Danach kann der Erwerber einen Mangeleinbehalt nach §641 Abs. 3 BGB mit sog. Druckzuschlag geltend machen.

BAUENDABNAHME NIE OHNE EIGENE FACHLICHE UNTERSTÜTZUNG.

Gewarnt werden muss auch auf den Verzicht der Bauendabnahme!

Einige Hausanbieter verwenden in ihren Formularverträgen die Klausel,

dass mit dem Einzug des Hauserwerbers das Bauobjekt abgenommen sei.

Diese Klausel verstößt eindeutig gegen das Gesetz. Hauskäufer sind gut

beraten wenn sie in jedem Fall auf eine Schlussabnahme bestehen .

Vorsicht ist immer geboten wenn der Unternehmer einen eigenen Sachverständigen ins Spiel bringt. Sorgen Sie deshalb selbst immer für ihre eigene professionelle Unterstützung bei der Bauabnahme.

PROFESSIONELLE EIGENE BAUHERRENBERATUNG NUTZEN.

Die Zeiten als man noch vertrauen konnte und mit „seinem Architekten“ das

Häusle baute sind längst vorbei.

Obwohl der Pfusch nicht selten fünfstellige Beträge oder mehr kostet, sparen die meisten Bauherren und vor allem Althaussanierer an einer kompetenten neutralen Beratung, noch vor Unterzeichnung eines Bau- oder Werkvertrages.

Man vertraut blauäugig – und die sachverständige Aufsicht über die Baumaßnahme überlässt man getrost Anderen, oder sie findet gar nicht statt.

Motto: „Ich muss doch sparen“. Gespart wird immer, aber leider immer an der falschen Stelle.

Kaum einer ist bereit bei einer Bausumme von sagen wir mal 300tsd Euro 2000 bis 3000,- Euro ( also rund 1% der Bausumme) für Sicherheit zu bezahlen.

Eigene Bauexperten werden meistens erst eingesetzt wenn’s brenzlig wird, dann aber leider oft zu spät. Die hohe Zahl der anhängigen Bauschadenprozesse sprechen eine sehr deutliche Sprache.

Verbraucherschutz und Beratung für Bauherren erfordert Erfahrung, nachgewiesene Kompetenz, Unabhängigkeit und ständige Präsenz in allen Bauphasen.

Minimieren Sie die Risiken, bevor die Risiken Ihre Finanzen minimieren!

Wolfgang van Dorsten, Bauphysiker.
Sachverständiger für Mängel und Schäden
an Gebäuden u. Gebäudeinstandsetzung.
Mediator im Bauweswen und Mediator im Handwerk

71131 Jettingen, Lettenstraße 13
Tel. 07452 7081
E-Mail: http://www.wolfgang.van@t-online.de
Internet: http://www.wvd-bauberatung.de

  1. Baupfuschopfer
    14.09.2012 um 22:51

    Wir haben nicht billig geplant, aber uns auf den Bautraeger verlassen. S**** aus L*****/Hessen. Ergebnis: defekte Heizung, Abwasser kann nicht richtig abfliesen, Regenrohre defekt, permanent Kurzschluss, Elektroplanung mangelhaft,…und, und, und..
    Handwerker kommen nicht, da Bautraeger Rechnungen nicht bezahlt hat. Kann vor diesem Unternehmen nur warnen.

    Liken

    • 15.09.2012 um 08:57

      Bedenken Sie: der größte Pfuscher, und wenn er Ihnen einen noch so großen Schaden zugefügt hat, kann Sie juristisch belangen – selbst wenn Sie nur wahre Tatsachenbehauptungen aufstellen. Täterschutz gehört fest zu unserem Rechtssystem.

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  2. Anonymous
    23.04.2011 um 17:12

    Leider stimmt der Umkehrschluss „Wer teuer plant, baut billig“ auch nicht immer, wie das abschreckende Beispiel zeigt:

    https://baufuesick.wordpress.com/2011/04/23/ein-osterei-vom-bauministerium/

    Über 8.000 €/m² – und nichts als Schrott. Teurer kann fast nicht bauen. Oder?

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