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GdW und BSI gegen Sanierungs-Abzocke

Zauberhafte Einsparungen, Wärmedämmung als perpetuum mobile

Wege aus dem Vermieter-Mieter-Dilemma – GdW präsentiert Studie zur energetischen Sanierung

[Download-Links am Ende des Artikels!]

Berlin – Ist das Vermieter-Mieter-Dilemma lösbar und könnte so die Wirtschaftlichkeit energetischen Modernisierungen erhöht werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Konzeptstudie „Wege aus dem Vermieter-Mieter-Dilemma“, die die InWIS Forschung&Beratung GmbH im Auftrag des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen erstellt hat.

Die Verbesserung der Energieeffizienz gehört für die Wohnungswirtschaft bereits seit Jahrzehnten untrennbar zur Bewirtschaftung ihrer Bestände. Seit 1990 wurden bei den GdW-Unternehmen mehr als 60 Prozent der Wohnungen energetisch modernisiert. Gleichzeitig besteht weiter erheblicher Handlungsbedarf, und zwar zunehmend in Beständen, die wesentlich schwieriger zu sanieren sind. Die InWIS-Studie prüft, ob durch eine Lösung der „Vermieter-Mieter-Dilemmas“ Vermietern verstärkt Anreize gesetzt werden können, in größerem Umfang als bisher in die energetische Gebäudesanierung zu investieren, um die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen.

Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass eine umfassende Modernisierung der Wohnungsbestände auf einen hohen Effizienzstandard angesichts der Risiken vieler Märkte kaum umsetzbar ist, weil sowohl für den Vermieter als auch für den Mieter Mehrbelastungen nicht durch höhere Mieten bzw. eingesparte Energiekosten refinanziert werden können„, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des GdW, zu der Studie. Mieterhaushalte, die über ein Einkommen im untersten Einkommensbereich verfügen, seien zudem weder in der Lage, die Energiepreissteigerungen zu tragen, noch können sie die modernisierungsbedingt höhere Miete finanzieren.

„Es ist zwingend notwendig, Strategien zum Erreichen der hohen klimapolitischen Zielsetzungen in Zukunft lösungsoffen zu diskutieren. Eine weitere einseitige Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) bei gleichzeitigem Abbau der Fördermittel erhöht dabei die Hemmnisse und gleicht dem untauglichen Versuch, ein Perpetuum mobile zu konstruieren„, erklärte Axel Gedaschko anlässlich der Veröffentlichung des Gutachtens.

Die Spirale ständig steigender Mindestanforderungen an Modernisierung nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) führe dazu, dass die verfügbaren Investitionsmittel auf immer weniger Gebäude konzentriert werden müssen, um die immer höheren Standards zu erreichen. Das verteuere das Wohnen in diesen Gebäuden in sozial nicht verantwortbarer Weise. Gleichzeitig sei dies auch klimaschutzpolitisch kontraproduktiv, weil die verfügbaren Investitionsmittel auf wenige „Leuchttürme“ konzentriert würden, statt durch eine große Zahl weniger kostenträchtige energetische Modernisierungen eine große Breitenwirkung erzielen zu können. Dadurch sei die erreichte CO2-Reduktion viel geringer als es bei gleichem Mitteleinsatz und weniger ehrgeizigen Standards eigentlich möglich wäre.

Durch interessengeleitete Studien – wie z. B. der aktuellen dena-Sanierungsstudie, die eine warmmietenneutrale energetische Sanierung im Effizienzhaus 70 bescheinigt – wird nur Misstrauen und Verunsicherung in der Branche erzeugt. Das Gutachten „Wege aus dem Vermieter-Mieter-Dilemma“ weist Lösungsmöglichkeiten zum Abbau der Hemmnisse energetischer Sanierung auf, zeigt aber auch gleichzeitig die z. T. eingeschränkten Möglichkeiten der Umsetzbarkeit. Um die Ziele des Energiekonzeptes der Bundesregierung zu erreichen, brauchen wir ein ganzheitliches Handeln und Denken, bei dem alle Ausprägungen der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Dazu zählen neben der ökologischen, auch die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit.“

Als ebenfalls von immenser Bedeutung bezeichnet der GdW-Präsident eine Fortsetzung und dann Verstetigung der KfW-Programme zur CO2-Gebäudesanierung. Bundesweit und für alle Bestände gesehen dürfte aufgrund des mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 gestiegenen Anforderungsniveaus und der im Energiekonzept angestrebten Sanierungsquote von zwei Prozent ein Förderungsvolumen von mindestens 5 Mrd. Euro jährlich notwendig sein, um den politischen Energieeffizienz- und Klimaschutz-Zielen näher zu kommen, so der GdW-Präsident. Er verwies dabei auf das gestern veröffentlichte Positionspapier der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI).

Die Pressemitteilung zum Download finden Sie hier.

Die InWIS-Studie zum Download steht Ihnen hier zur Verfügung:
PDF.

Das Positionspapier der BSI finden Sie hier:
PDF.

Hintergrund: Was ist das „Vermieter-Mieter-Dilemma“?

Das Vermieter-Dilemma hat mehrere Dimensionen:

Im engeren Sinne geht es um die Zurechnung von Kosten und Nutzen von energetischen Modernisierungen, sprich wie die Energiekosteneinsparung und die Kosten für die Durchführung der Modernisierung über die Nutzungsdauer zwischen den Beteiligten angemessen verteilt werden können.

Im weiteren Sinne beschreibt das Vermieter-Mieter-Dilemma die grundsätzliche Frage, wie Leistungspflichten innerhalb eines Mietverhältnisses geregelt sind und wer Vorteile aus energetischen Modernisierungen für sich beanspruchen kann bzw. wer Kosten zu tragen hat. Diese Frage schließt ein, welche Maßnahmenbestandteile als Modernisierungsmaßnahme in Abgrenzung von Instandhaltung zu klassifizieren sind, wie Drittmittel (z.B. verlorene Zuschüsse) zu verrechnen sind und wem die Zinsverbilligung von Darlehen der öffentlichen Hand einschl. der Förderbanken des Bundes und der Länder zu Gute kommen soll.

GdW Medien-Information
Nr. 11/11 vom 15.03.2011

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