Startseite > Abzocke, Energiepreise > Abzocke beim Strom

Abzocke beim Strom

BDEW-Musterhaushalt für Strom 2011:
46 Prozent des Strompreises sind Steuern und Abgaben

Musterhaushalt mit drei Personen zahlt 72,77 Euro im Monat für Strom

Berlin, 11. März 2011 – Staatliche Steuern und Abgaben sind auf ein neues Rekordhoch geklettert und haben inzwischen einen Anteil von rund 46 Prozent am Strompreis eines durchschnittlichen Haushaltes erreicht. Im vergangenen Jahr betrug dieser Anteil noch 41 Prozent. Ein Musterhaushalt mit drei Personen und einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlt für seine Stromrechnung inzwischen 72,77 Euro im Monat. Der Anteil der Strombeschaffung und des Vertriebs liegt aktuell bei etwa 34 Prozent; der Anteil der Netzentgelte beträgt im Durchschnitt rund 20 Prozent. Das hat eine erste Untersuchung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ergeben, bei der die Veränderungen aller Stromprodukte inklusive Sondertarife betrachtet wurden.

Die Strompreise für Haushaltskunden sind nach BDEW-Angaben zum Jahresanfang 2011 durchschnittlich um 5,3 Prozent gestiegen, obwohl die EEG-Umlage den Strompreis um rund sieben Prozent ansteigen ließ. „Während der Kostenblock der staatlichen Steuern und Abgaben wieder zugelegt hat, ist der Strompreisanteil, der durch die Erzeugung, den Transport und Vertrieb bedingt ist, erneut durchschnittlich gesunken. Insbesondere die gesetzlich garantierte Förderung der Erneuerbaren Energien hat den Strompreisen zum Jahresanfang zugesetzt“, erläuterte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Allein die Belastungen aus der EEG-Umlage werden laut BDEW für die Kunden von 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf voraussichtlich 13,5 Milliarden Euro in diesem Jahr steigen. „Zusätzlich sind in einigen Regionen die Kosten gestiegen, die durch den Ausbau der Stromnetze bedingt sind und durch die Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt werden. Diese Kosten entstehen vor allem durch den von allen gewollten Ausbau der Erneuerbaren Energien“, so Hildegard Müller.

Zur aktuellen Diskussion um die angeblich zu hohe EEG-Umlage 2011 erklärte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Wer behauptet, die EEG-Umlage 2011 sei zu hoch, muss über seherische Fähigkeiten zu den künftigen Wetterbedingungen, zum Investitions- und Verbraucherverhalten sowie zu den Börsenpreisen am Spotmarkt bis zum Jahresende 2011 verfügen. Eine exakte Beurteilung der Höhe der EEG-Umlage 2011 ist zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht möglich. Fakt ist, dass für die Stromkunden in Deutschland kein Nachteil entstanden ist oder entsteht.“ Ermittelt wird die EEG-Umlage nach Vorgaben des Gesetzgebers von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern. Als zuständige Behörde überwacht die Bundesnetzagentur die Ermittlung, Festlegung und Veröffentlichung der EEG-Umlage. Die Versorgungsunternehmen profitieren von dieser Umlage nicht, sondern reichen diese an die Kunden weiter. Die Verbraucher bezahlen bundesweit einheitlich über einen Ausgleich immer nur für die tatsächlich erfolgte Erzeugung aus Erneuerbaren Energien. Dies wird, egal ob die EEG-Umlage möglicherweise zu hoch oder wie im Jahr 2010 zu niedrig geschätzt worden ist, nachträglich inklusive möglicher Zinsen für die Kunden in Form der sogenannten Nachholung entweder positiv oder negativ verrechnet und fließt in die EEG-Umlage des jeweiligen Folgejahres ein.

Richtig ist nach BDEW-Angaben, dass mit der EEG-Mittelfristprognose der Übertragungsnetzbetreiber für das Jahr 2011 eine EEG-Umlage in Höhe von 3,53 Cent pro Kilowattstunde vorhergesagt wurde. „Diese Prognose wurde in Zusammenarbeit mit externen Gutachtern erstellt. In die Erarbeitung der Datengrundlagen und Prognosen zur Berechnung der EEG-Umlage sind die Bundesnetzagentur und das Bundesministerium für Umwelt eingebunden“, betonte Hildegard Müller. Bei der Prognose wurde im Herbst ein Zubau von Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 9.500 MW für das Jahr 2010 geschätzt; nach bisher vorliegenden Zahlen betrug der Zubau rund 7.000 MW. „Für die Abrechnung ist am Ende jedoch entscheidend, wie viel Strom diese Anlagen tatsächlich erzeugt haben. Erst dann wird sich zeigen, ob die EEG-Umlage 2011 zu hoch geschätzt worden ist oder nicht. Im Übrigen ist die EEG-Umlage 2010 aufgrund der im Jahr 2009 nicht vorhersehbaren Zubauzahlen der Photovoltaikanlagen zu niedrig geschätzt worden. Es entstand eine Differenz von rund 1,1 Milliarden Euro zu Lasten der Energieversorger, die mit Hilfe der sogenannten Nachholung mit der folgenden EEG-Umlage verrechnet wurde“, erläuterte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

„Der Kunde hat grundsätzlich immer die Möglichkeit, seine Stromrechnung zu beeinflussen. Er hat die Wahl zwischen zahlreichen Produkten und rund 1.100 Anbietern im deutschen Strommarkt. Deshalb empfehle ich den Verbrauchern, sich zu informieren, sich beraten zu lassen und den für sie günstigsten Tarif zu wählen“, erklärte Hildegard Müller.

Stromrechnung für Haushalte: Rund 46 Prozent Staatsanteil

Durchschnittliche Stromrechnung eines Drei-Personen-Musterhaushalts im Monat
in Euro (Schätzung: Stand März 2011)

1998 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Strom-
rechnung
49,95 40,66 41,76 46,99 50,14 52,38 54,43 56,76 60,20
davon:
Mehrwertsteuer 6,90 5,60 5,75 6,48 6,92 7,23 7,51 7,83 9,61
Konzessions-abgabe** 5,22 5,22 5,22 5,22 5,22 5,22 5,22 5,22 5,22
Kraft-Wärme-Kopplungs-gesetz*** 0 0,38 0,58 0,73 0,96 0,91 0,99 0,90 0,85
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)**** 0,23 0,58 0,67 1,02 1,23 1,49 2,01 2,57 3,00
Stromsteuer
(Ökosteuer)
0 3,73 4,46 5,22 5,97 5,97 5,97 5,97 5,97
Stromerzeugung, transport und -vertrieb 37,60 25,15 25,08 28,32 29,84 31,56 32,73 34,27 35,55

Hier die weggequetschten Zahlen für 2007:
2007
60,20
9,61
5,22
0,85
3,00
5,97
35,55

2008 2009 2010 2011
Strom-
rechnung
63,15 67,70 69,10 72,77
davon:
Mehrwertsteuer 10,08 10,81 11,03 11,61
Konzessions-abgabe** 5,22 5,22 5,22 5,22
Kraft-Wärme-Kopplungs-gesetz*** 0,55 0,70 0,38 0,09
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)**** 3,38 3,83 5,97 10,30
Stromsteuer
(Ökosteuer)
5,97 5,97 5,97 5,97
Stromerzeugung, transport und -vertrieb 37,95 41,17 40,53 39,58

Basis: Mittlerer Stromverbrauch von 3 500 Kilowattstunden im Jahr (ohne Nachttarif-Anteil); Jahresmittelwerte

* bis 31.12.2006: 16 Prozent, ab 1.1.2007: 19 Prozent
** regional sehr unterschiedlich: ab 2002 je nach Gemeindegröße 1,32 bis 2,39 Cent je Kilowattstunde; einige Gemeinden verzichten auf diese Einnahme
*** ab 2009 nach dem KWK-Gesetz 2009
**** löste im April 2000 das Stromeinspeisungsgesetz ab

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin

Durchschnittliche Zusammensetzung des Haushaltsstrompreises (Schätzung: Stand März 2011)

Quelle:
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin

Presseinformation
BDEW, 11.03.2011

Advertisements
  1. 17.12.2011 um 16:54

    Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes
    Nr. 463 vom 13. Dezember 2011

    Durchschnittserlös für Strom 2010: + 1,1% gegenüber 2009

    WIESBADEN – Der vorläufige Durchschnittserlös (Grenzpreis) für Stromlieferungen an Sondervertragskunden lag im Jahr 2010 bei 10,66 Cent je Kilowattstunde. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist der Grenzpreis damit um 1,1 % gegenüber 2009 gestiegen – damals betrug er 10,54 Cent je Kilowattstunde.

    Der Grenzpreis ist gesetzlich definiert als Durchschnittserlös der Versorgungsunternehmen je Kilowattstunde Strom, berechnet aus Stromlieferungen an Sondervertragskunden. Gemäß der Konzessionsabgabenverordnung dient der Grenzpreis den Energieversorgungsunternehmen als Grundlage zur Berechnung der Konzessionsabgaben. Das sind Entgelte, die die Energieversorger den Gemeinden für das Recht zahlen müssen, die Letztverbraucher mit Strom zu versorgen und öffentliche Verkehrswege für die Verlegung und den Betrieb von Leitungen zu nutzen.

    Der Durchschnittserlös an alle Letztverbraucher belief sich im Jahr 2010 auf 13,18 Cent je Kilowattstunde, das war ebenfalls ein Plus von 1,1 % gegenüber 2009. Bei der Abgabe an Tarifkunden (Haushalte und Kleinstverbraucher) erlösten die Versorgungsunternehmen 2010 im Durchschnitt 18,46 Cent je Kilowattstunde, das waren 3,9 % mehr als 2009.

    Detaillierte Informationen, aktuelle Ergebnisse und lange Zeitreihen zur Erhebung über Stromabsatz und Erlöse können kostenfrei in der Datenbank GENESIS-Online über die Tabelle Stromabsatz und Erlöse (43331-0001) abgerufen werden. Die endgültigen Ergebnisse für das laufende Berichtsjahr stehen dort spätestens am 31. Januar 2012 zum Download zur Verfügung.

    Gefällt mir

  2. Markus
    19.05.2011 um 14:52

    Es hat schon was für sich, dass die Politiker immer schön die Unternehmer als die dummen hinstellen, die den armen Kunden ja das ganze Geld aus der Tasche ziehen. Nicht das ich ein Freund der „Stromanbieter“ bin, aber wenn man das hier liest und sieht wo das eigene Geld wirklich hingeht, während die selben Leute vor der Kamera ein ganz anderes Spiel spielen, dann könnte man manchmal schon kotzen. Schade, dass so was nciht in den Medien viel deutlicher gezeigt wird.

    Gefällt mir

  3. Anonymous
    28.03.2011 um 11:31

    Wie entwickelt sich der Strompreis im Jahr 2011?
    Verivox | 21.01.2011

    Heidelberg – Das Jahr 2011 hat für die meisten Verbraucher mit einer Strompreiserhöhung begonnen. Zum Jahreswechsel haben 609 Stromanbieter die Preise um durchschnittlich 7 Prozent angehoben.

    Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. Zum Februar und März erhöhen weitere 78 Anbieter die Preise um durchschnittlich 6 Prozent. Für Mai haben zwei Töchter des E.ON-Konzerns abermals Preiserhöhungen angekündigt.

    „Derzeit deuten alle Anzeichen auf weitere Strompreissteigerungen im Laufe des Jahres hin“, so Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. „Das würde bedeuten, dass die durchschnittlichen Strompreise für Privatkunden in Deutschland im elften Jahr in Folge ansteigen. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Preis pro Kilowattstunde um über 70 Prozent erhöht“.

    Strompreise steigen vor allem für Privatkunden

    Diese gleichförmige Entwicklung gilt ausschließlich für Privatkunden. Industriekunden und die Stromanbieter selbst konnten seit der Wirtschaftskrise 2008 deutlich günstigere Einkaufskosten verbuchen. Der Erzeugerpreisindex Strom des Statistischen Bundesamtes ist zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 um 20 Prozent gefallen. Bisher gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass diese Kostensenkungen auch den privaten Verbrauchern zugute kommen werden.

    Die Stromversorger rechtfertigen die ungebrochene Preisspirale mit langfristigen Beschaffungsstrategien und den gestiegenen Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Viele Versorger hätten sich zu Zeiten hoher Großhandelspreise eingedeckt und könnten daher die Preise nicht senken. Dieses Argument verliert im Lauf der Zeit allerdings an Stichhaltigkeit, denn die wenigsten Anbieter decken sich für mehr als zwei Jahre im Voraus mit Strom ein.

    Im Oktober 2011 werden die Übertragungsnetzbetreiber die Höhe der EEG-Umlage für das Jahr 2012 verkünden. Ob diese Abgabe steigen oder sinken wird, hängt von den politischen Rahmenbedingungen, den Energiebörsenpreisen und dem Zubau regenerativer Energieerzeugung in diesem Jahr ab. Sollte die Abgabe auch nur geringfügig steigen, dürfte das Jahr 2011 so enden, wie es angefangen hat – mit Strompreiserhöhungen.

    Verbraucher können sich wehren

    Die stetigen Strompreissteigerungen müssen von den Verbrauchern nicht klaglos hingenommen werden. Preiserhöhungen sollten mit dem Wechsel zu einem günstigeren Anbieter beantwortet werden.

    Wer sich noch nie um einen preiswerteren Stromtarif gekümmert hat, kann durch den Wechsel zum günstigsten verfügbaren Angebot mit vergleichbaren Konditionen im Durchschnitt 229 Euro sparen. Verbraucher, die sich bereits für den billigsten Tarif des örtlichen Grundversorgers entschieden haben, können durch den Wechsel immer noch durchschnittlich 148 Euro einsparen.

    Gefällt mir

  1. 23.11.2012 um 16:38
  2. 17.10.2012 um 18:10

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: