Startseite > Bauphysik, Energieeinsparung, Praxis, Wirtschaftlichkeit > Sanierungspotenziale im Altbau werden überschätzt

Sanierungspotenziale im Altbau werden überschätzt

Anstelle von umfangreichen Sanierungen ist ein intelligentes Energiedatenmanagement die deutlich kostengünstigere Alternative zur nachhaltigen Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden.

Essen, 21. September 2010. Ein zentrales Element der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) und des neuen Energiekonzeptes der Bundesregierung ist die deutliche Reduktion des Energiebedarfs von Wohnimmobilien. Eine Sanierung ist dazu nicht immer die sinnvollste Lösung, zumal dabei die Einsparpotenziale erheblich überschätzt werden. [Kommentar: Und warum hat der BGH in 2002 die Vorschrift gekippt, dass eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zugrunde liegen muss?] Zu diesen Ergebnissen kommt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mit Hilfe der Energiedaten von ista, dem weltweit führenden Unternehmen für die verbrauchsgerechte Erfassung und Abrechnung von Energie, Wasser und Hausnebenkosten. Neben anderen Maßnahmen liegt auch im individuellen Verhalten der Verbraucher ein Einsparpotential, sofern hinreichende Transparenz über die jeweiligen Energiekosten besteht.

Die Ergebnisse der Studie basieren auf einem umfangreichen Datensatz aus der Energieausweisdatenbank der ista Deutschland GmbH. Als Grundlage dienten circa 200.000 Gebäude in Deutschland, einschließlich der Informationen über den Stand der Sanierung der jeweiligen Gebäude. Die Auswertung der Daten zeigt, dass Wohngebäude mittlerer Größe, die um die Jahrhundertwende erbaut wurden (1900-1918), aus energetischer Sicht vergleichsweise gute Bestandseigenschaften aufweisen. Das liegt unter anderem an den starken Außenwänden aus Vollziegel, die im Vergleich mit anderen Gebäudetypen weniger Wärme entweichen lassen. [Kommentar: Hierzu gibt es auch ältere Quellen, wie z.B. die Energieverbrauchsanalysen von Paul Bossert. Dass das Speichervermögen eine wichtige Rolle spielt, ist in Fachkreisen bekannt. Immerhin handelt es sich um ein Naturgesetz, welches Herr Fourier in seiner Wärmetransportgleichung formuliert hat. Dass die U-Wert-Theorie für die Praxis untauglich ist (Hauser 01.2003) hält die Dämmstoffindustriebeauftragten in der Bundesregierung dennoch nicht davon ab, den Unfug EnEV gerade zu rücken.] Eine Sanierung würde hier eine Senkung des Heizenergiebedarfs von durchschnittlich zuvor rund 141 auf 126 Kilowattstunden bewirken. Der Energiekennwert verändert sich dabei lediglich um 10 Prozent. Die Kosten der Sanierung sind hier vergleichsweise hoch, da beispielsweise die Außenfassaden häufig mit wertvollen Ornamenten gestaltet sind. Im Gegensatz dazu werden durch die Sanierung von Bauten der späten 1950er und 1960er Jahre wesentlich größere Energieeinsparungen erreicht: Die Sanierungsmaßnahmen sind sehr viel günstiger und der Energiekennwert sinkt um durchschnittlich 27 Prozent, wie die Daten belegen. Das Baujahr und die Gebäudesubstanz spielen somit eine wichtige Rolle bei der Frage, ob eine Sanierung sinnvoll ist. Diese Punkte werden bei der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) allerdings nicht ausreichend berücksichtigt. [Diese Punkte werden in der 2009er EnEV gar nicht berücksichtigt. Hier wird stur die idiotische U-Wert-Theorie durchgepaukt – koste es, was es wolle. Das ist volkswirtschaftlicher Unfug im Auftrag der Industrie. Herhalten muss wie immer der deutsche Michel.] „Die spezifischen Eigenschaften der Immobilien sollten sich auch in den Vorgaben und der Förderpolitik niederschlagen. Nur so lassen sich Investitionsanreize für die Immobilieneigentümer setzen“, so Professor Martin T.W. Rosenfeld, Leiter der Abteilung Stadtökonomik am IWH. Anstelle von kostenaufwendigen Sanierungen sind somit alternative Lösungen im Hinblick auf die ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung vonnöten. Die Akteure in Politik, Wissenschaft und Immobilienwirtschaft sind sich zunehmend einig, dass unter Kosten-Nutzen-Aspekten im individuellen Verbrauchsverhalten das größte Potenzial für Einsparungen liegt. Dabei ist der Einsatz moderner Mess- und Erfassungstechnik zur energieartenübergreifenden (d.h. Wärme, Wasser und Strom) Auslesung und Visualisierung von Verbrauchsdaten Voraussetzung.

Quelle: ista Pressemitteilung vom 21.09.2010

Zum vollständigen Artikel mit Grafik.

  1. 14.11.2011 um 13:45
  2. 14.11.2011 um 13:40

    Energieeffizienz im Altbau: Werden die Sanierungspotenziale überschätzt?
    Ergebnisse auf Grundlage des ista-IWH-Energieeffizienzindex

    Die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) und das neue Energiekonzept der Bundesregierung fordern eine deutliche Reduktion des Energiebedarfs bei Sanierungen bzw. beim Neubau von Wohnimmobilien. Allerdings unterscheiden diese Vorgaben nicht nach Alter und Art einer Immobilie und berücksichtigen auch nicht die Marktbedingungen, unter denen gebaut oder saniert wird. Eine neue Studie des IWH und der ista Deutschland GmbH zeigt auf Grundlage eines umfangreichen Datensatzes von rund 200 000 Gebäuden, dass diese Vorgaben der Situation nur bedingt gerecht werden:

    Erstens ist der Energieverbrauch unsanierter Gebäude weniger hoch als angenommen. Zweitens ist das technisch machbare Sanierungsniveau nicht das ökonomisch sinnvolle. Und drittens ist der Sanierungsaufwand abhängig davon, welches Alter und welchen Baustil ein Gebäude hat.

    Die Daten zeigen, dass die Energiekennwerte von Mehrfamilienhäusern abhängig vom Jahr ihrer Errichtung sowohl im sanierten als auch im unsanierten Zustand deutlich variieren. Eine bautechnische und architektonische Betrachtung legt die Vermutung nahe, dass unterschiedliche Sanierungskostenverläufe und die Bestandseigenschaften des Altbaus zu den beobachteten Differenzen beitragen. So wurde beispielsweise berechnet, dass 1900 bis 1918 errichtete Gründerzeitbauten mittlerer Größe (7-12 Wohneinheiten) im unsanierten Zustand einen Heizenergiebedarf von rund 141 Kilowattstunden je Quadratmeter pro Jahr aufweisen. Nach einer Sanierung liegt der mittlere Energiekennwert bei rund 126 Kilowattstunden und damit lediglich rund 10% niedriger. Weitaus größere Einsparungen werden hingegen in Bauten der späten 1950er und 1960er Jahre realisiert. Hier beträgt die Differenz rund 27% bei Gebäuden mittlerer Größe.

    Im Ergebnis sprechen die hier präsentierten Zahlen für eine differenziertere Strategie, die sowohl die Belange der Wirtschaftlichkeit von Sanierungen als auch die Belange des Klimaschutzes und Städtebaus berücksichtigt. Konkret bedeutet dies: Die rechtlichen Vorgaben und die Förderpolitik sollten die spezifischen Eigenschaften von Immobilien berücksichtigen, um Investitionsanreize auch tatsächlich zu setzen. Eine pauschale Sanierungspflicht, wie sie im Energiekonzept der Bundesregierung vorgeschlagen ist, wird diesen Kriterien nicht gerecht.

    Die Ergebnisse wurden auf Grundlage der Energieausweis-Datenbank des Energiedienstleisters ista Deutschland GmbH berechnet. Der Datensatz umfasst verbrauchsbasierte Energieausweise von circa 200 000 Gebäuden in Deutschland. Zudem enthält er Informationen über den Stand der Sanierung der jeweiligen Gebäude. Die in der Studie berechneten Zahlen beziehen sich auf den Mehrfamilienhausbestand (mehr als 2 Wohnungen).

    Veröffentlichung: MICHELSEN, CLAUS; MÜLLER-MICHELSEN, SILKE: Energieeffizienz im Altbau: Werden die Sanierungspotenziale überschätzt? Ergebnisse auf Grundlage des ista-IWH-Energieeffizienzindex, in: IWH, Wirtschaft im Wandel 9/2010, S. 447-455.

    Grafik: IWH, Quelle: Darstellung des IWH auf Grundlage der ista-Energieausweis-Datenbank.
    IWH-Pressemitteilung 52/2010
    Halle (Saale), den 21. September 2010

    Liken

  1. 07.04.2015 um 06:01
  2. 31.08.2014 um 19:11
  3. 04.06.2012 um 14:42
  4. 31.05.2012 um 07:50

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: