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Wärmepumpen: was man wissen sollte

„Eine mit den Slogans „kostenlose Wärme aus der Umwelt“, „flexibel einsetzbar“ oder „saubere Energie ohne Abgase“ beworbene Wärmepumpe scheint vielen Verbrauchern diese Unabhängigkeit und gleichzeitig geringe Heizkosten zu
versprechen. So werden verstärkt Wärmepumpen in der Energieberatung nachgefragt, berichten die Energieberater der Verbraucherzentrale.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale muss der undifferenzierte Einsatz elektrischer Wärmepumpen dringend hinterfragt werden. Sie können wahre Stromfresser sein und sind nur in ganz eng begrenzten Fällen sinnvoll einsetzbar.

Gegenwärtig machen Wärmepumpen nur Sinn in einem optimal gedämmten Neubau, bei dem mit niedrigen Vorlauftemperaturen ein geringer Wärmebedarf abgedeckt werden soll. Im Altbau ist allgemein die energetische Sanierung die sinnvollere Maßnahme. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind systembedingt schlechter als Erdwärmepumpen und wegen ihres hohen Stromverbrauchs und ihrer schlechten Ökobilanz deshalb generell nicht zu empfehlen. Selbst bei Erdwärmepumpen mit guten Rahmenbedingungen sind gute Jahresarbeitszahlen keinesfalls garantiert, was in einem aktuellen Feldversuch am Oberrhein aufgezeigt wurde.“

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Saarland
02.10.2008
Wärmepumpen meist keine sinnvolle Alternative

* * *

Checkliste der Verbraucherzentralen weist Verbrauchern den Weg
Einige Anbieter von Wärmepumpen bewerben ihre Produkte mit übertriebenen oder irreführenden Aussagen zu deren Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Wer das für bare Münze nimmt, erlebt bisweilen unangenehme Überraschungen bei der ersten Stromrechnung. Die Verbraucherzentralen bieten jetzt eine umfangreiche Checkliste an, die Hauseigentümern bei Planung und Installation einer Wärmepumpe helfen soll, typische Fehler und überzogene Erwartungen zu vermeiden. Die Checkliste gibt Antworten zu den wichtigsten technischen Fragen und Handlungsempfehlungen zu Anschaffung und Betrieb einer Wärmepumpe. Sie ist kann am Ende des Textes herunter geladen werden.

„Nie mehr Heizkosten“ oder „Heizkosten auf ein Viertel reduziert“ – solche und ähnliche unseriöse Aussagen fand die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, als sie im Internet Aussagen von Anbietern unter die Lupe nahm. Einige Hersteller, Energieversorger und Fachfirmen preisen Wärmepumpen als Wunderwaffe gegen steigende Energiepreise an. Dabei wird gerne verschwiegen, dass der Einsatz einer Wärmepumpe nur unter ganz bestimmten Bedingungen ökonomisch sinnvoll ist und lohnende Energie- und Kosteneinsparungen bewirkt. Aussagen, wie „Vorlauftemperatur bis 75° Celsius möglich“, verschleiern die damit einhergehende Effizienzeinbuße. Denn nur bei niedrigen Heizungsvorlauftemperaturen in Verbindung mit einer guten Wärmedämmung arbeiten Wärmepumpen effizient. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Wärmeerzeugung durch Luft-Wasser-Wärmepumpen bei Außen-temperaturen um die -20° Celsius wird häufig als unproblematisch dargestellt. Dabei verschweigt die Werbung gerne, dass bei derart niedrigen Außentemperaturen für die Wärmeerzeugung eine meist elektrische Zusatzheizung zugeschaltet werden muss. Das kann die Stromrechnung erheblich in die Höhe treiben.

Anhand der neuen Wärmepumpen-Checkliste der Verbraucherzentra-len können Hauseigentümer bei den Angeboten der Fachbetriebe die Spreu vom Weizen trennen. Zahlreiche Detailinformationen erlauben eine Prüfung, ob eine Wärmepumpe wirklich zum Gebäude passt. Denn unter Umständen ist ein anderes Heizungssystem besser geeignet. Die Checkliste steht ab sofort zum Herunterladen hier bereit und wird demnächst auch als Broschüre in allen 59 Energie-Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz ausliegen.

Die wichtigsten Tipps zu Wärmepumpen aus der Checkliste im Überblick:

Gebäude und Wärmepumpe müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Das Haus sollte gut gedämmt sein und die Wärmeverteilung über eine Fußboden- oder Wandheizung erfolgen.
Als Wärmequelle kommen in erster Linie das Erdreich oder das Grundwasser in Frage.
In hoch wärmegedämmten Passivhäusern ist der Einsatz von Luftwärmepumpen in Kombination mit der Lüftungsanlage sinnvoll.
Die Wärmepumpe sollte möglichst monovalent, also ohne Elektroheizstab betrieben werden.
Die Warmwasserbereitung sollte ebenfalls über die Wärmepumpe erfolgen.
Bei Bohrungen ist vorab eine Genehmigung bei der unteren Wasserbehörde einzuholen.
Bohrfirmen sollte man nach DVGW-Zertifizierung und Referenzob-jekten fragen.
Eine ausführliche Dokumentation der Bohrung sollte erfolgen.
Auf eine genaue Planung und Auslegung der Wärmepumpe ist zu achten.
Einen hydraulischen Abgleich für die Wärmequelle und die Wärmeverteilung sollte man durchführen lassen.
Man sollte auf jeden Fall einen Wärmemengenzähler einbauen und eine Jahresarbeitszahl vertraglich zusichern lassen. Nach dem Einbau empfiehlt es sich, die Jahresarbeitszahl durch regelmäßiges Zählerablesen prüfen.
Bei allen Fragen im Vorfeld steht die unabhängige Energieberatung der Verbraucherzentralen für Informationen und unabhängige Beratung zur Verfügung.

Energieberatung – unabhängig und kompetent
Zur Energieberatung der Verbraucherzentralen: Als Architekten, Inge-nieure und Physiker verfügen die bundesweit rund 300 Energieberater der Verbraucherzentralen über ein fundiertes Fachwissen und können so für jeden Ratsuchenden eine individuelle Energiesparlösung anbie-ten. Durch die alleinige Förderung des Bundesministeriums für Wirt-schaft und Technologie erfolgt die Beratung frei von jeglichen kommer-ziellen Interessen.
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale steht in Rheinland-Pfalz dank einer zusätzlichen Förderung aus dem Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz allen privaten Verbrauchern kostenlos zur Verfügung. Die nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie unter http://www.energieberatung-rlp.de. Einen individuellen Termin können Sie unter 01805 60 75 60 20 (14 ct/Minute aus dem deutschen Festnetz, abweichende Preise für Mobilfunkteilnehmer) vereinbaren.
VZ-RLP

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
24.11.2009
Wärmepumpen – Werbung häufig irreführend

Bild: Pixelio.de,

Gabi Schoenemann

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