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DIN 18195 kostenlos

Denkste! Es gibt keine Normen für umsonst / kostenlos / kostenfrei. Die DIN Normen sind als Ergebnis privatwirtschaftlicher Tätigkeit vom Urheberrecht geschützt. Geregelt wird das im Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) vom 9. September 1965 in Teil 1. Urheberrecht, Abschnitt 2. Das Werk:

㤠5. Amtliche Werke.
(1) Gesetze, Verordnungen, amtliche Erlasse und Bekanntmachungen sowie Entscheidungen und amtlich verfaßte Leitsätze zu Entscheidungen genießen keinen urheberrechtlichen Schutz.
(2) Das gleiche gilt für andere amtliche Werke, die im amtlichen Interesse zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht worden sind, mit der Einschränkung, daß die Bestimmungen über Änderungsverbot und Quellenangabe in § 62 Abs. 1 bis 3 und § 63 Abs. 1 und 2 entsprechend anzuwenden sind.“

Diese Version des § 5 vom 01.01.1966 entspricht dem § 143 Abs. 2 des Gesetzes vom 9. September 1965. Bei der Novellierung 2003 kam im September 2003 ein weiterer Absatz dazu:

„(3) [1] Das Urheberrecht an privaten Normwerken wird durch die Absätze 1 und 2 nicht berührt, wenn Gesetze, Verordnungen, Erlasse oder amtliche Bekanntmachungen auf sie verweisen, ohne ihren Wortlaut wiederzugeben. [2] In diesem Fall ist der Urheber verpflichtet, jedem Verleger zu angemessenen Bedingungen ein Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung einzuräumen. [3] Ist ein Dritter Inhaber des ausschließlichen Rechts zur Vervielfältigung und Verbreitung, so ist dieser zur Einräumung des Nutzungsrechts nach Satz 2 verpflichtet.“

Hier ist von „privaten Normenwerken“ die Rede und eingangs wurde darauf hingewiesen, dass die DIN Normen als Ergebnis privatwirtschaftlicher Tätigkeit vom Urheberrecht geschützt sind. Was bedeutet das? Der Gesetzgeber (also unser vorsorglicher Vater Staat) erhebt per Dekret doch gerade diese privaten Normen zum Gesetz. Beispiel EnEV (Energieeinsparverordnung), hier werden sogar Vornormen (das sind keine Normen, weil Vorbehalte bestehen!) als verbindlich erklärt – und dass, obwohl bekanntermaßen die Grundlagen falsch und praxisuntauglich sind (s.u.).

Der DIN firmiert als e.V., ist aber eine umsatz- und gewinnorientierte Organisation, die im Auftrag der beteiligten interessierten Kreise die Normen herausgibt. Was aber sind DIN Normen? Das haben noch nicht einmal alle Architekten und Ingenieure erkannt, worum es geht – leider. Deshalb wird die Bedeutung der DIN Normen für die Bauausführung häufig überbewertet und es werden ihnen Eigenschaften angedichtet, die sie nicht haben.

Mit dem Charakter der DIN Normen haben sich schon die höchsten Gerichte in Deutschland befasst. Hier eine kurze Zusammenfassung:

– sie dürfen nicht unkritisch als „geronnener Sachverstand“ verstanden werden
– sie dürfen nicht unkritisch als reine Forschungsergebnisse verstanden werden
– es handelt sich um Vereinbarungen interessierter Kreise
– sie dienen dem Zweck einer bestimmten Einflussnahme auf das Marktgeschehen
– sie genügen nicht Anforderungen an Neutralität und Unvoreingenommenheit
– sie können nicht als „außerrechtliche Fachfragen“ eingestuft werden
– sie sind als Ersatz für rechtliche Regelungen ungeeignet
– sie sind oft das Ergebnis eines Kompromisses der unterschiedlichen Zielvorstellungen
– sie haben nicht schon kraft ihrer Existenz die Qualität von anerkannten Regeln der Technik
– die DIN-Normen sind den anerkannten Regeln der Technik unterzuordnen
– sie sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter
– sie können die anerkannten Regeln der Technik wiedergeben oder hinter diesen zurückbleiben
– die anerkannten Regeln der Technik dürfen keineswegs mit den DIN-Normen identisch gesetzt werden
– der Begriff der anerkannten Regeln der Technik geht über den der DIN-Normen hinaus
– das DIN hat keine Rechtsetzungsbefugnisse
– den Normenausschüssen gehören Vertreter von Unternehmen an, die ihre Eigeninteressen einbringen

Das DIN selbst beschreibt den Sachverhalt so:

„Durch das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln. Jeder handelt insoweit auf eigene Gefahr“. – ”Die DIN-Normen haben kraft Entstehung, Trägerschaft, Inhalt und Anwendungsbereich den Charakter von Empfehlungen”. – ”DIN-Normen an sich haben keine rechtliche Verbindlichkeit”. – ”DIN-Normen dienen der Ausfüllung unbestimmter Rechtsbegriffe, z. B. des Begriffes Stand der Technik”. – ”Die Mitgliedschaft im DIN sichert einen Einfluss auf die normungspolitischen Entscheidungen des DIN”. – ”Die Förder- und Kostenbeiträge der Wirtschaft … sind ein praxisnahes Steuerungsinstrument für die Normungsarbeit”. – ”DIN ist auf Kostenbeiträge der Wirtschaft angewiesen, mit denen die Arbeit der Normenausschüsse gefördert wird. Die Förderbeiträge sind ein Gradmesser für die Notwendigkeit von Normungsvorhaben und ein praxisnahes Steuerungsinstrument für die Normungsprogramme”. – ”An der Normungsarbeit interessierte Firmen, Institutionen und Verbände können Förderbeiträge zentral abführen”. – ”Wer die Normungsarbeit weder durch einen Förderbeitrag noch durch einen Kostenbeitrag finanziell unterstützt, kann von der Mitarbeit ausgeschlossen werden”.

Vertrieben werden die DIN Normen durch den Beuth Verlag. Auch dieses Unternehmen ist auf Umsatz und Gewinn angewiesen. Insofern sind „Novellierungen“ der Normen in kurzen Abständen gewollt. Bei Einzelpreisen von 50 bis 150 Euro wird das verständlich. Die Finanzierung des DIN erfolgt zu 17% über Steuergelder. Indirekt werden weitere Millionen hinein gepumpt, indem verschiedene Bundesministerien (Bau, Forschung, Wirtschaft) lukrative Forschungsprojekte fördern, d.h. das Geld geht auch hier dahin, wo es bereits ist – zu den großen Unternehmen. Also, am Ende geht es wieder mal ums Geld. Deshalb gibt es keine Normen für umsonst / kostenlos / kostenfrei.

Quellen:

„DIN-Normen – ein Instrument der Täuschung“ von Prof. Claus Meier,
zahlreiche Artikel, Urteile, Aufsätze, Meldungen bei richtigbauen.de („Regeln“)

siehe auch:

DIN von Hochschulprofessor kritisiert
im Blog BAUFÜSICK

Normen zum Wärmeschutz von Gebäuden (Die Berechnungsverfahren der Normen erlauben keine realistische Einschätzung der Feuchte- und Wärmebilanz von Bauteilen) im Blog BAUFÜSICK

Tauwasser und Sorption, Wärme und Feuchte, Vornormen und Vorbehalte
im Blog BAUFÜSICK

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  1. 20.03.2017 um 19:27

    Nachdem die DIN 18195 Bauwerksabdichtungen immer wieder verändert und erweitert worden war, entschied der Normenausschuss im Jahr 2010 die bisherige DIN 18195 in Einzelnormen für fünf verschiedene Anwendungsbereiche aufzuteilen. Die DIN 18195 wird zwar erhalten bleiben, aber nur noch die in den Normen verwendeten Begriffe definieren. Die Abdichtung von erdberührten Bauteilen wird fortan in der DIN 18533 geregelt.

    Wie die neue Norm das Wasser stoppt
    Sonderdruck aus Heft 7/2016
    B+B Bauen im Bestand

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  2. 01.09.2016 um 16:34

    Die DIN 18195 gibt es nach 29 Jahren nicht mehr.

    Die Nachfolger sind:
    DIN 18531 Abdichtungen für nicht genutzte und genutzte Dächer
    DIN 18532 Abdichtungen für befahrbare Verkehrsflächen aus Beton
    DIN 18533 Abdichtungen für erdberührte Bauteile, Abdichtungen in und unter Wänden
    DIN 18534 Abdichtungen für Innenräume
    DIN 18535 Abdichtungen für Behälter und Becken

    DIN 18536 (Reserve-Normnummer) Abdichtungen für erdberührte Bauteile im Bestand
    soll vorerst in DIN 18533 integriert werden.

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  1. 03.01.2011 um 17:25

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