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Hauptsache, der U-Wert passt

Mit Energiespartipss der besonderen Art und Güte beglückt die BERLINER MORGENPOST im so genannten Immobilien-Telefon vom 02.08.2008 die energiesparinteressierte/-wütige Leserschaft. Hier nur ein kleines Beispiel aus dem Sammelsurium unabhängiger und neutraler Weisheiten kritischen Jounalismus´:

Frage: „Hat eigentlich die mehr oder minder gute Qualität der Außenwand Einfluss auf das Material für die Wärmedämmung?“ Antwort: „Es spielt kaum eine Rolle, wie dünn oder energieverlustträchtig Ihre Außenwand ist – moderne WDVS-Systeme sind so gut, dass es aufs Dahinter kaum ankommt. Fragen Sie sich lieber, welchen energetischen Standard Sie erreichen wollen. Davon hängt es ab, welche Maßnahmen Sie brauchen, wie dick Sie dämmen und wie viel Sie fürs WDVS ausgeben. Mehr als „Passivhaus-Qualität“ (*) dürfte heute bei keinem vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erreichen sein.“

Wozu also brauchen wir dann überhaupt noch Außenwände? Das ist nun aber keine Polemik, sondern die logische Fortsetzung des Gedankens, dass es egal sei wie dünn die Außenwand ist. Die Antwort ist einfach: ja, man braucht die Außenwand. Nach der verblüffenden Logik der U-Wert-Fetischisten würde aber auch eine OSB-Platte genügen, an die man das WDVS anpeppt. Hauptsache der U-Wert passt. Was interessieren Statik, Brandschutz, Schallschutz? Was interessieren überhitzte Buden im Sommer, was ein massearmes WDVS nicht verhindern kann – jedoch massive Wände mit TAV und Phasenverschiebung. Aufgeheizte „gut gedämmte“ Dachgeschosse sind keine Einbildung, die gibt es tatsächlich zuhauf.

(*) Hierzu gehören nicht nur „eine Dämmung von oft 20 bis 25 Zentimetern Dicke“, sondern auch neue Fenster mit Dreischeibenverglasung und kontrollierte Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Doch, was soll der hier an den Tag gelegte Pessimismus? Glaubt man den Hurra-Berichten und Energiespar-Prophezeiungen, nähern wir uns mit Riesenschritten dem perpetuum mobile am und im Wohngebäude.

Eine Fortsetzung ist für den kommenden Sonnabend angedroht. Ob da vielleicht mal jemand auf die Idee kommt, danach zu fragen was all die guten Dinge kosten und wie es um das – nicht schöngerechnete und schöngeredete – Kosten-Nutzen-Verhältnis bestellt ist? Wenngleich der Begriff des vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnisses gebraucht wird, erschließt sich dies nicht, solange keinerlei Zahlen dahinter stehen. Aber: auch beim Energiesparen besteht in der Propaganda kein Erfordernis, mit Zahlen und Fakten zu arbeiten, solange sich Deutschmichel mit Phrasen abspeisen lässt. Wobei man nicht annehmen soll, dass der Qualitätsjournalismus der heutigen Zeit nicht auch noch Amortisationszeiten von 40 Jahren aufwärts zum Erfolg hochzujubeln bereit und im Stande wäre.

* * *

Dass alles erst mal finanziert werden muss und dass dies mitunter an den Realitäten scheitert, behandelt dieser Artikel. Man darf hier davon ausgehen, dass die Immbobilienwirtschaft als Autor weiß, wovon sie redet. Denken die doch glatt darüber nach, woher das viele Geld kommen soll. Unglaublich.

Nicht genug, dass das viel beschworene Passivhaus im Bestand an bauphysikalischen Naturgesetzlichkeiten und Regeln ökonomischer Natur schwer zu tragen hat, kommt auch noch eine verbohrte Ungläubigkeit dazu, wo sich ein nicht unbeträchtlicher Teil trotz Propaganda der verordneten Euphorie entzieht.

Das führt dann dazu, dass sich viele dem staatlich verordneten Energiesparzwang dreist entziehen wollen, nur weil sie nicht bereit sind, das geniale Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erkennen. Oder liegt es gar daran, dass diese trotzköpfigen Wirtschaftlichkeits-Apologeten meinen, den Nutzen hätten andere? Qui bono?

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 09.02.2011 um 12:40

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