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Energieeinsparung im Gebäudebestand: bis zu 50% sind möglich

Bis zu 50% Energieeinsparung im Gebäudebestand

Im Vorfeld der Berliner Energietage berichtet die Zeitschrift Energie-ImpulsE auf Seite 7 ihrer Ausgabe 01.08 darüber, dass unter dem Motto „Gut beraten in die Zukunft investieren!“ die Berliner Energieagentur (BEA) und die Investitionsbank (IBB) ab sofort im Bereich der energetischen Gebäudesanierung eng zusammenarbeiten. Ziel der Kooperation solle die Unterstützung von sanierungswilligen Investoren durch eine kostenlose energetische Beratung zum Sanierungsvorhaben in Verbindung mit einer attraktiven Finanzierung durch die IBB sein.

Bemerkenswert ist die Einschätzung zu den Einsparpotenzialen. Hierzu folgendes Zitat: „Steigende Kosten für die Energieversorgung wecken bei immer mehr Immobilienbesitzern Interesse an einer nachhaltigen Steigerung der Energieeffizienz ihrer Gebäude. Durch die energetische Sanierung von Altbauten können je nach Art und Umfang der Maßnahmen bis zu 50% der heute verbrauchten Energie eingespart werden. Von den in Berlin vorhandenen 140.000 Mehrfamilienhäusern werden jährlich rund 5.000 saniert bzw. modernisiert.“

Bemerkenswert ist hierbei nicht die Höhe der Einsparung am Energieverbrauch in der Größenordnung „bis zu 50%“ an sich, sondern die Annäherung an realistische Werte. Zu den Maßnahmen der energetischen Sanierung von Altbauten gehören effizientere Heizanlagen, Dämmung im Deckenbereich im Keller und im Dach/Boden, manchmal auch Fassadendämmungen und Fenstererneuerung. Es geht also um komplexe Maßnahmen bzw. Kombinationen.

Insbesondere im Bereich der Fassadendämmungen mit WDVS war die bisherige nahe Vergangenheit geprägt durch Wunschdenken, Träume und Fiktionen. Nicht nur die Hersteller dieser Systeme überboten sich im Rahmen einer inoffiziellen Energieeinsparolympiade, auch die Bundesregierung war nicht zu bremsen bei der Hatz in Richtung perpetuum mobile. „Überholen ohne einzuholen“ nannte man das in dem in der damaligen Form nicht mehr existenten Teil Deutschlands zwischen Ostsee, Elbe und Erzgebirge.

30% zum 1. zu…, 50% zum 1., zum 2., 90% … – die Steigerungen bei den Einsparprophezeiungen nahmen atemberaubende Sprünge. Einen Einblick in das Panoptikum der ungebremsten Energiesparerei an der Gebäudewand gewährt dem geneigten Leser die Internetseite richtigbauen.de:

WDVS: moderne Sparwunder

.: Bayosan verspricht: „35% weniger Heizkosten!“ (07.2005)

.: Caparol verspricht: 43% / 50-80% / 0,3-2,0 Jahre Amortisation (08.2005)

.: Bayosan verspricht: „bis zu 50% weniger Heizkosten“ (02.2007)

.: Caparol verspricht: Z.B.: „Heizenergie-Verbrauch um bis zu 50% senken“ (08.2005)

.: Caparol verspricht: bis zu 50% Heizkosten sparen! (11.2006)

.: MAPPE die Malerzeitung verspricht: Heizkosten um 50% reduzieren (01.2007)

.: Industrieverband WerkMörtel verspricht 50% und mehr (02.2008)

.: maxit verspricht bis zu 60% Heizkostenersparnis (04.2007)

.: Sto AG verspricht: „Bis zu 60% der Energiemenge lassen sich einsparen.“ (08.2005)

.: FV WDV verspricht 60% Energieersparnis mit WDV System (01.2007)

.: Klinker-Zentrale verspricht bis zu 60% (03.2008)

.: FV WDV suggeriert: Heizenergieverbrauch kann um 66% gesenkt werden (01.2007)

.: VHD verspricht 67% Energiebedarfsreduzierung (01.2008)

.: Außendämmung: 2001 waren es noch 70% Einsparung (10.2005)

.: quick-mix verspricht: „Mit Dämmung bis zu 70% Heizkosten sparen“ (01.2007)

.: Dank ministerieller Weisheiten 75% weniger Heizenergieverluste (08.2005)

.: Caparol verspricht: 43% / 50-80% / 0,3-2,0 Jahre Amortisation (08.2005)

.: quick-mix verspricht: „Reduzierung der Heizenergiekosten bis zu 80%“ (01.2005)

.: Gabriel: 50% sind üblich, bis zu 90% realistisch (04.2007)

.: Mit WDVS mehr einsparen als verbrauchen (FV WDV 2005)

.: Sto AG verspricht 3,18 Mrd. l Einsparung an Heizöl in 2005 (08.2005)

.: Caparol verspricht: Amortisation in 5-6 Jahren (11.2006)

Vom Unterhaltungswert abgesehen, mag sich ein jeder seinen eigenen Reim darauf machen. Immerhin war es bereits in der jüngeren Vergangenheit nicht so, dass keine realitätsnahen Vorstellungen zu den tatsächlichen Möglichkeiten bestanden hätten. Auch hierzu berichtet richtigbauen.de:

Einsparpotenziale anderer Größenordnung bei richtigsanieren.de

.: Bei der Außenwand 19% sparen (03.2006)

.: Außenwanddämmung: max. 75% von 25% (02.2007)

.: Wärmeverluste: Anteil der Außenwände – 34% (2000)bei richtigbauen.de

.: Typische Wärmeverluste eines Einfamilienhauses, Außenwand – 25% (07.2005)

.: Energieverluste über die Außenwand (02.2007)

Insofern ist es als wohltuend zu empfinden, dass von solch einer Organisation wie der Berliner Energieagentur (BEA) eine Botschaft verkündet werden, die einem wieder einen Hauch von Realität zuweht. Vergleicht man die oben angegebenen Werte zu den Einsparpotenzialen und verteilt die avisierten bis zu 50% Gesamteinsparung anteilig gewichtet auf die Einzelmaßnahmen, so ergibt sich ein Bild, das für Investitionsentscheidungen eine eher verlässliche Grundlage liefert.

Bei genauer Betrachtung unter der Einbeziehung der Investitionskosten ergibt sich dann zwangsläufig hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit bestimmter Systeme ein bescheidenes Ergebnis. Rechnet man dann noch die Instandhaltungs- und Unterhaltskosten hinzu und blickt auf Amortisationszeiten jenseits der 40-Jahres-Marke, wird deutlich, warum bestimmte beworbene Systeme nicht vorbehaltlos angenommen werden. Ob eine Förderung das Kosten-Nutzen-Verhältnis aufzuhübschen vermag, ist für den jeweiligen Einzelfall zu beurteilen.

Siehe auch:

Höherer Verbrauch trotz Effizienzsteigerung

https://baufuesick.wordpress.com/2008/02/07/hoherer-energieverbrauch-trotz-effizienzsteigerungen/

Energieverbrauchsanalysen

https://baufuesick.wordpress.com/2008/01/03/energieverbrauchsanalysen/

Der CO2-Gebäudereport 2007

https://baufuesick.wordpress.com/2007/12/15/der-co2-gebaudereport-2007/

Wie man mit Statistik Erfolge erzielt

https://baufuesick.wordpress.com/2007/12/15/wie-man-mit-statistik-erfolge-erzielt/

Normen zum Wärmeschutz von Gebäuden

https://baufuesick.wordpress.com/2007/12/15/normen-zum-warmeschutz-von-gebauden/

  1. 05.05.2008 um 07:22

    … und mit Wärmerückgewinnung lässt sich sogar mehr als 90% der Heizenergie einsparen. ;-)Sollte vielleicht mal auch solche Aussagen sammeln.Gruß,Andreas Kühl

    Liken

  1. 31.05.2012 um 07:50
  2. 07.08.2011 um 13:53
  3. 09.02.2011 um 12:41

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